Weinkultur in Armenien

Wein ist mehr als nur ein Getränk – er ist Kultur, Geschichte und Tradition in einem. Mehr als 6000 Jahre geht seine Geschichte zurück, und noch heute spielt er u. a. auch im armenischen Christentum eine wichtige Rolle.

Wein in der Bibel

Der Legende nach pflanzte Noah hier den ersten Weinberg. Nach dem Noahs Arche endlich auf dem Berg Ararat ankam, hatte Noah einen Samen dabei – den jemand von seiner Familie ihm gebracht hatte. Er pflanzte es am Fuße des Berges. Bald wuchsen im Ararat-Tal die Weinberge und brachten fruchtbare Trauben hervor. 

Die Traube steht im Alten Testament symbolisch für Gottes Gnade und seine Fürsorge für Menschen. Auch wenn im Alten Testament der übermäßige Weingenuss und die damit verbundene Trunkenheit mit scharfen Worte getadelt wurde (z.B. Spr 23,20-21.29-35; Jes 5,11-12.22, 28,1.7-8; vgl. Eph 5,18), wird nur von amtierend Priestern zeitweilige Enthaltsamkeit eingefordert (Lev 10,8-11; Ez 44 24). Sonst wird der gemäßigte Weinkonsum sogar gelobt: „Der Wein erquickt die Menschen, wenn man ihn mäßig trinkt. Was ist das Leben ohne Wein? Denn er ist von Anbeginn zur Freude geschaffen. Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maße getrunken, erfreut Herz und Seele“ lesen wir im Buch Jesus Sirach 31, 27-28.

Preise den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
[…] Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen,
damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl
und Brot das Herz des Menschen stärkt.

(Psalm 104,1.14f)

Wein wird nicht nur im alltäglichen Leben verwendet, sondern auch im alttestamentlichen Gottesdienst. Dort wurde er als Trankopfer dargebracht (Ex 29,40; Lev 23,13; Hos 9,4). Dazu goss man ihn entweder am Fundament des Brandopferaltars aus (Sir 50,15) oder aber sprengte ihn über das Brandopfer (Num 15,5.7.10). Wein wird im Neuen Testament Thema von Jesu Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Mk 12,1-12; par Mt 21,33-46; Lk 20,9-19; vgl. Jes 5,2.5). Er selbst verwandelt das Wasser in Wein (Joh 2, 1-11). Im letzten Abendmahl reicht Jesus Christus den Jüngern den Weinkelch und sagt: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,27f). Diejenigen, die Sein Leb und Blut kosten, wird das Leben in der Ewigkeit zugesprochen: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“ (Joh 6,54). Hingegen sich selbst enthält er weiteren Weingenuss „bis zu dem Tag, an dem ich ⌈Jesus Christus⌋ mit euch von Neuem davon trinke im Reich meines Vaters“ (Mt 26,29).

In der christlichen Passionsmystik findet man die bildliche Darstellung des „Christus in der Kelter“. Sie nimmt Bezug auf Jesaja 63,3: „Ich allein trat die Kelter“. Christus in der Kelter trägt den Pressbaum (Kelterbalken) als sein Kreuz. Er presst die Weintrauben aus, die aus seinen Rippen wachsen und er ist zugleich selbst der Ausgepresste.

Weinkultur in Armenien

Sowohl biblische als auch historische Belege für die Entstehung des Weins führen nach Armenien, in das Heilige Land des Weins.

Rund 6100 Jahre Weinbaugeschichte, über 300 autochthone armenische Rebsorten und die einzigartigen Traditionen des Weinbaus und der Weinherstellung, die bis heute überlebt haben, prägen das einzigartige Erscheinungsbild dieses kleinen Landes.

Zwar wird in Armenien seit Generationen Wein angebaut, der Weintourismus ist hier aber noch relativ jung. Dennoch eignet er sich hervorragend, um die Gastfreundschaft der armenischen Menschen zu erleben und ihre einzigartige Geschichte kennenzulernen.

Heutzutage gilt Armenien als „Perle“ in der alten Weinwelt. Auf den Hügeln dieses Landes wachsen indigene Rebsorte auf 1000 bis 1800 Meter über dem Meeresspiegel. 306 Sonnentage im Jahr und der vulkanische Boden, reich an Basalt, Tuff und Obsidian, machen die Weine Armeniens zum etwas Exklusiven, was unbedingt verkostet werden sollte.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „HEIMAT“ präsentiert die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg, in Kooperation mit Partnern die Weinkultur Armeniens am 24. November 2022, im Kleinen Kursaal Bad Cannstatt. Weitere Informationen erhalten Sie hier