{"id":20858,"date":"2025-03-10T09:00:41","date_gmt":"2025-03-10T08:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=20858"},"modified":"2025-03-14T18:23:42","modified_gmt":"2025-03-14T17:23:42","slug":"von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2025\/von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-4\/","title":{"rendered":"Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung: Teil 4"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\">Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung:<\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:28;line-height:1.2;\"><p class=\"text-xl font-bold text-text-200 mt-1 -mb-0.5\">Gottes Bund und Verhei\u00dfung<\/p><\/h2><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><h3 class=\"text-xl font-bold text-text-200 mt-1 -mb-0.5\">2. Woche, Montag (10. M\u00e4rz 2025):<\/h3>\n<p class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\"><em>Biblische Lesung f\u00fcr den Tag:<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Genesis 12<\/a>:1-9; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Hebr%C3%A4er11\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Hebr\u00e4er 11<\/a>:8-12<\/p>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Der Ruf Abrahams als existenzieller Aufbruch<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eZieh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12,1<\/a>) Mit diesen Worten beginnt ein neues Kapitel der Heilsgeschichte \u2013 der \u00dcbergang von der universellen Urgeschichte (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 1-11<\/a>) zur partikularen Geschichte des Gottesvolkes. Der Ruf, den Abraham empf\u00e4ngt, ist nicht nur eine geografische Ortsver\u00e4nderung, sondern ein radikaler existenzieller Aufbruch, eine fundamentale Neuorientierung des Seins.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der Tradition der Kirchenv\u00e4ter wird dieser Ruf als Paradigma jeder geistlichen Berufung verstanden. Der heilige Gregor von Nyssa (ca. 335-394) interpretiert in seiner Schrift \u201e\u00dcber das Leben des Mose&#8220; den Auszug Abrahams als Archetyp der geistlichen Reise: \u201eWir m\u00fcssen alle aus dem Land der Chald\u00e4er ausziehen \u2013 aus der Knechtschaft der sichtbaren Wirklichkeit, um in das Land der Verhei\u00dfung zu gelangen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nachdem wir in der ersten Woche die g\u00f6ttliche Sch\u00f6pfungsordnung, den Fall des Menschen und die Wiederherstellung durch die Taufe betrachtet haben, folgen wir nun Abraham auf seinem Weg des Vertrauens. Die Fastenzeit ist in ihrer spirituellen Struktur selbst ein Exodus \u2013 ein Auszug aus der Knechtschaft der Leidenschaften in die Freiheit der Kinder Gottes.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Theologie des Bundes: Die Initiative Gottes<br \/>\nund die Antwort des Menschen<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eIch will dich zu einem gro\u00dfen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gro\u00df machen. Ein Segen sollst du sein.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12%2C2\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12,2<\/a>) Dieser Verhei\u00dfung liegt eine fundamentale theologische Wahrheit zugrunde: Der Bund ist prim\u00e4r Gottes Initiative, ein Akt seiner freien Gnade. Gott spricht Abraham an, bevor dieser irgendeine verdienstvolle Handlung vollbracht hat.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Johannes Chrysostomus (ca. 349-407) hebt in seinen Homilien zur Genesis hervor: \u201eBeachte die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Herrn: Abraham hat noch nichts getan, und doch empf\u00e4ngt er Verhei\u00dfungen, die \u00fcber alles Erwartbare hinausgehen.&#8220; Diese theologische Einsicht durchzieht die gesamte Schrift: Gottes Erw\u00e4hlung geht dem menschlichen Handeln voraus, die g\u00f6ttliche Gnade ist immer das Prim\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Dennoch ist der Bund keine einseitige Angelegenheit. Er fordert eine Antwort des Menschen \u2013 jene radikale Antwort, die Abraham gibt: \u201eDa zog Abram weg, wie der HERR ihm gesagt hatte&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12%2C4\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12,4<\/a>). Der Kirchenvater Ephr\u00e4m der Syrer (ca. 306-373) kommentiert: \u201eAbrahams Glaube zeigte sich nicht in Worten, sondern in der Bereitschaft, alles zu verlassen. Er verlie\u00df das Sichtbare f\u00fcr das Unsichtbare, das Gegenw\u00e4rtige f\u00fcr das Zuk\u00fcnftige.