{"id":20892,"date":"2025-03-25T09:00:40","date_gmt":"2025-03-25T08:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=20892"},"modified":"2025-03-15T06:38:54","modified_gmt":"2025-03-15T05:38:54","slug":"von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2025\/von-der-schoepfung-zur-auferstehung-teil-11\/","title":{"rendered":"Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung: Teil 11"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\">Von der Sch\u00f6pfung zur Auferstehung:<\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:28;line-height:1.2;\"><p>Die Heilung des blinden Bartim\u00e4us \u2013<br \/>\nSehen mit den Augen des Glaubens<\/p><\/h2><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><h3 class=\"text-xl font-bold text-text-200 mt-1 -mb-0.5\">4. Woche, Dienstag (25. M\u00e4rz 2025):<\/h3>\n<p class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\"><em>Biblische Lesung f\u00fcr den Tag:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Markus 10<\/a>:46-52; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Jesaja42\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Jesaja 42<\/a>:5-7<\/em><\/p>\n<div class=\"flex flex-none items-center justify-between text-sm text-text-500 py-2 px-2 border-t border-border-400\">\n<div class=\"flex-1\">\n<div class=\"px-3 text-xs\">\n<div class=\"relative flex w-full flex-1 overflow-x-hidden overflow-y-scroll\">\n<div class=\"w-full h-full relative &#091;&amp;_:not(input)::selection&#093;:bg-accent-main-000\/20 &#091;&amp;_:not(input)::selection&#093;:text-text-200\">\n<div class=\"font-claude-message mx-auto w-full max-w-3xl leading-&#091;1.65rem&#093; -tracking-&#091;0.015em&#093; px-6 pb-8 pt-4 md:pt-6 md:px-11\">\n<div class=\"grid-cols-1 grid gap-2.5 &#091;&amp;_&gt; &lt;p&gt;_*&#093;:min-w-0 !gap-3.5\">\n<div class=\"relative flex w-full flex-1 overflow-x-hidden overflow-y-scroll\">\n<div class=\"w-full h-full relative &#091;&amp;_:not(input)::selection&#093;:bg-accent-main-000\/20 &#091;&amp;_:not(input)::selection&#093;:text-text-200\">\n<div class=\"font-claude-message mx-auto w-full max-w-3xl leading-&#091;1.65rem&#093; -tracking-&#091;0.015em&#093; px-6 pb-8 pt-4 md:pt-6 md:px-11\">\n<div class=\"grid-cols-1 grid gap-2.5 &#091;&amp;_&gt; &lt;p&gt;_*&#093;:min-w-0 !gap-3.5\">\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Das Paradox des sehenden Blinden<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eSie kamen nach Jericho. Als Jesus mit seinen J\u00fcngern und einer gro\u00dfen Menschenmenge Jericho wieder verlie\u00df, sa\u00df am Weg ein blinder Bettler, Bartim\u00e4us, der Sohn des Tim\u00e4us.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C46\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,46<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nach gestern, wo wir \u00fcber das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und die Frage \u201eWer ist mein N\u00e4chster?&#8220; nachgedacht haben, betrachten wir heute eine weitere Begegnung Jesu am Wegesrand \u2013 dieses Mal nicht ein Gleichnis, sondern ein reales Geschehen, das die tiefe Spannung zwischen \u00e4u\u00dferem Sehen und innerem Erkennen offenbart.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Begegnung mit Bartim\u00e4us steht im Markusevangelium an einer Schl\u00fcsselstelle \u2013 unmittelbar vor dem Einzug Jesu in Jerusalem und damit am Beginn der Passionserz\u00e4hlung. Die J\u00fcnger werden bald Zeugen von Jesu Leiden werden, aber werden sie wirklich \u201esehen&#8220;, was geschieht? Werden sie die tiefere Bedeutung von Kreuz und Auferstehung erkennen? Die Heilung des Blinden dient hier als prophetisches Zeichen, das \u00fcber sich selbst hinausweist auf die wahre geistliche Erleuchtung, die allen Menschen offensteht.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der armenischen Tradition wird diese Perikope oft im Zusammenhang mit der Fastenzeit betrachtet, weil sie die Bewegung von der Dunkelheit zum Licht, von der Blindheit zur Erkenntnis, vom Wegesrand in die Nachfolge illustriert \u2013 eine Bewegung, die der Fastenzeit als Vorbereitung auf das Licht der Auferstehung entspricht. Der armenische Begriff <em>lusavorut\u02bbyun<\/em> (Erleuchtung), der im Kontext der Taufe verwendet wird, kann auch auf diese spirituelle Sehkraft bezogen werden, die mehr ist als blo\u00dfes physisches Sehen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In unserer vierten Fastenwoche steht diese Heilungsgeschichte als Einladung, unsere eigene geistliche Blindheit zu erkennen und um Heilung zu bitten. Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir bekennen, dass wir oft nicht wirklich sehen \u2013 weder Gott noch unsere Mitmenschen noch uns selbst \u2013 und in der wir mit Bartim\u00e4us rufen: \u201eSohn Davids, erbarme dich meiner!&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Struktur der Begegnung:<br \/>\nEin Heilungsdialog<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Erz\u00e4hlung von der Heilung des Bartim\u00e4us hat eine klare dramatische Struktur, die den Weg vom Dunkel zum Licht, von der Isolation zur Gemeinschaft, vom passiven Betteln zur aktiven Nachfolge nachzeichnet:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Die Situation am Wegesrand (Vers 46)<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Bartim\u00e4us wird dreifach charakterisiert: als blind, als Bettler und als \u201eam Weg sitzend&#8220;. Diese dreifache Marginalisierung \u2013 physisch, sozial und r\u00e4umlich \u2013 betont seine vollst\u00e4ndige Ausgrenzung aus der Gemeinschaft. Er kann weder sehen noch f\u00fcr sich selbst sorgen noch mit anderen gehen. Sein Zustand repr\u00e4sentiert die \u00e4u\u00dferste Form menschlicher Hilflosigkeit.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Name \u201eBartim\u00e4us&#8220; (aram\u00e4isch f\u00fcr \u201eSohn des Tim\u00e4us&#8220;) ist bemerkenswert, da die Evangelien selten Namen von Geheilten nennen. Diese Namensnennung deutet darauf hin, dass Bartim\u00e4us sp\u00e4ter ein bekanntes Mitglied der urchristlichen Gemeinde wurde \u2013 ein lebendiges Zeugnis der transformierenden Kraft Christi.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Der Schrei nach Erbarmen (Verse 47-48)<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eAls er h\u00f6rte, dass es Jesus von Nazaret war, begann er laut zu rufen: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C47-48\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,47-48<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Obwohl Bartim\u00e4us nichts sehen kann, kann er h\u00f6ren \u2013 und was er h\u00f6rt, f\u00fchrt zu einem bemerkenswerten Bekenntnis. Er nennt Jesus \u201eSohn Davids&#8220; \u2013 ein messianischer Titel, der auf Jesus als den verhei\u00dfenen K\u00f6nig aus dem Geschlecht Davids verweist. In seiner Blindheit \u201esieht&#8220; Bartim\u00e4us eine Wahrheit, die vielen Sehenden verborgen bleibt: die wahre Identit\u00e4t Jesu als Messias.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Sein Ruf \u201eErbarme dich meiner!&#8220; (<em>ele\u0113son me<\/em>) ist ein Gebetsruf, der in der \u00f6stlichen liturgischen Tradition zum zentralen Element des sogenannten Jesusgebets geworden ist: \u201eHerr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des S\u00fcnders.&#8220; Dieser Gebetsruf verbindet das Bekenntnis zur Gottheit Christi mit der Bitte um Erbarmen in einer pr\u00e4gnanten Form, die seit Jahrhunderten das kontemplative Leben der Kirche pr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Reaktion der Menge \u2013 der Versuch, Bartim\u00e4us zum Schweigen zu bringen \u2013 zeigt, wie oft religi\u00f6se und soziale Strukturen den Weg zu Christus versperren k\u00f6nnen, besonders f\u00fcr die Marginalisierten. Doch Bartim\u00e4us l\u00e4sst sich nicht einsch\u00fcchtern; er schreit nur noch lauter. Seine Beharrlichkeit ist ein wesentliches Element seines Glaubens.