{"id":20834,"date":"2025-03-03T09:00:04","date_gmt":"2025-03-03T08:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=20834"},"modified":"2025-03-14T18:22:53","modified_gmt":"2025-03-14T17:22:53","slug":"von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2025\/von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-1\/","title":{"rendered":"Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung: Teil 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\">Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung:<\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:28;line-height:1.2;\"><h3 data-pm-slice=\"1 1 &#091;&#093;\"><strong>Die Sch\u00f6pfung als g\u00f6ttliche Ordnung<\/strong><\/h3><\/h2><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-3 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-three\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h3 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:23;--minFontSize:23;line-height:1.2;\"><p data-pm-slice=\"1 1 &#091;&#093;\">1. Woche, Montag (3. M\u00e4rz 2025)<\/p><\/h3><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><em>Biblische Lesung f\u00fcr den Tag:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Genesis 1-3<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Johannes 1<\/a>:1-5<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eIm Anfang schuf Gott Himmel und Erde.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1,1<\/a>) Mit diesen Worten beginnt nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch unsere Beziehung zum G\u00f6ttlichen. Die Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung ist nicht prim\u00e4r als naturwissenschaftliche Erkl\u00e4rung zu verstehen, sondern als theologische Offenbarung einer fundamentalen Wahrheit: Die Welt ist nicht durch Zufall oder blinde Notwendigkeit entstanden, sondern durch den bewussten Willen eines liebenden Sch\u00f6pfers.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit beginnt bewusst mit dieser Betrachtung des Ursprungs. Denn bevor wir \u00fcber S\u00fcnde, Umkehr und Erl\u00f6sung nachdenken k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir verstehen, welche Ordnung durch die S\u00fcnde gest\u00f6rt wurde und zu welcher Ordnung wir zur\u00fcckkehren sollen.<\/p>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Sch\u00f6pfungsgeschichte enth\u00fcllt mehrere fundamentale theologische Wahrheiten, die das christliche Verst\u00e4ndnis von Gott, Welt und Mensch pr\u00e4gen:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Creatio ex nihilo \u2013 Sch\u00f6pfung aus dem Nichts<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Anders als in vielen antiken Kosmogonien, in denen G\u00f6tter aus vorhandenem Material erschaffen oder gegen chaotische Urm\u00e4chte k\u00e4mpfen, schafft der biblische Gott allein durch sein Wort: \u201eGott sprach: Es werde&#8230; und es ward&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1,3ff)<\/a>. Diese Vorstellung der <em>creatio ex nihilo<\/em> (Sch\u00f6pfung aus dem Nichts) wurde von den Kirchenv\u00e4tern tief reflektiert. Sie betont die absolute Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes \u00fcber alle Wirklichkeit und die radikale Differenz zwischen Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Basilius der Gro\u00dfe erkl\u00e4rt in seinen Homilien zum Hexaemeron (den sechs Sch\u00f6pfungstagen): \u201eEr schuf die Ursachen der Dinge und brachte alle Teile des Universums in einer einzigen Handlung hervor.&#8220; Diese Einsicht \u00fcbersteigt unser zeitliches Verst\u00e4ndnis \u2013 die Sch\u00f6pfung ist nicht nur ein vergangenes Ereignis, sondern eine fortw\u00e4hrende Beziehung zwischen Gott und Welt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Sch\u00f6pfung als geordneter Kosmos<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das griechische Wort \u201eKosmos&#8220; bedeutet \u201eOrdnung&#8220; oder \u201eSchmuck&#8220; \u2013 ein Gegenbegriff zu \u201eChaos&#8220;. Die biblische Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung beschreibt, wie Gott schrittweise Ordnung in die Welt bringt: Er trennt Licht von Finsternis, Wasser von Land, erschafft die Gestirne zur Zeitmessung und platziert jedes Lebewesen in seinen geeigneten Lebensraum.