{"id":19877,"date":"2024-11-14T08:51:54","date_gmt":"2024-11-14T07:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=19877"},"modified":"2024-11-14T09:00:38","modified_gmt":"2024-11-14T08:00:38","slug":"erzaehl-mir-vom-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2024\/erzaehl-mir-vom-frieden\/","title":{"rendered":"\u201eErz\u00e4hl mir vom Frieden\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\"><p class=\"article--headline primus--headline\">\u201eErz\u00e4hl mir vom Frieden\u201c \u2013 \u00dcberlegungen zur Gewaltfreiheit<\/p><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:28;line-height:1.2;\"><p class=\"article--headline primus--headline\">Die Perspektive im Lichte der Theologie der Armenischen Kirche und geopolitischer Realit\u00e4ten<\/p><\/h2><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><em>Ein Beitrag zur \u00d6kumenischen Friedensdekade<br \/>\nvon Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/em><\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eErz\u00e4hl mir vom Frieden\u201c begehen wir vom 10. bis 20. November die diesj\u00e4hrige \u00d6kumenische FriedensDekade. In dieser Zeit sind Kirchen aufgerufen, gemeinsam f\u00fcr den Frieden zu beten. In unserer Gemeinde haben wir die Dekade mit einem Friedensgebet er\u00f6ffnet. Dabei ist es unser Anliegen, die Aufmerksamkeit der Welt\u00f6ffentlichkeit auf das Schicksal der vertriebenen Armenier und der in aserbaidschanischen Gef\u00e4ngnissen inhaftierten Gefangenen zu lenken. Die Situation Armeniens zeigt heute \u2013 wie selten zuvor \u2013 die Herausforderungen, die eine gewaltfreie Haltung inmitten einer angespannten geopolitischen Lage mit sich bringt. F\u00fcr Armenien lautet die zentrale Frage: <em>Wie kann ein Volk, das bedroht ist, Frieden schaffen und zugleich seine W\u00fcrde und Existenz bewahren?<\/em><\/p>\n<h3>Friedensethik in Bedr\u00e4ngnis<\/h3>\n<p>F\u00fcr Armenien ist Frieden keine abstrakte Idee, sondern eine existenzielle Notwendigkeit. Die Armenische Kirche betrachtet Frieden als g\u00f6ttliches Geschenk und sieht sich zugleich in der Verantwortung, die Schwachen zu sch\u00fctzen. Diese Pflicht, Frieden zu f\u00f6rdern und gleichzeitig die Not der Bedr\u00e4ngten nicht zu vergessen, hat Armenien tief gepr\u00e4gt. Das Land lebt in der Spannung zwischen Friedfertigkeit und der Realit\u00e4t st\u00e4ndiger Bedrohung und zeigt so, dass Frieden und Selbstschutz oft eng miteinander verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n<p>Armeniens Geschichte und kulturelle Identit\u00e4t sind stark in der Bewahrung von Ehre und W\u00fcrde verwurzelt. Diese Werte zu wahren, ist eine Herausforderung, vor allem wenn Nachbarstaaten weiterhin unverhohlen von der Ausl\u00f6schung und Verdr\u00e4ngung der Armenier tr\u00e4umen und diesen Traum in die Tat umsetzen. Wie der orthodoxe Theologe Stanley Samuel Harakas betont, bedeutet aber christliche Ethik keineswegs Schw\u00e4che. Sie ist vielmehr Ausdruck von Authentizit\u00e4t und Festigkeit. Die Friedfertigkeit Armeniens spiegelt in diesem Sinne einen Widerstand, der sich nicht beugt, sondern die W\u00fcrde bewahrt und als Zeichen der Standhaftigkeit erscheint.<\/p>\n<h3>Gewaltverzicht als spirituelle St\u00e4rke \u2013 und die Frage der Verteidigung<\/h3>\n<p>Die Theologie der <em>Kenosis<\/em>, der Selbstent\u00e4u\u00dferung Christi, weist auf eine Form von St\u00e4rke, die auf innerer \u00dcberzeugung gr\u00fcndet, nicht auf \u00e4u\u00dferer Macht. Gewaltverzicht ist hier eine Entscheidung, die sich aus einer tiefen, geistlichen Kraft speist und den Frieden \u00fcber den Kampf stellt. Armenien h\u00e4lt an diesem Prinzip fest und gewinnt daraus eine St\u00e4rke, die \u00fcber milit\u00e4rische Mittel hinausgeht. Diese Haltung, wie sie auch Mahatma Gandhi und Martin Luther King lebten, zeigt, dass Frieden nicht blo\u00dfer Verzicht auf Gewalt ist, sondern die Wahl, die Konflikte durch Transformation zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Doch so wertvoll dieser Friedenswille auch ist, die Frage nach dem Schutz der eigenen Existenz und W\u00fcrde bleibt dr\u00e4ngend. Armenien hat sich \u00fcber Jahrhunderte gegen Bedrohungen behaupten m\u00fcssen. Die Geschichte des Landes zeigt: Frieden ist f\u00fcr Armenien nicht einfach ein Zustand, sondern ein Weg, der hart erk\u00e4mpft werden muss. Er verlangt, dass die Balance zwischen Friedfertigkeit und Selbstschutz immer wieder neu gefunden wird.<\/p>\n<p>Eingekreist von Staaten wie T\u00fcrkei und Aserbaidschan, die ihre Feindseligkeit offen zeigen, und abh\u00e4ngig von der Unterst\u00fctzung des Iran und Russlands, befindet sich Armenien in einem komplizierten Spannungsfeld. W\u00e4hrend der Iran Armenien aktuell gewogen ist, zeigen sich die T\u00fcrkei und Aserbaidschan unvers\u00f6hnlich, und Russland, einst Schutzmacht, behandelt Armenien zunehmend als Verhandlungsobjekt in geopolitischen Strategien. In diesem Umfeld wird der Gewaltverzicht zu einer Herausforderung, die innere St\u00e4rke erfordert und zugleich die Frage nach der Verteidigungsf\u00e4higkeit aufwirft.