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Dynamik von g\u00f6ttlicher Initiative und menschlicher Antwort strukturiert den gesamten Heilsweg. Der heilige Maximus der Bekenner (580-662) spricht von der \u201eSynergie&#8220; \u2013 dem Zusammenwirken g\u00f6ttlicher Gnade und menschlicher Freiheit. Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir unsere Freiheit neu auf Gott ausrichten, indem wir wie Abraham auf seinen Ruf antworten.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Epistemologie des Glaubens:<br \/>\nWissen und Vertrauen<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eEr zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen w\u00fcrde.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Hebr%C3%A4er11%2C8\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Hebr 11,8<\/a>) Dieses Nichtwissen ist kein Mangel, sondern wesentliches Element des Glaubens. Der heilige Basilius der Gro\u00dfe (330-379) unterscheidet zwischen dem Wissen \u201ekata gn\u014dsin&#8220; (durch Erkenntnis) und dem Wissen \u201ekata pistin&#8220; (durch Glauben). W\u00e4hrend das erste auf empirischer Beobachtung oder logischer Deduktion beruht, gr\u00fcndet das zweite auf der Beziehung zu dem, der verhei\u00dft.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Philosoph S\u00f8ren Kierkegaard (1813-1855) beschreibt diesen \u201eSprung des Glaubens&#8220; als eine Bewegung \u00fcber die Grenzen des rationalen Diskurses hinaus. Nicht als Irrationalismus, sondern als Transzendenz der blo\u00dfen Rationalit\u00e4t. In seinem Werk \u201eFurcht und Zittern&#8220; beschreibt er Abraham als \u201eRitter des Glaubens&#8220;, der im Vertrauen auf Gott sogar bereit ist, seinen Sohn zu opfern \u2013 eine Paradoxie, die die Grenzen des Verstandes \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In unserer modernen Welt, die von der cartesianischen Suche nach absoluter Gewissheit gepr\u00e4gt ist, erscheint der Glaube Abrahams als Anachronismus. Doch vielleicht ist gerade diese \u201eTorheit des Glaubens&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther1%2C18\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">1 Kor 1,18<\/a>) die wahre Weisheit in einer Welt, die an ihrer eigenen Hybris zu zerbrechen droht. Die Fastenzeit l\u00e4dt uns ein, wie Abraham den Mut aufzubringen, uns dem Unbekannten anzuvertrauen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die temporale Struktur der Verhei\u00dfung:<br \/>\nGeduld und Hoffnung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eEin Land, das ich dir zeigen werde&#8230;&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12,1<\/a>) Die Verhei\u00dfung ist zukunftsgerichtet, sie schafft einen Horizont der Erwartung. Abraham erh\u00e4lt die volle Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfung nicht zu seinen Lebzeiten. Der Hebr\u00e4erbrief reflektiert: \u201eIm Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verhei\u00dfene erlangt zu haben; sie haben es nur von fern gesehen und gegr\u00fc\u00dft&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Hebr%C3%A4er11%2C13\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Hebr 11,13<\/a>).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Augustinus (354-430) entwickelt in seinem Werk \u201eVom Gottesstaat&#8220; eine Theologie der Zeit, die zwischen dem \u201esaeculum&#8220; (der irdischen Zeit) und der \u201eaeternitas&#8220; (der g\u00f6ttlichen Ewigkeit) unterscheidet. Die Verhei\u00dfungen Gottes, so Augustinus, \u00fcberspannen diese beiden Zeitmodi: Sie beginnen in der Geschichte, finden aber ihre Vollendung in der Ewigkeit.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese temporale Struktur der Verhei\u00dfung fordert vom Gl\u00e4ubigen zwei fundamentale Tugenden: Geduld (<em>hypomon\u0113<\/em>) und Hoffnung (<em>elpis<\/em>). Der heilige Isaak der Syrer (7. Jh.) schreibt: \u201eDie Geduld ist die Mutter aller Tugenden; sie ist die enge Pforte, von der der Herr gesprochen hat, dass sie zum Leben f\u00fchrt.&#8220; Die Hoffnung wiederum ist nach Johannes von Damaskus (ca. 650-754) \u201edas zuversichtliche Warten auf die unsichtbaren G\u00fcter&#8220;.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit ist eine Einladung, diese beiden Tugenden einzu\u00fcben \u2013 geduldig auszuharren in der gegenw\u00e4rtigen Entbehrung und hoffnungsvoll auf die \u00f6sterliche Freude zu blicken, die uns verhei\u00dfen ist.