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese g\u00f6ttliche Ordnung ist nicht starr und mechanisch, sondern dynamisch und lebendig. Sie manifestiert sich in den Naturgesetzen, den biologischen Rhythmen und den \u00f6kologischen Gleichgewichten. Die Kirchenv\u00e4ter sprechen in diesem Sinne von den <em>logoi<\/em> \u2013 den g\u00f6ttlichen Gedanken oder Prinzipien, die in jedem Gesch\u00f6pf wirken und es zu seinem wahren Zweck f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Die inh\u00e4rente Gutheit der Sch\u00f6pfung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der refrainartige Satz \u201eUnd Gott sah, dass es gut war&#8220; durchzieht den Sch\u00f6pfungsbericht und gipfelt in der Feststellung: \u201eUnd Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1%2C31\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1,31<\/a>). Dies ist eine fundamentale Bejahung der materiellen Welt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese biblische Perspektive steht im Kontrast zu dualistischen Weltanschauungen (wie dem Gnostizismus), die die materielle Welt als minderwertig oder b\u00f6se betrachten. Die christliche Tradition bekr\u00e4ftigt dagegen, dass die physische Realit\u00e4t gut ist, weil sie von Gott geschaffen wurde. Dies bildet die Grundlage f\u00fcr ein mystisches Weltverst\u00e4ndnis, in dem materielle Dinge (Wasser, Brot, Wein, \u00d6l) zu Tr\u00e4gern g\u00f6ttlicher Gnade werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Der Mensch als Mikrokosmos<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eLasst uns Menschen machen als unser Bild, uns \u00e4hnlich!&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1%2C26\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1,26<\/a>) Mit diesen Worten erreicht die Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung ihren H\u00f6hepunkt. Der Mensch nimmt eine besondere Stellung ein:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Gottebenbildlichkeit als ontologische W\u00fcrde<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Kirchenv\u00e4ter haben die Gottebenbildlichkeit des Menschen auf verschiedene Weise interpretiert: als Vernunftf\u00e4higkeit (Rationalit\u00e4t), als moralische Freiheit, als Beziehungsf\u00e4higkeit oder als kreatives Potential. Der heilige Johannes von Damaskus beschreibt den Menschen als ein Wesen, das \u201ezwischen zwei Welten steht&#8220; \u2013 der materiellen und der geistigen. Als einziges Gesch\u00f6pf vereint der Mensch in sich beide Dimensionen der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Gottebenbildlichkeit ist keine Leistung, sondern ein Geschenk \u2013 sie konstituiert die unverlierbare W\u00fcrde jedes Menschen, unabh\u00e4ngig von seinen F\u00e4higkeiten, seinem moralischen Zustand oder seinem sozialen Status.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Der Mensch als Priester der Sch\u00f6pfung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Gott setzt den Menschen in den Garten Eden, \u201edamit er ihn bebaue und bewahre&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose2%2C15\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 2,15<\/a>). Dieser Auftrag ist weder eine Erlaubnis zur Ausbeutung noch eine blo\u00dfe Konservierung. Der Mensch soll als Mittler zwischen Gott und Sch\u00f6pfung fungieren \u2013 er soll die Sch\u00f6pfung zu Gott erheben und Gottes Segen in die Sch\u00f6pfung bringen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Theologe Alexander Schmemann beschreibt den Menschen als \u201eeucharistisches Wesen&#8220; \u2013 berufen, die Welt in Dankbarkeit zu empfangen, sie durch kulturelle und technische Aktivit\u00e4t zu transformieren und sie als Gabe an Gott zur\u00fcckzugeben. Diese priesterliche Funktion offenbart den tieferen Sinn menschlicher Arbeit und Kultur.