{"id":20836,"date":"2025-03-06T09:00:57","date_gmt":"2025-03-06T08:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=20836"},"modified":"2025-03-14T18:23:18","modified_gmt":"2025-03-14T17:23:18","slug":"von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2025\/von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-3\/","title":{"rendered":"Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung: Teil 3"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\">Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung:<\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:28;line-height:1.2;\"><p class=\"text-xl font-bold text-text-200 mt-1 -mb-0.5\">Taufe als Neubeginn \u2013<br \/>\nDie Wiederherstellung des Menschen in Christus<\/p><\/h2><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><h3 class=\"text-xl font-bold text-text-200 mt-1 -mb-0.5\">1. Woche, Donnerstag (6. M\u00e4rz 2025):<\/h3>\n<p class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\"><em>Biblische Lesung f\u00fcr den Tag:<\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes3\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Johannes 3<\/a>:1-17; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Titus3\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Titus 3<\/a>:4-7<\/em><\/p>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Ontologie der geistlichen Wiedergeburt<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nach der Betrachtung der Sch\u00f6pfung als urspr\u00fcnglicher g\u00f6ttlicher Ordnung und des S\u00fcndenfalls als tragischer Z\u00e4sur in der Heilsgeschichte wenden wir uns nun dem g\u00f6ttlichen Heilshandeln zu: der Wiederherstellung des Menschen durch das Mysterium der Taufe. Die Taufe steht nicht isoliert als ritueller Akt, sondern bildet das mystische Fundament jener kosmischen Erneuerung, die mit der Menschwerdung Christi begonnen hat.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der patristischen Tradition wird die Taufe als <em>palingenesia<\/em> (Wiedergeburt) und <em>anakainosis<\/em> (Erneuerung) verstanden \u2013 Begriffe, die der Apostel Paulus im Titusbrief verwendet: \u201eEr hat uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Titus3%2C5\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Tit 3,5<\/a>). Dies ist keine rhetorische Metapher, sondern beschreibt eine ontologische Transformation des Menschen, eine reale Neukonstitution seiner Existenz.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Johannes Chrysostomus (347-407) verwendet ein bemerkenswertes Bild: \u201eWas der Mutterscho\u00df f\u00fcr den Embryo ist, das ist das Taufwasser f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen.&#8220; Wie das Kind im Mutterleib heranreift und schlie\u00dflich in eine neue Welt geboren wird, so empf\u00e4ngt der T\u00e4ufling im Wasser der Taufe eine neue Existenzweise, die ihn in die Wirklichkeit des Reiches Gottes einf\u00fchrt.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die johanneische Theologie:<br \/>\nDas Gespr\u00e4ch mit Nikodemus<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Begegnung zwischen Jesus und Nikodemus bildet einen Schl\u00fcsseltext f\u00fcr das theologische Verst\u00e4ndnis der Taufe. Nikodemus, ein \u201eLehrer Israels&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes3%2C10\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Joh 3,10<\/a>), repr\u00e4sentiert die religi\u00f6se Bildung seiner Zeit, die jedoch an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft, wenn es um das Mysterium der geistlichen Wiedergeburt geht.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eWenn jemand nicht von Neuem (<em>anothen<\/em>) geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes3%2C3\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Joh 3,3<\/a>). Das griechische Wort <em>anothen<\/em> tr\u00e4gt eine doppelte Bedeutung: Es kann sowohl \u201evon Neuem&#8220; als auch \u201evon oben&#8220; bedeuten. Diese semantische Ambiguit\u00e4t ist theologisch signifikant: Die Taufe ist sowohl ein Neuanfang als auch ein Empfangen einer Wirklichkeit, die \u201evon oben&#8220; kommt \u2013 aus der g\u00f6ttlichen Sph\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Verwirrung des Nikodemus (\u201eWie kann ein Mensch, wenn er alt ist, geboren werden?&#8220;) spiegelt die Spannung zwischen nat\u00fcrlicher und \u00fcbernat\u00fcrlicher Ordnung wider. Jesus f\u00fchrt diese Spannung nicht auf, sondern vertieft sie, indem er von einer Geburt \u201eaus Wasser und Geist&#8220; spricht \u2013 eine klare Referenz auf die christliche Taufe, in der materielle und geistliche Elemente zu einer sakramentalen Einheit verschmelzen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eDer Wind (<em>pneuma<\/em>) weht, wo er will; du h\u00f6rst sein Brausen, wei\u00dft aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist (<em>pneuma<\/em>) geboren ist&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes3%2C8\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Joh 3,8<\/a>). Das Wortspiel mit <em>pneuma<\/em> (das sowohl \u201eWind&#8220; als auch \u201eGeist&#8220; bedeutet) verweist auf das Mysterium der Taufe: Sie ist ein g\u00f6ttliches Wirken, das die Grenzen menschlicher Begreifbarkeit \u00fcbersteigt, aber dennoch real erfahrbar ist.