<\/p>\n<h3>Die schwierige Balance zwischen Anpassung und Unterwerfung<\/h3>\n<p>Ein kleines Land wie Armenien muss in diesem Spannungsfeld oft zwischen Anpassung und Standhaftigkeit abw\u00e4gen. Doch wann wird Anpassung, die dem \u00dcberleben dient, zur Unterwerfung, die das Land seiner Identit\u00e4t beraubt? Die politische Realit\u00e4t verlangt h\u00e4ufig Kompromisse. Doch ist es leicht, in der Anpassung die eigene Souver\u00e4nit\u00e4t zu verlieren, bis Unterwerfung als Normalit\u00e4t erscheint.<\/p>\n<p>Vaclav Havel hat betont, dass die Macht der M\u00e4chtigen aus der Ohnmacht der Schwachen erw\u00e4chst. Armenien darf daher seine Abh\u00e4ngigkeit von m\u00e4chtigen Nationen nicht als gegeben hinnehmen. In einer solchen Umgebung besteht die Aufgabe nicht nur darin, die \u00e4u\u00dfere Unabh\u00e4ngigkeit zu sichern, sondern auch die innere Freiheit und das eigene Bewusstsein zu bewahren.<\/p>\n<h3>Die Herausforderung der Vers\u00f6hnung<\/h3>\n<p>In Armenien ist Vers\u00f6hnung mehr als ein friedlicher Wunsch. Sie ist ein bewusster Weg, auf dem trotz tiefer Wunden und wiederholter Aggressionen Schritte zur Heilung unternommen werden. Die Frage stellt sich jedoch: <em>Kann Vers\u00f6hnung wirklich Bestand haben, wenn sie einseitig ist?<\/em> Ein wahrer Friede darf nicht auf dem Vergessen der Opfer gr\u00fcnden. Er erfordert die Anerkennung des Unrechts, das geschehen ist, und kann nur dann Bestand haben, wenn aufrichtige Schritte zur Gerechtigkeit unternommen werden.<\/p>\n<p>Die internationale Gemeinschaft, die oft von Frieden spricht, muss sich fragen, ob sie Armeniens Wunsch nach Vers\u00f6hnung nur in Worten unterst\u00fctzt oder auch bereit ist, in Taten Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<h3>Ein Mahnmal f\u00fcr die Weltgemeinschaft<\/h3>\n<p>Die Entscheidung Armeniens f\u00fcr den Frieden ist ein klarer Appell an die Weltgemeinschaft, diesen Weg aktiv zu unterst\u00fctzen. Es bedarf mehr als Resolutionen oder Erkl\u00e4rungen, um sicherzustellen, dass bedrohte Nationen wie Armenien vor den \u00dcbergriffen st\u00e4rkerer Nachbarn gesch\u00fctzt sind. Nur durch eine tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung der Schw\u00e4cheren und die klare Durchsetzung von Gerechtigkeit kann echter Frieden wachsen. Die internationalen Institutionen und M\u00e4chte sind gefordert, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, die T\u00e4ter zur Rechenschaft zu ziehen und so einen dauerhaften Frieden zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Armenien zeigt auf, dass Frieden weit mehr ist als der Verzicht auf Gewalt. Er muss auf Gerechtigkeit und moralischen Prinzipien gr\u00fcnden. Armeniens Appell an die Welt ist daher kein blo\u00dfer Ruf nach Frieden, sondern eine Einladung, ernsthaft an der Sicherung von Gerechtigkeit mitzuwirken und so einen Beitrag zu leisten, der den Frieden wirklich f\u00f6rdert.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"align-self: center;margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:15px;margin-bottom:15px;width:100%;\"><div class=\"fusion-separator-border sep-double sep-solid\" style=\"--awb-height:20px;--awb-amount:20px;border-color:#ffac00;border-top-width:1px;border-bottom-width:1px;\"><\/div><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-2\"><h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Der zentrale Gottesdienst<\/strong><br \/>\n<strong>zum Abschluss der \u00d6kumenischen Friedendekade 2024<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">findet am\u00a0<strong>Mittwoch 20.11.<\/strong> (Bu\u00df- und Bettag) um 19 Uhr<br \/>\nim\u00a0<a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/dcuauVrWQFCjDyuG8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gospel House in Baden-Baden<\/strong><\/a> statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Predigt wird Pastor Dr. Joel Driedger halten.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-element\" style=\"text-align:center;--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\"fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><a class=\"fusion-no-lightbox\" href=\"https:\/\/www.ack-bw.de\" target=\"_blank\" aria-label=\"FRI_plakat-2024-A4_dl\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-724x1024.jpg\" alt class=\"img-responsive wp-image-19882\" srcset=\"https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-200x283.jpg 200w, https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-400x566.jpg 400w, https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-600x849.jpg 600w, https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-800x1131.jpg 800w, https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-1200x1697.jpg 1200w, https:\/\/agbw.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/FRI_plakat-2024-A4_dl-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, (max-width: 640px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":19881,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[142,58,141,140,378,102],"tags":[],"class_list":["post-19877","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-allgemein","category-armenien","category-arzach","category-oekumene","category-sardaryan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19877"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19877\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}