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Der kosmische Mensch und die kosmische Christologie<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der patristischen Tradition der Ostkirche wird der Mensch als \u201eMikrokosmos&#8220; verstanden \u2013 als eine Zusammenfassung des gesamten Universums in einer Person. Der Mensch vereint in sich alle Elemente und Dimensionen der Sch\u00f6pfung und ist daher berufen, als Vermittler kosmischer Einheit zu fungieren.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese anthropologische Vision findet ihre Vollendung in der kosmischen Christologie, wie sie im Kolosserbrief formuliert wird: Christus ist das \u201eBild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Sch\u00f6pfung&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Kolosser1%2C15\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Kol 1,15<\/a>), in dem \u201ealles geschaffen wurde&#8220; und in dem \u201ealles Bestand hat&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Kolosser1%2C16-17\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Kol 1,16-17<\/a>). In der Inkarnation nimmt Gott selbst die geschaffene Natur an und heilt die durch die S\u00fcnde gest\u00f6rte Beziehung zwischen Sch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Der S\u00fcndenfall und die gest\u00f6rte Ordnung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Genesis 3<\/a> beschreibt, wie die urspr\u00fcngliche Harmonie der Sch\u00f6pfung durch die menschliche S\u00fcnde gest\u00f6rt wird. Diese St\u00f6rung betrifft alle Dimensionen:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Entfremdung von Gott<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die erste Folge des S\u00fcndenfalls ist, dass sich Adam und Eva vor Gott verstecken (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3%2C8\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 3,8<\/a>). Die unmittelbare Gottesbeziehung ist gebrochen. Der Mensch erlebt Gott nicht mehr als liebenden Vater, sondern als bedrohlichen Richter. Diese Gottesentfremdung ist die Wurzel aller anderen Entfremdungen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Entfremdung von sich selbst<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Adam und Eva erkennen ihre Nacktheit und sch\u00e4men sich (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 3,7<\/a>). Dies symbolisiert eine neue Form der Selbstwahrnehmung \u2013 gepr\u00e4gt von Scham, Angst und innerer Zerrissenheit. Der heilige Augustinus spricht von der <em>concupiscentia<\/em> \u2013 einer Unordnung der Begierden, bei der der Mensch nicht mehr Herr \u00fcber seine eigenen Impulse ist.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Entfremdung voneinander<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Harmonie der Geschlechterbeziehung wird gest\u00f6rt (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3%2C16\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 3,16<\/a>). Schuldzuweisungen treten an die Stelle von Verbundenheit. Dies ist der Anfang aller sozialen Konflikte \u2013 von Herrschaft und Unterwerfung, von Neid und Gewalt, wie sie in der Geschichte von Kain und Abel eskalieren werden.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>4. Entfremdung von der Natur<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Erde wird \u201everflucht&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3%2C17-19\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 3,17-19<\/a>) \u2013 die Arbeit wird m\u00fchsam, die Natur wird widerspenstig. Dies symbolisiert eine gest\u00f6rte Beziehung zur nat\u00fcrlichen Umwelt, die nicht mehr automatisch mit dem Menschen kooperiert, sondern ihm Widerstand entgegensetzt.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Sch\u00f6pfung als Anfang der Heilsgeschichte<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung ist nicht nur ein Bericht \u00fcber den Anfang der Welt, sondern auch der Beginn der Heilsgeschichte. Schon im Paradies, unmittelbar nach dem S\u00fcndenfall, spricht Gott die erste messianische Verhei\u00dfung aus: Der Same der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose3%2C15\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 3,15<\/a>) \u2013 das sogenannte <em>Protoevangelium<\/em>.