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Kirchenvater Didymus der Blinde (313-398) kommentiert: \u201eDer getaufte Mensch ist wie ein Gef\u00e4\u00df, das mit dem Heiligen Geist gef\u00fcllt wird, aber dieses Gef\u00e4\u00df selbst wird transformiert durch das, was es enth\u00e4lt.&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die paulinische Theologie:<br \/>\nSterben und Auferstehen mit Christus<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">W\u00e4hrend Johannes die Taufe als Wiedergeburt beschreibt, betont Paulus ihre Verbindung mit dem Paschamysterium Christi: \u201eWisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in einem neuen Leben wandeln.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer6%2C3-4\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">R\u00f6m 6,3-4<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">F\u00fcr Paulus ist die Taufe nicht nur ein Reinigungsritual, sondern eine reale Partizipation am Heilsgeschehen \u2013 ein mystisches Eintreten in den Tod und die Auferstehung Christi. Der Kirchenvater Ambrosius von Mailand (339-397) entwickelt diese Perspektive in seinen \u201eKatechesen \u00fcber die Mysterien&#8220;: \u201eDreimal wurdest du untergetaucht, um das dreit\u00e4gige Begr\u00e4bnis Christi nachzuvollziehen; und dreimal stiegst du empor, um seine Auferstehung darzustellen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Teilhabe am Paschamysterium Christi hat existenzielle Konsequenzen f\u00fcr den Getauften: \u201eDenn wenn wir mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer6%2C5\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">R\u00f6m 6,5<\/a>). Der heilige Cyrill von Jerusalem (313-386) erkl\u00e4rt in seinen mystagogischen Katechesen: \u201eDie Taufe ist nicht nur ein Abwaschen von S\u00fcnden und ein Empfangen der Gnade, sondern auch ein Antitypos (mystisches Abbild) des Leidens Christi.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In dieser paulinischen Perspektive wird die Taufe zum fundamentalen Lebenswechsel \u2013 vom Leben \u201eim Fleisch&#8220; (unter der Herrschaft der S\u00fcnde) zum Leben \u201eim Geist&#8220; (unter der Herrschaft Christi). Der Getaufte ist nicht mehr derselbe \u2013 er ist, wie Paulus sagt, eine \u201eneue Sch\u00f6pfung&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/2.Korinther5%2C17\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">2 Kor 5,17<\/a>).<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Das Bad der Wiedergeburt<br \/>\nund die Gemeinschaft der Heiligen<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Taufe ist nie ein individualistisches Geschehen. Sie inkorporiert den Gl\u00e4ubigen in den Leib Christi, die Kirche: \u201eDenn wir alle wurden in einem Geist zu einem Leib getauft&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther12%2C13\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">1 Kor 12,13<\/a>). Der heilige Cyprian von Karthago (um 200-258) formulierte das ekklesiologische Prinzip: \u201eNiemand kann Gott zum Vater haben, der nicht die Kirche zur Mutter hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In den altkirchlichen Taufliturgien wird dieser gemeinschaftliche Aspekt deutlich: Die Taufe findet in Anwesenheit der Gemeinde statt, die den Neugetauften als neues Glied empf\u00e4ngt. Der heilige Basilius der Gro\u00dfe (330-379) beschreibt die Kirche als \u201eneue Arche&#8220;, in die man durch die Taufe eintritt \u2013 gerettet aus den Fluten des Verderbens.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die patristische Tradition betont, dass der Getaufte nicht nur in die sichtbare Kirchengemeinschaft, sondern auch in die <em>communio sanctorum<\/em> \u2013 die Gemeinschaft aller Heiligen \u2013 eingegliedert wird. Der heilige Johannes von Damaskus (um 650-754) schreibt: \u201eIn der Taufe wird der Mensch nicht nur mit den Lebenden, sondern auch mit den Verstorbenen verbunden \u2013 mit allen, die im Glauben vorausgegangen sind.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese ekklesiologische Dimension der Taufe ist besonders in der Fastenzeit relevant, die urspr\u00fcnglich als Zeit der Vorbereitung der Taufbewerber (Katechumenen) auf ihre Ostertaufe konzipiert war. Die ganze Gemeinde fastet und betet mit den Katechumenen, als Zeichen der Solidarit\u00e4t und in Erinnerung an ihre eigene Taufe.