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Die Wende: Der Ruf Jesu (Verse 49-50)<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eJesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C49-50\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,49-50<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In diesem Moment geschieht eine dramatische Wende: Jesus bleibt stehen. Das griechische Wort <em>stas<\/em> (stehenbleibend) hat hier eine tiefere Bedeutung \u2013 es signalisiert Jesu volle Aufmerksamkeit f\u00fcr den Bed\u00fcrftigen. Das Stehenbleiben Jesu ist ein Akt der Barmherzigkeit, vergleichbar mit dem Akt des Samariters, der anh\u00e4lt, um dem Verwundeten zu helfen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Bemerkenswert ist, dass Jesus Bartim\u00e4us nicht sofort selbst ruft, sondern die Menge, die ihn eben noch zum Schweigen bringen wollte, beauftragt, ihn zu rufen. Damit transformiert er die Gemeinschaft von einer Barriere zu einem Vermittler der Heilung \u2013 ein Bild f\u00fcr die Funktion der Kirche, die gerufen ist, andere zu Christus zu f\u00fchren. In diesem Sinne aber auch eine Gemeinschaft, die den Einzelnen unterst\u00fctzt die eigenen F\u00e4higkeiten zu entfalten.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Reaktion des Bartim\u00e4us ist dramatisch: Er wirft seinen Mantel weg, springt auf und kommt zu Jesus. Der Mantel (<em>himation<\/em>) war mehr als ein Kleidungsst\u00fcck \u2013 f\u00fcr einen Bettler war er Schutz, Schlafst\u00e4tte und oft einziger Besitz. Ihn wegzuwerfen bedeutet, die letzte Sicherheit aufzugeben im Vertrauen auf Christus. Das Wegwerfen des Mantels illustriert die radikale Natur des Glaubens, der bereit ist, alles hinter sich zu lassen, aber auch in sich Kraft finden selbst aktiv zu werden.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>4. Das Zentrum: Der Dialog mit Jesus (Verse 51-52a)<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eJesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich m\u00f6chte sehen k\u00f6nnen. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C51-52\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,51-52a<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Frage Jesu \u2013 \u201eWas willst du, dass ich dir tue?&#8220; \u2013 erscheint zun\u00e4chst \u00fcberfl\u00fcssig. Ist es nicht offensichtlich, was ein Blinder m\u00f6chte? Doch diese Frage hat eine tiefere Dimension: Sie respektiert die Freiheit und W\u00fcrde des Bartim\u00e4us und l\u00e4dt ihn ein, seine Sehnsucht konkret auszusprechen. Jesus heilt nicht ohne die aktive Beteiligung des zu Heilenden.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Antwort des Bartim\u00e4us \u2013 \u201eRabbuni, ich m\u00f6chte sehen k\u00f6nnen&#8220; \u2013 ist direkt und klar. Er verwendet den aram\u00e4ischen Begriff <em>Rabbuni<\/em> (mein Meister), der eine besondere Intimit\u00e4t und Ehrfurcht ausdr\u00fcckt. W\u00e4hrend er Jesus zuvor \u00f6ffentlich als \u201eSohn Davids&#8220; bekannt hat, spricht er ihn nun pers\u00f6nlich als seinen Meister an \u2013 ein Hinweis auf die Bereitschaft zur Nachfolge.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Jesu Antwort \u2013 \u201eDein Glaube hat dich gerettet&#8220; \u2013 verbindet Heilung und Heil. Das griechische Wort <em>ses\u014dken<\/em> (hat gerettet\/geheilt) umfasst beides: physische Heilung und spirituelles Heil. Es ist derselbe Begriff, den Jesus in anderen Heilungsgeschichten verwendet, etwa bei der blutfl\u00fcssigen Frau (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus5%2C34\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 5,34<\/a>). Diese Formulierung verdeutlicht, dass die physische Heilung ein Zeichen f\u00fcr die tiefere, spirituelle Heilung ist.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>5. Das Ergebnis: Sehen und Nachfolge (Vers 52b)<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eIm gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C52\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,52b<\/a>)<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das unmittelbare Resultat ist die Wiederherstellung des Sehverm\u00f6gens. Doch das Markusevangelium betont sofort die Konsequenz dieser Heilung: Bartim\u00e4us folgt Jesus \u201eauf seinem Weg&#8220; (<em>en t\u0113 hod\u014d<\/em>). Dieser \u201eWeg&#8220; ist mehr als eine Stra\u00dfe \u2013 er ist der Weg nach Jerusalem, der Weg zum Kreuz, der Weg der Nachfolge.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Perikope endet mit diesem Bild der Nachfolge und zeigt damit die vollst\u00e4ndige Transformation des Bartim\u00e4us: vom blinden Bettler, der am Wegesrand sitzt, zum sehenden J\u00fcnger, der Jesus auf seinem Weg folgt. Diese Transformation illustriert den gesamten Prozess der christlichen Initiation: vom Ruf \u00fcber die Heilung bis zur Nachfolge.