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die kosmische Dimension des Bundes<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eDurch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12%2C3\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12,3<\/a>) Diese Verhei\u00dfung offenbart die universelle Dimension des Bundes. Obwohl Gott einen partikularen Weg mit Abraham und seinen Nachkommen beginnt, zielt dieser auf einen universellen Segen f\u00fcr alle V\u00f6lker.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Apostel Paulus sieht in dieser Verhei\u00dfung bereits die Ank\u00fcndigung des Evangeliums: \u201eDie Schrift sah voraus, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Deshalb verk\u00fcndete sie dem Abraham im Voraus: Durch dich sollen alle V\u00f6lker Segen erlangen.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Galater3%2C8\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gal 3,8<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Kyrill von Alexandrien (ca. 376-444) interpretiert diesen universellen Segen als Teilhabe aller V\u00f6lker an der g\u00f6ttlichen Natur \u2013 eine Teilhabe, die durch die Menschwerdung Christi, des Nachkommens Abrahams, erm\u00f6glicht wird. In der Kirchenv\u00e4tertradition wird Abraham so zum Vorbild f\u00fcr die Kirche, die berufen ist, Segen f\u00fcr die Welt zu sein.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir unsere eigene Berufung zum Segen f\u00fcr andere erneuern. Wir fasten nicht nur f\u00fcr uns selbst, sondern solidarisch mit der ganzen leidenden Sch\u00f6pfung. Der russische Theologe Sergius Bulgakov (1871-1944) spricht von der \u201ekosmischen Liturgie&#8220; \u2013 der Berufung der Kirche, die gesamte Sch\u00f6pfung zur Eucharistie zu machen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Existenzialit\u00e4t des Vertrauens<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Berufung Abrahams konfrontiert uns mit einer fundamentalen existenziellen Frage: Sind wir bereit, die Sicherheit des Vertrauten f\u00fcr die Unsicherheit des Verhei\u00dfenen aufzugeben? K\u00f6nnen wir wie Abraham \u201eins Unbekannte hinein&#8220; glauben?<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der j\u00fcdische Philosoph Martin Buber (1878-1965) unterscheidet zwischen der \u201eIch-Es-Beziehung&#8220;, in der wir die Welt zu kontrollieren versuchen, und der \u201eIch-Du-Beziehung&#8220;, in der wir uns auf ein Gegen\u00fcber einlassen. Der Glaube Abrahams ist paradigmatisch f\u00fcr diese \u201eIch-Du-Beziehung&#8220; zu Gott \u2013 er versucht nicht, Gott zu verstehen oder zu kontrollieren, sondern antwortet auf seinen Ruf.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der franz\u00f6sische Philosoph Emmanuel Levinas (1906-1995) entwickelt diesen Gedanken weiter: Die Begegnung mit dem Anderen ist immer ein Ruf zur Verantwortung, der unsere autonome Existenz in Frage stellt. In seiner Interpretation der Berufung Abrahams sieht er das Paradigma ethischer Existenz: \u201eHier bin ich&#8220; \u2013 die Antwort, die Abraham gibt, als Gott ihn ruft (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose22%2C1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 22,1<\/a>).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit fordert uns heraus, unsere eigene Autonomie zu relativieren und uns wie Abraham rufen zu lassen \u2013 aus unseren Sicherheiten heraus in das Land, das Gott uns zeigen will.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Praktische \u00dcbungen des Vertrauens f\u00fcr die Fastenzeit<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>\u00dcbung der Losl\u00f6sung<\/strong>: Identifiziere in deinem Leben einen Bereich, in dem du zu sehr an Sicherheiten h\u00e4ngst \u2013 sei es materielle Besitzt\u00fcmer, bestimmte Beziehungen oder festgefahrene \u00dcberzeugungen. \u00dcbe dich darin, diesen Bereich bewusst in Gottes H\u00e4nde zu legen, indem du t\u00e4glich ein Gebet der Hingabe sprichst: \u201eHerr, ich \u00fcberlasse dir meine Sorge um &#8230;&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Pilgerschaft des Geistes<\/strong>: Nimm dir w\u00e4hrend der Fastenzeit bewusst Zeit f\u00fcr eine t\u00e4gliche \u201einnere Pilgerschaft&#8220;. Beginne mit 5-10 Minuten Stille, in der du dich auf den Ruf Gottes \u00f6ffnest. Stelle dir die Frage: \u201eWozu