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Das Unterpfand der zuk\u00fcnftigen Herrlichkeit<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Taufe hat nicht nur eine retrospektive Dimension (Teilhabe am vergangenen Heilsereignis), sondern auch eine prospektive: Sie ist <em>arrabon<\/em> \u2013 Angeld oder Unterpfand der zuk\u00fcnftigen Vollendung. Der Apostel Paulus verwendet diesen Begriff im Kontext der Gabe des Heiligen Geistes: \u201eEr hat uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/2.Korinther1%2C22\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">2 Kor 1,22<\/a>).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Gregor von Nyssa (ca. 335-394) entwickelt in seiner Abhandlung \u201e\u00dcber die Taufe Christi&#8220; eine Theologie der Antizipation: \u201eWas in der Taufe geschieht, ist eine vorweggenommene Teilhabe an der zuk\u00fcnftigen Auferstehung.&#8220; Der Getaufte lebt in einer Spannung zwischen dem \u201eSchon&#8220; der empfangenen Gnade und dem \u201eNoch nicht&#8220; ihrer vollen Manifestation.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese eschatologische Perspektive verleiht dem christlichen Leben seine dynamische Qualit\u00e4t. Die Taufe ist nicht ein abgeschlossenes Ereignis, sondern der Beginn eines Prozesses, den die griechischen V\u00e4ter als <em>theosis<\/em> (Verg\u00f6ttlichung) bezeichnen \u2013 ein progressives Hineinwachsen in die g\u00f6ttliche Wirklichkeit, die in der Taufe keimhaft empfangen wurde.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Maximus der Bekenner (580-662) beschreibt diesen Prozess als synergetisch \u2013 als Zusammenwirken von g\u00f6ttlicher Gnade und menschlicher Freiheit: \u201eIn der Taufe empfangen wir den Samen des neuen Lebens, aber wir m\u00fcssen ihn durch Gebet, Askese und Liebe zur vollen Bl\u00fcte bringen.&#8220;<\/p>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Identit\u00e4t und Transformation<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Taufe wirft fundamentale anthropologische Fragen auf: Wie kann der Mensch derselbe bleiben und doch radikal ver\u00e4ndert werden? Wie verh\u00e4lt sich die nat\u00fcrliche zur \u00fcbernat\u00fcrlichen Identit\u00e4t?<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Existenzphilosoph Gabriel Marcel (1889-1973) unterscheidet zwischen \u201eProblem&#8220; und \u201eMysterium&#8220;: Ein Problem steht au\u00dferhalb des Fragenden und kann objektiviert werden; ein Mysterium hingegen involviert den Fragenden selbst und transzendiert die Subjekt-Objekt-Spaltung. Die Taufe ist in diesem Sinne kein \u201eProblem&#8220;, das theologisch \u201egel\u00f6st&#8220; werden k\u00f6nnte, sondern ein \u201eMysterium&#8220;, in das der Gl\u00e4ubige existenziell hineingenommen wird.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der russische Religionsphilosoph Nikolai Berdjajew (1874-1948) spricht von der \u201ePersonalisierung&#8220; als Ziel des geistlichen Lebens: Der Mensch wird nicht weniger, sondern mehr er selbst, indem er in Christus hineinw\u00e4chst. Diese Paradoxie findet ihren sakramentalen Ausdruck in der Taufe, die den Menschen nicht entfremdet, sondern zu seiner tiefsten Identit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit bietet Raum, diese existenzielle Transformation zu reflektieren. Sie ist eine \u201eReise zur Taufe&#8220; \u2013 sei es als Vorbereitung auf den Empfang des Sakraments oder als Wiederentdeckung seiner transformierenden Kraft.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Praktische \u00dcbungen zur Vertiefung des Taufbewusstseins<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>T\u00e4gliche Erneuerung des Taufgel\u00fcbdes<\/strong>: Beginne jeden Morgen mit einem bewussten Kreuzzeichen bei der Morgen-Routine und sprich dabei: \u201eIch danke dir, Vater, dass du mich durch die Taufe zu deinem Kind gemacht hast. Hilf mir, heute in der W\u00fcrde meiner Taufe zu leben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Kontemplative Lekt\u00fcre<\/strong>: Meditiere \u00fcber Bibelstellen, die von der Taufe handeln (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes3%2C1-21\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Joh 3,1-21<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer6%2C1-11\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">R\u00f6m 6,1-11<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Titus3%2C4-7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Tit 3,4-7<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Petrus3%2C18-22\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">1 Petr 3,18-22<\/a>), und lass sie in deinem Herzen wirken. Khokum (Die <em>lectio divina)<\/em> \u2013 das vierstufige Lesen (Lesen, Meditieren, Beten, Kontemplieren) \u2013 ist daf\u00fcr besonders geeignet.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Fasten als Befreiung<\/strong>: Verbinde dein Fasten mit dem Gedanken der Tauferneuerung. Der Verzicht auf bestimmte Speisen und Gen\u00fcsse kann als konkrete \u00dcbung verstanden werden, um das \u201eAblegen des alten Menschen&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser4%2C22\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Eph 4,22<\/a>) zu praktizieren.