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Iren\u00e4us von Lyon entwickelt in seinem Werk <em>Adversus Haereses<\/em> (<em>Gegen die H\u00e4resien<\/em>) das Konzept der <em>recapitulatio<\/em> (Zusammenfassung oder Wiederherstellung): Christus kommt, um das in Adam Verlorene wiederherzustellen und zu vollenden. Die Inkarnation ist somit die Fortsetzung und Vollendung der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die ostkirchliche Liturgie dr\u00fcckt diese Kontinuit\u00e4t poetisch aus: \u201eDu hast uns aus dem Nichts ins Dasein gerufen und, als wir gefallen waren, wieder aufgerichtet und nichts unterlassen, bis Du uns in den Himmel gef\u00fchrt und uns Dein k\u00fcnftiges Reich geschenkt hast.&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Sch\u00f6pfung in der modernen Welt:<br \/>\nTheologische Herausforderungen<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die biblische Sch\u00f6pfungstheologie steht heute vor neuen Herausforderungen:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Dialog mit den Naturwissenschaften<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die wissenschaftliche Kosmologie (Urknalltheorie) und die biologische Evolutionstheorie bieten Erkl\u00e4rungsmuster f\u00fcr die Entstehung des Kosmos und der Lebewesen, die auf den ersten Blick im Widerspruch zur biblischen Erz\u00e4hlung stehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Eine tiefere theologische Reflexion erkennt jedoch, dass die biblische Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine theologische Deutung der Wirklichkeit ist. Sie beantwortet nicht die Frage nach dem \u201eWie&#8220; (den Mechanismen der Weltentstehung), sondern nach dem \u201eWarum&#8220; und \u201eWozu&#8220; (dem Sinn und Zweck der Sch\u00f6pfung).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Theologe Teilhard de Chardin hat versucht, Evolution und Sch\u00f6pfungsglauben zu integrieren, indem er die Evolution als den von Gott gew\u00e4hlten Weg versteht, durch den die Sch\u00f6pfung sich auf den \u201ePunkt Omega&#8220; \u2013 die volle Vereinigung mit Christus \u2013 zubewegt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Die \u00f6kologische Krise als theologische Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die gegenw\u00e4rtige Umweltkrise stellt die Frage nach der Verantwortung des Menschen f\u00fcr die Sch\u00f6pfung neu. Wurde der biblische Auftrag, sich die Erde \u201euntertan zu machen&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1%2C28\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1,28<\/a>), missverstanden als Legitimation zur Ausbeutung?<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Patriarch Bartholom\u00e4us I., bekannt als der \u201eGr\u00fcne Patriarch&#8220;, hat die Zerst\u00f6rung der Umwelt als S\u00fcnde bezeichnet und zu einer \u201e\u00f6kologischen Metanoia&#8220; (Umkehr) aufgerufen. Die Enzyklika \u201eLaudato Si&#8220; von Papst Franziskus entwickelt eine ganzheitliche \u00d6kologie, die auf dem Verst\u00e4ndnis der Sch\u00f6pfung als Gabe und Verantwortung basiert.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Praktische \u00dcbungen f\u00fcr die Fastenzeit<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die theologische Betrachtung der Sch\u00f6pfung l\u00e4dt zu konkreten spirituellen Praktiken ein:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Kontemplative Naturbetrachtung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nehmen Sie sich t\u00e4glich Zeit, um die Natur bewusst wahrzunehmen \u2013 sei es ein Baum vor Ihrem Fenster, der Sternenhimmel oder die komplexe Struktur einer Bl\u00fcte. Betrachten Sie diese nicht als blo\u00dfe Objekte, sondern als Manifestationen g\u00f6ttlicher Weisheit und Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Askese als \u00f6kologische Praxis<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das Fasten kann als bewusster Verzicht auf Konsumgewohnheiten verstanden werden, die der Sch\u00f6pfung schaden. \u00dcberdenken Sie in dieser Zeit Ihren Umgang mit Nahrungsmitteln, Energie und materiellen G\u00fctern. Reduzieren Sie Abfall, vermeiden Sie unn\u00f6tigen Konsum und praktizieren Sie Dankbarkeit f\u00fcr die Gaben der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Lekt\u00fcre