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Theologische Dimensionen der Perikope<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte von Bartim\u00e4us ist mehr als ein Heilungsbericht \u2013 sie ist eine vielschichtige theologische Erz\u00e4hlung, die verschiedene Dimensionen des christlichen Glaubens beleuchtet:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Die christologische Dimension: Jesus als messianischer Heiler<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In diesem Wunder offenbart sich Jesus als der verhei\u00dfene Messias, der gem\u00e4\u00df den prophetischen Erwartungen \u201edie Augen der Blinden \u00f6ffnet&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Jesaja42%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Jes 42,7<\/a>; <a class=\"bibleserver extern\" href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Jesaja35%2C5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">35,5<\/a>). Die Heilung des Blinden ist kein isoliertes Wunder, sondern Teil der messianischen Zeichen, die Jesajas Vision erf\u00fcllen: \u201eDann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden ge\u00f6ffnet&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Jesaja35%2C5\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Jes 35,5<\/a>).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Bartim\u00e4us erkennt diese messianische Identit\u00e4t, wenn er Jesus als \u201eSohn Davids&#8220; anruft \u2013 ein Titel, der auf die k\u00f6nigliche Abstammung und messianische W\u00fcrde Jesu verweist. Diese Anrufung ist zugleich Bekenntnis und Bitte: Sie bekennt die Identit\u00e4t Jesu und bittet um sein k\u00f6nigliches Erbarmen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Kirchenv\u00e4ter, besonders Ambrosius von Mailand (ca. 340-397), sahen in der Heilung des Blinden ein Zeichen f\u00fcr die umfassendere Mission Christi, die Menschheit aus der Blindheit der S\u00fcnde und Unwissenheit zu retten. F\u00fcr Ambrosius ist Christus das wahre Licht (verum lumen), das sowohl physische als auch spirituelle Blindheit heilt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Die soteriologische Dimension: Glaube als Weg zur Rettung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Zentral in der Perikope steht die Aussage Jesu: \u201eDein Glaube hat dich gerettet.&#8220; Diese Formulierung verbindet die Heilung mit dem Glauben des Geheilten \u2013 nicht als magische Formel, sondern als Ausdruck der Beziehung zwischen g\u00f6ttlichem Handeln und menschlicher Antwort.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Glaube des Bartim\u00e4us zeigt sich in mehrfacher Weise:<\/p>\n<ul class=\"&#091;&amp;:not(:last-child)_ul&#093;:pb-1 &#091;&amp;:not(:last-child)_ol&#093;:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7\">\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">In seinem Bekenntnis zu Jesus als \u201eSohn Davids&#8220;<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">In seiner beharrlichen Bitte trotz Widerstand<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">In seiner Bereitschaft, seinen Mantel (seine Sicherheit) aufzugeben<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">In seiner klaren Artikulation dessen, was er von Jesus erbittet<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">In seiner sofortigen Nachfolge nach der Heilung<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Aspekte des Glaubens zeigen, dass wahrer Glaube mehr ist als intellektuelle Zustimmung \u2013 er ist Bekenntnis, Beharrlichkeit, Risikobereitschaft, klare Sehnsucht und aktive Nachfolge.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der armenischen Tradition betont der heilige Nerses Shnorhali (1102-1173) in seinen Gebeten immer wieder die Verbindung zwischen Glauben und Heilung, zwischen dem vertrauensvollen Rufen zu Christus und der Erfahrung seiner erl\u00f6senden Kraft.