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Sozial-diakonisches Engagement<\/strong>: Die Taufe verpflichtet zur aktiven N\u00e4chstenliebe. Nutze die Fastenzeit, um konkrete Werke der Barmherzigkeit zu praktizieren \u2013 sei es in Form von Almosen, Zeitspenden f\u00fcr Bed\u00fcrftige oder bewusster Anteilnahme am Leiden anderer.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Gebet zur Erneuerung der Taufgnade<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Dreieiniger Gott,<br \/>\n<\/em>Vater, Sohn und Heiliger Geist,<br \/>\n<em>Du hast mich im Wasser der Taufe<\/em><br \/>\n<em>von der Knechtschaft der S\u00fcnde befreit<\/em><br \/>\n<em>und in die Freiheit der Kinder Gottes gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Vater, der du mich als dein Kind angenommen hast,<\/em><br \/>\n<em>erneuere in mir das Bewusstsein meiner g\u00f6ttlichen Kindschaft.<\/em><br \/>\n<em>Lass mich in kindlichem Vertrauen zu dir aufschauen<\/em><br \/>\n<em>und in allem deinen Willen suchen.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Sohn Gottes, der du mich durch deinen Tod und deine Auferstehung erl\u00f6st hast,<\/em><br \/>\n<em>lass mich t\u00e4glich mit dir sterben und auferstehen.<\/em><br \/>\n<em>Forme mich nach deinem Bild,<\/em><br \/>\n<em>dass ich deine Liebe widerspiegeln kann.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Heiliger Geist, der du in der Taufe auf mich herabgekommen bist,<\/em><br \/>\n<em>entz\u00fcnde neu das Feuer deiner Gegenwart in mir.<\/em><br \/>\n<em>Leite mich auf dem Weg der Wahrheit<\/em><br \/>\n<em>und st\u00e4rke mich zum Zeugnis in der Welt.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Heilige Dreifaltigkeit,<\/em><br \/>\n<em>ich erneuere das Gel\u00f6bnis meiner Taufe:<\/em><br \/>\n<em>Ich widersage dem B\u00f6sen und allem, was von dir trennt.<\/em><br \/>\n<em>Ich glaube an dich und deine Liebe.<\/em><br \/>\n<em>Ich will dir nachfolgen alle Tage meines Lebens.<\/em><br \/>\n<em>Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Taufe als Schl\u00fcssel zur \u00f6sterlichen Verwandlung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Am Ende der ersten Woche unserer Fastenreise erreichen wir einen entscheidenden Wendepunkt: Von der Betrachtung des Verfalls (S\u00fcndenfall) wenden wir uns der Erneuerung zu. Die Taufe ist nicht nur ein isoliertes Mysterium, sondern der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der gesamten Heils\u00f6konomie \u2013 sie verbindet Sch\u00f6pfung, Fall und Erl\u00f6sung zu einer koh\u00e4renten Heilsgeschichte.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Es ist die Pforte zu allen Mysterien der Kirche \u2013 als fundamentales Ereignis, das den Menschen bef\u00e4higt, am gesamten sakramentalen Leben der Kirche teilzunehmen. Die Fastenzeit, urspr\u00fcnglich als unmittelbare Vorbereitung auf die Ostertaufe konzipiert, bewahrt diesen tauftheologischen Charakter, auch wenn die meisten Christen heute bereits als S\u00e4uglinge getauft werden.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit l\u00e4dt uns ein, das zu aktualisieren, was in der Taufe grundgelegt wurde: das Ablegen des \u201ealten Menschen&#8220; und das Anziehen des \u201eneuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser4%2C24\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Eph 4,24<\/a>). Sie ist eine Zeit der bewussten R\u00fcckkehr zur Taufgnade \u2013 eine Reise zu den Quellen unserer christlichen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In den Worten des heiligen Johannes Chrysostomus: \u201eDie Fastenzeit ist wie ein zweites Taufbad, in dem wir die Reinheit wiedergewinnen k\u00f6nnen, die wir durch die S\u00fcnde verloren haben.&#8220; So bereiten wir uns vor auf die \u00f6sterliche Freude \u2013 auf jene volle Manifestation der Taufgnade, die in der Osternacht gefeiert wird, wenn die Gemeinde ihre Taufkerzen entz\u00fcndet und das neue Leben in Christus feiert.<\/p>\n<p>Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":20855,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[65,102],"tags":[162,184,164,275,712,246,713,711,716],"class_list":["post-20836","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glaubensfragen","category-sardaryan","tag-armenische-kirche","tag-armenische-tradition","tag-glaube","tag-grosse-fastenzeit","tag-impulse","tag-katechese","tag-ostern-vorbereiten","tag-spiritualitaet","tag-taufe-als-neubeginn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20836"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20836\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20857,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20836\/revisions\/20857"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}