„Ein Leib und ein Geist“

Nachklang einer ökumenischen Stunde in Freiburg

Im Geist der universalen Kirche und im Hören auf das Wort des Apostels Paulus – „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“ (Eph 4,4), wurde am 16. Januar 2026 in Freiburg im Breisgau die diesjährige Gebetswoche für die Einheit der Christen feierlich eröffnet. Der ökumenische Gottesdienst in der Alt-katholische Kirche St. Ursula stand exemplarisch für das geistliche Anliegen dieser weltweiten Initiative: die sichtbare Einheit der Christen nicht als fernes Ideal, sondern als gegenwärtige Berufung der Kirche zu bezeugen.

Armenische Impulse für die Weltkirche

Die Gebetswoche 2026 ist in besonderer Weise von der geistlichen Tradition Armeniens geprägt. Die Materialien wurden von Christinnen und Christen der Armenisch-Apostolische Kirche gemeinsam mit Vertretern der Armenisch-Katholischen und der Evangelischen Kirche erarbeitet. Sie entstanden am Muttersitz des Heiligen Etschmiadsin, dem historischen Zentrum der armenischen Kirche, und schöpfen aus einem reichen Erbe von Gebeten, Hymnen und theologischer Reflexion, das bis in die frühchristliche Zeit zurückreicht.

Dieses Erbe wurde im Freiburger Gottesdienst nicht nur zitiert, sondern liturgisch erfahrbar gemacht. Die Lichtsymbolik, inspiriert vom armenischen Sonnenaufgangsgebet des heiligen Nerses des Gnädigen, verwies auf Christus als „Licht vom Licht“ – eine Formulierung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, die in diesem Jahr bewusst in den Mittelpunkt gestellt wurde. So verband sich alte orientalische Spiritualität mit der ökumenischen Wirklichkeit einer mitteleuropäischen Stadtgemeinde.

Einheit in Vielfalt und gemeinsames Zeugnis

Der Gottesdienst versammelte Vertreter verschiedener christlicher Kirchen und Traditionen. Mitwirkende waren Marc Witzenbacher, Prälat der Evangelischen Landeskirche in Baden, Peter Birkhofer, Weihbischof der Erzdiözese Freiburg, sowie Diradur Sardaryan, Pfarrer der armenischen Gemeinde in Baden-Württemberg. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der ACK Freiburg brachten sie zum Ausdruck, dass die Einheit der Kirche nicht im Aufgeben konfessioneller Identität besteht, sondern im gemeinsamen Bekenntnis zu Christus und im Wirken desselben Heiligen Geistes.

In Gebet, Schriftlesung und Fürbitte wurde deutlich, dass ökumenische Einheit stets auch eine Verantwortung für die Welt einschließt. Die Gebete um Frieden, insbesondere für die Menschen in Armenien und Arzach, aber auch für alle von Krieg, Gewalt und Vertreibung Betroffenen, unterstrichen den universalen Horizont kirchlichen Handelns. Einheit, so wurde spürbar, ist untrennbar mit dem Zeugnis der Liebe und der Hoffnung verbunden.

Die eine Hoffnung als Auftrag der Kirche

Das Leitwort aus dem Epheserbrief lenkt den Blick auf die „eine Hoffnung“, zu der alle Christen berufen sind. Diese Hoffnung ist nicht abstrakt, sondern konkret verankert in der Taufe, im gemeinsamen Glauben und im Auftrag der Kirche, das Evangelium zu verkünden. Der Freiburger Gottesdienst machte sichtbar, dass diese Hoffnung auch heute tragfähig ist: als geistliche Ressource in einer von Spaltungen geprägten Welt, als Quelle der Versöhnung und als Antrieb für ökumenische Zusammenarbeit.

Für die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg war die Mitgestaltung dieses Gottesdienstes ein Ausdruck ihrer lebendigen Verbundenheit mit der Weltkirche. Die armenische Tradition erwies sich dabei nicht als historisches Relikt, sondern als geistliche Gabe, die den ökumenischen Weg aller Christen bereichert, in diesem Fall, u.a. mit der wunderbaren Stimme von der Kantorin der Gemeinde Lilit Kärcher Sargsyan.

Ausblick

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2026 setzt mit ihrem armenischen Schwerpunkt ein deutliches Zeichen: Die Kirche lebt aus einem gemeinsamen Ursprung und geht einer gemeinsamen Hoffnung entgegen. Der ökumenische Gottesdienst in Freiburg war ein sichtbarer Ausdruck dieser Wahrheit, und zugleich eine Einladung, den eingeschlagenen Weg der Annäherung, des Gebets und der Zusammenarbeit weiterzugehen.

Hintergrundinformationen zur Gebetswoche 2026

Der Text zur Situation in Armenien liefert die historische und aktuelle ökumenische Kontextualisierung Armeniens der letzten 30 Jahre, von der Renaissance der Armenisch-Apostolischen Kirche über die konfessionelle Vielfalt bis hin zu konkreten ökumenischen und interreligiösen Dialogen, als wichtige Hintergrundinformation.

Das Gottesdienstheft zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2026 vertieft das bereits bekannte theologische Leitmotiv („Ein Leib und ein Geist …“, Eph 4,4) nun liturgisch, spirituell und praktisch:

  • mit der armenisch geprägten Gottesdienstordnung („Licht vom Licht als Licht“),

  • den biblischen Meditationen für alle acht Tage,

  • der theologischen Selbstverortung der Armenisch-Apostolischen Kirche,

  • sowie dem klaren ökumenischen Horizont (ACK, ÖRK, Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen).

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