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Die ekklesiologische Dimension: Von der Isolation zur Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte des Bartim\u00e4us zeichnet auch einen ekklesiologischen Weg nach \u2013 den Weg von der Isolation am Rand der Gesellschaft in die Gemeinschaft der Nachfolger Jesu. Diese Bewegung symbolisiert den Prozess der Eingliederung in die Kirche, wie er in den Initiationssakramenten (Taufe, Firmung\/Myron-Salbung, Eucharistie) vollzogen wird.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Bemerkenswert ist die Rolle der Gemeinschaft in diesem Prozess. Zun\u00e4chst ist die Menge ein Hindernis, das Bartim\u00e4us vom Kontakt mit Jesus abh\u00e4lt. Doch auf Jesu Gehei\u00df wird dieselbe Gemeinschaft zum Vermittler, der Bartim\u00e4us zu Jesus ruft und ihn ermutigt. Dies entspricht der Rolle der Kirche, die Menschen zu Christus f\u00fchren und im Glauben ermutigen soll.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die armenische Liturgie, besonders in den Taufgebeten, greift dieses Motiv der Bewegung vom Dunkel zum Licht, von der Isolation zur Gemeinschaft auf und versteht die sakramentale Initiation als eine \u201eErleuchtung&#8220; (<em>lusavorut\u02bbyun<\/em>), die analog zur \u00d6ffnung der Augen des Blinden ist.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Die Typologie des Sehens im geistlichen Leben<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Heilung der Blindheit ist in der christlichen Tradition zu einer grundlegenden Metapher f\u00fcr den geistlichen Weg geworden. Diese Typologie entfaltet verschiedene Dimensionen des \u201eSehens&#8220; im geistlichen Leben:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Die paradoxe Blindheit der Sehenden<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Eine der tiefsten Paradoxien der Evangelien ist, dass oft die physisch Blinden wie Bartim\u00e4us geistlich sehend sind, w\u00e4hrend die physisch Sehenden geistlich blind bleiben. Jesus selbst formuliert dieses Paradox: \u201eIch bin zum Gericht in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes9%2C39\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Joh 9,39<\/a>).<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Augustinus (354-430) entfaltet in seinen Predigten dieses Paradox: Die wahre Blindheit ist nicht die physische, sondern die geistliche \u2013 die Unf\u00e4higkeit, die Wahrheit \u00fcber Gott, die Welt und sich selbst zu erkennen. Der physisch Blinde, der seine Blindheit anerkennt und um Heilung bittet, ist in einem tieferen Sinne sehender als jene, die ihre geistliche Blindheit leugnen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der armenischen spirituellen Tradition wird dieses Paradox besonders in den Schriften des heiligen Gregor von Narek (951-1003) reflektiert. Sein \u201eBuch der Klagen&#8220; (<em>Matean Voghbergutean<\/em>) ist durchdrungen von dem Bewusstsein der inneren Blindheit und der Bitte um die erleuchtende Gnade Gottes.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Die Stufen der geistlichen Erkenntnis<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Kirchenv\u00e4ter unterscheiden verschiedene Stufen oder Arten des Sehens im geistlichen Leben:<\/p>\n<ul class=\"&#091;&amp;:not(:last-child)_ul&#093;:pb-1 &#091;&amp;:not(:last-child)_ol&#093;:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7\">\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Physisches Sehen<\/strong> (<em>horasis<\/em>): Die grundlegende F\u00e4higkeit, die materielle Welt wahrzunehmen.<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Intellektuelles Sehen<\/strong> (<em>theoria<\/em>): Die F\u00e4higkeit, Wahrheit zu erkennen und zu verstehen.<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Intuitives Sehen<\/strong> (<em>gnosis<\/em>): Die unmittelbare Erkenntnis der tieferen Wirklichkeit.<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\"><strong>Kontemplatives Sehen<\/strong> (<em>theoptia<\/em>): Die mystische Schau Gottes.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In dieser Typologie ist die Heilung des Bartim\u00e4us mehr als die Wiederherstellung des physischen Sehens \u2013 sie ist der Beginn eines Weges zur h\u00f6heren Erkenntnis, zur kontemplativen Schau Gottes.