ruft mich Gott heute? Welchen Schritt des Vertrauens soll ich gehen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Lectio Divina <\/strong>: Lies meditativ die Abrahamsgeschichte (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose12\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Gen 12-25<\/a>) in kleinen Abschnitten \u00fcber mehrere Tage verteilt. Verweile besonders bei jenen Stellen, wo Abrahams Vertrauen auf die Probe gestellt wird. Frage dich: \u201eWie h\u00e4tte ich an seiner Stelle gehandelt? Was kann ich von seiner Haltung lernen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>Askese der Kontrolle<\/strong>: Verzichte bewusst auf die Kontrolle bestimmter Situationen. \u00dcbe dich darin, Ereignisse anzunehmen, statt sie beherrschen zu wollen. Johannes vom Kreuz (1542-1591) beschreibt dies als \u201eaktive Nacht der Sinne&#8220; \u2013 ein bewusstes Loslassen unseres Bed\u00fcrfnisses nach Kontrolle.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Gebet um Vertrauen auf Gottes F\u00fchrung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Heiliger Gott, Herr des Seins,<\/em><br \/>\n<em>der du Abraham aus seiner Heimat gerufen<\/em><br \/>\n<em>und ihn auf dem Weg des Vertrauens gef\u00fchrt hast,<\/em><br \/>\n<em>rufe auch mich aus meinen Sicherheiten heraus.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Gib mir den Mut, das Vertraute zu verlassen,<\/em><br \/>\n<em>wenn du mich in unbekanntes Land f\u00fchrst.<\/em><br \/>\n<em>Schenke mir die Geduld Abrahams,<\/em><br \/>\n<em>auf deine Verhei\u00dfung zu warten,<\/em><br \/>\n<em>auch wenn ich ihre Erf\u00fcllung nicht sehe.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Hilf mir, wie Abraham nicht auf die eigene Kraft,<\/em><br \/>\n<em>sondern auf deine Treue zu bauen.<\/em><br \/>\n<em>Befreie mich von der Illusion der Kontrolle<\/em><br \/>\n<em>und lehre mich die Freiheit des Vertrauens.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Mach mich zum Segen f\u00fcr andere,<\/em><br \/>\n<em>dass durch mein Leben deine G\u00fcte sichtbar wird.<\/em><br \/>\n<em>F\u00fchre mich durch die W\u00fcste dieser Fastenzeit<\/em><br \/>\n<em>in das Land der \u00f6sterlichen Verhei\u00dfung.<\/em><br \/>\n<em>Durch Christus, deinen menschgewordenen Sohn,<\/em><br \/>\n<em>und unseren Herrn. Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Fastenzeit als Exodus des Vertrauens<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Mit dem Beginn der zweiten Fastenwoche verlassen wir symbolisch die urspr\u00fcngliche Heimat unserer Gewohnheiten und Sicherheiten. Wie Abraham sind wir aufgerufen, einen Weg des Vertrauens zu gehen \u2013 einen Weg, dessen Ende wir nicht sehen k\u00f6nnen, der aber zur Erf\u00fcllung der g\u00f6ttlichen Verhei\u00dfung f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Iren\u00e4us von Lyon (ca. 135-202) sagt: \u201eDie Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch, und das Leben des Menschen ist die Schau Gottes.&#8220; Die Berufung Abrahams zeigt, dass Gott den Menschen auf einen Weg f\u00fchren will, an dessen Ende eine tiefere Gottesschau steht \u2013 eine Schau, die uns lebendiger macht, als wir es uns vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Fastenzeit ist in diesem Sinne kein Weg der Verarmung, sondern der Bereicherung \u2013 ein Exodus aus der Knechtschaft unserer selbstgemachten G\u00f6tter hin zur Freiheit der Kinder Gottes. Wie Abraham d\u00fcrfen wir vertrauen, dass der Gott, der uns ruft, uns auch f\u00fchren und segnen wird.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">K\u00f6nnen wir heute sagen: \u201eHier bin ich, Herr. Ich bin bereit, dir zu folgen, wohin du mich f\u00fchrst&#8220;?<\/p>\n<p>Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":20861,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[65,102],"tags":[162,184,164,717,275,712,246,713,711],"class_list":["post-20858","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glaubensfragen","category-sardaryan","tag-armenische-kirche","tag-armenische-tradition","tag-glaube","tag-gottes-bund-und-verheissung","tag-grosse-fastenzeit","tag-impulse","tag-katechese","tag-ostern-vorbereiten","tag-spiritualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20858"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20862,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20858\/revisions\/20862"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}