der Sch\u00f6pfungspsalmen<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Lesen Sie meditativ Psalm 8, 19, 104 oder 148 \u2013 Texte, die die Herrlichkeit Gottes in der Sch\u00f6pfung preisen. Diese Psalmen k\u00f6nnen zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis der sakramentalen Dimension der Natur f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>4. Verkn\u00fcpfung von Sch\u00f6pfung und Eucharistie<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Reflektieren Sie \u00fcber die Verbindung zwischen Sch\u00f6pfung und Eucharistie: Die Gaben von Brot und Wein, \u201eFrucht der Erde und der menschlichen Arbeit&#8220;, werden zum Leib und Blut Christi. Diese Transformation ist ein Symbol f\u00fcr die Verkl\u00e4rung der gesamten Sch\u00f6pfung in Christus.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Gebet zur Sch\u00f6pfung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Ewiger Gott, Sch\u00f6pfer aller Dinge,<\/em><br \/>\n<em>Du hast durch dein Wort den Kosmos ins Dasein gerufen<\/em><br \/>\n<em>und ihn mit Weisheit und Sch\u00f6nheit erf\u00fcllt.<\/em><br \/>\n<em>Du hast uns als dein Ebenbild geschaffen<\/em><br \/>\n<em>und uns berufen, verantwortliche H\u00fcter deiner Sch\u00f6pfung zu sein.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Vergib uns, wenn wir diese Berufung vernachl\u00e4ssigt<\/em><br \/>\n<em>und deine Gaben missbraucht haben.<\/em><br \/>\n<em>\u00d6ffne unsere Augen f\u00fcr die Wunder deiner Werke,<\/em><br \/>\n<em>unsere Herzen f\u00fcr die Leiden der Sch\u00f6pfung<\/em><br \/>\n<em>und unsere H\u00e4nde f\u00fcr heilendes Handeln.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Lehre uns in dieser Fastenzeit,<\/em><br \/>\n<em>die Welt neu als dein Geschenk zu empfangen,<\/em><br \/>\n<em>in Dankbarkeit mit ihr zu leben<\/em><br \/>\n<em>und sie in Liebe zu bewahren.<\/em><br \/>\n<em>Durch Christus, das ewige Wort,<\/em><br \/>\n<em>durch das alles geschaffen ist. Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die kosmische Dimension der Fastenzeit<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit ist nicht nur eine Zeit individueller Bu\u00dfe, sondern hat eine kosmische Dimension. Sie ist keine Strafe sondern Befreiung. Sie erinnert uns an unsere Verantwortung f\u00fcr die gesamte Sch\u00f6pfung und l\u00e4dt uns ein, zu der Ordnung zur\u00fcckzukehren, die Gott am Anfang gestiftet hat.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Apostel Paulus schreibt, dass die ganze Sch\u00f6pfung \u201eseufzt und in Geburtswehen liegt&#8220; und \u201esehns\u00fcchtig auf das Offenbarwerden der S\u00f6hne Gottes wartet&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer8%2C19.22\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">R\u00f6m 8,19.22<\/a>). Unsere pers\u00f6nliche Umkehr und Heiligung hat Auswirkungen auf die gesamte Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">So wird die Fastenzeit zum Vorgeschmack jener kosmischen Erneuerung, die die Offenbarung als \u201eeinen neuen Himmel und eine neue Erde&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Offenbarung21%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Offb 21,1<\/a>) verhei\u00dft \u2013 eine Sch\u00f6pfung, in der die urspr\u00fcngliche g\u00f6ttliche Ordnung vollkommen wiederhergestellt sein wird.<\/p>\n<p><em>Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/em><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":20848,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[65,102],"tags":[162,184,164,275,712,246,713,711],"class_list":["post-20834","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glaubensfragen","category-sardaryan","tag-armenische-kirche","tag-armenische-tradition","tag-glaube","tag-grosse-fastenzeit","tag-impulse","tag-katechese","tag-ostern-vorbereiten","tag-spiritualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20834"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20834\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20851,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20834\/revisions\/20851"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}