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der heilige Gregor von Nyssa (ca. 335-394) beschreibt in seiner Schrift \u201eDas Leben des Mose&#8220; diesen Aufstieg von der physischen zur kontemplativen Schau als einen lebenslangen Prozess der Reinigung und Erleuchtung, der in der mystischen Vereinigung mit Gott gipfelt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Das Sehen als Gabe und Aufgabe<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte des Bartim\u00e4us zeigt, dass das Sehen sowohl Gabe als auch Aufgabe ist. Als Gabe ist es ein unverdientes Geschenk der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit; als Aufgabe fordert es die Verantwortung, das Gesehene zu bezeugen und diesem Zeugnis entsprechend zu leben.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos (ca. 349-407) betont in seinen Predigten diese doppelte Dimension des Sehens. Er ermahnt seine Zuh\u00f6rer, nicht um des Sehens willen zu sehen, sondern um zu handeln \u2013 um das erkannte Licht in die Welt zu tragen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der armenischen Tradition wird diese Verantwortung des Sehenden besonders im Begriff des Zeugnisses (<em>vkayut\u02bbyun<\/em>) gefasst. Der Geheilte ist berufen, Zeuge des empfangenen Lichts zu sein \u2013 in Wort und Tat die Wahrheit zu bezeugen, die er erkannt hat.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Blindheit und Erkenntnis<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte des Bartim\u00e4us wirft fundamentale philosophische Fragen nach dem Wesen des Sehens, der Erkenntnis und der Wahrheit auf:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Das platonische H\u00f6hlengleichnis und die christliche Erleuchtung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Eine der ber\u00fchmtesten philosophischen Metaphern f\u00fcr den Weg vom Dunkel zum Licht ist Platons H\u00f6hlengleichnis. Platon (ca. 428-348 v. Chr.) beschreibt in seiner \u201ePoliteia&#8220; Menschen, die in einer H\u00f6hle leben und nur Schatten sehen, die sie f\u00fcr die Wirklichkeit halten. Der Weg zur wahren Erkenntnis f\u00fchrt sie aus der H\u00f6hle ans Licht der Sonne, die f\u00fcr das Gute schlechthin steht.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Metapher hat bemerkenswerte Parallelen zur christlichen Konzeption der geistlichen Erleuchtung, wie sie in der Heilung des Bartim\u00e4us zum Ausdruck kommt. In beiden F\u00e4llen geht es um den \u00dcbergang von einer beschr\u00e4nkten, illusion\u00e4ren Wahrnehmung zur Erkenntnis der wahren Wirklichkeit.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Doch es gibt auch wesentliche Unterschiede: W\u00e4hrend Platon die Erleuchtung als rein intellektuellen Prozess beschreibt, betont die christliche Tradition die Rolle der Gnade, des Glaubens und der pers\u00f6nlichen Beziehung zu Christus, dem wahren Licht. Die Heilung des Bartim\u00e4us ist nicht prim\u00e4r eine intellektuelle Aufkl\u00e4rung, sondern eine ganzheitliche Transformation durch die Begegnung mit Christus.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Kierkegaards existenzieller Sprung und der Glaube des Bartim\u00e4us<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der d\u00e4nische Philosoph S\u00f8ren Kierkegaard (1813-1855) hat in seinem Werk \u201eFurcht und Zittern&#8220; den Glauben als einen \u201eSprung&#8220; beschrieben \u2013 als eine existenzielle Entscheidung, die \u00fcber die Grenzen des rationalen Verstehens hinausgeht. Dieser Sprung erfordert die Bereitschaft, Sicherheiten aufzugeben und sich dem Unbekannten anzuvertrauen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der Geschichte des Bartim\u00e4us finden wir ein lebendiges Beispiel f\u00fcr diesen existenziellen Sprung des Glaubens. Sein Wegwerfen des Mantels \u2013 seines einzigen Besitzes und seiner Sicherheit \u2013 ist ein physisches Zeichen f\u00fcr den inneren Sprung des Vertrauens. Es ist ein Akt, der nicht aus rationaler Berechnung, sondern aus existenziellem Vertrauen entspringt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Kierkegaard w\u00fcrde in Bartim\u00e4us einen \u201eRitter des Glaubens&#8220; erkennen \u2013 einen Menschen, der bereit ist, alles zu riskieren im Vertrauen auf Gott. Diese existenzielle Dimension des Glaubens steht im Zentrum der christlichen Erfahrung und wird in der Heilungsgeschichte anschaulich dargestellt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Levinas und die Ethik der Begegnung<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Der j\u00fcdische Philosoph Emmanuel Levinas (1906-1995) hat in seinen Werken die Bedeutung des \u201eAntlitzes des Anderen&#8220; f\u00fcr die Ethik betont. F\u00fcr Levinas ist die Begegnung mit dem Antlitz des Anderen der Ursprung aller ethischen Verpflichtung \u2013 eine Begegnung, die vor aller Theorie und allem Verstehen liegt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Begegnung zwischen Jesus und Bartim\u00e4us kann in dieser Perspektive als paradigmatische ethische Begegnung verstanden werden. Jesus sieht das Antlitz des Bartim\u00e4us \u2013 nicht nur seine Blindheit oder sein soziales Stigma, sondern seine menschliche W\u00fcrde und seinen Anspruch auf Anerkennung. In seiner Frage \u201eWas willst du, dass ich dir tue?&#8220; respektiert Jesus die Autonomie und Subjektivit\u00e4t des Bartim\u00e4us.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Ethik der Begegnung erinnert uns daran, dass wahres Sehen nicht nur das physische oder intellektuelle Erfassen der Welt bedeutet, sondern die F\u00e4higkeit, den Anderen in seiner irreduziblen Andersheit und W\u00fcrde wahrzunehmen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Praktische \u00dcbungen f\u00fcr die Fastenzeit<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte des Bartim\u00e4us l\u00e4dt uns ein, unsere eigene geistliche Blindheit zu erkennen und um Heilung zu bitten. Hier sind einige konkrete \u00dcbungen f\u00fcr diese Woche der Fastenzeit:<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>1. Das Gebet des Bartim\u00e4us<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Mache das Gebet des Bartim\u00e4us \u2013 \u201eJesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!&#8220; \u2013 zu deinem t\u00e4glichen Begleiter. In der orthodoxen Tradition hat sich dieses Gebet zum sogenannten Jesusgebet entwickelt: \u201eHerr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des S\u00fcnders.&#8220;<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Versuche, dieses Gebet regelm\u00e4\u00dfig zu wiederholen \u2013 vielleicht bei bestimmten T\u00e4tigkeiten wie dem Gehen, dem Warten oder vor dem Einschlafen. Es kann zu einem \u201eGebet des Herzens&#8220; werden, das dich durch den Tag begleitet und deine Aufmerksamkeit immer wieder auf Christus lenkt.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Praxis der best\u00e4ndigen Anrufung kann dir helfen, wie Bartim\u00e4us beharrlich im Glauben zu bleiben, auch wenn innere oder \u00e4u\u00dfere Hindernisse auftauchen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>2. Die \u00dcbung des Loslassens<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">So wie Bartim\u00e4us seinen Mantel wegwarf, um ungehindert zu Jesus zu gelangen, k\u00f6nnen wir uns fragen: Was m\u00fcsste ich \u201ewegwerfen&#8220;, um freier in der Nachfolge Christi zu sein? Welche Sicherheiten, Gewohnheiten oder Bindungen hindern mich daran, ganz auf Christus zu vertrauen?<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">W\u00e4hle in dieser Woche eine konkrete Sache aus, von der du dich bewusst l\u00f6sen m\u00f6chtest \u2013 sei es eine materielle Bindung, eine zeitraubende Gewohnheit oder eine innere Einstellung, die dich von Gott fernh\u00e4lt. Dieser Akt des Loslassens kann ein konkretes Zeichen deines Vertrauens auf Christus sein.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>3. Die kontemplative Lekt\u00fcre der Heilungsgeschichte<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nimm dir Zeit f\u00fcr eine langsame, meditative Lekt\u00fcre der Geschichte des Bartim\u00e4us. Lies den Text mehrmals und verweile bei den einzelnen Szenen. Stell dir die Situation lebhaft vor \u2013 die staubige Stra\u00dfe, die Menschenmenge, den blinden Bettler am Wegrand, das erste H\u00f6ren der Stimme Jesu.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Versuche, dich in die verschiedenen Personen der Geschichte hineinzuversetzen:<\/p>\n<ul class=\"&#091;&amp;:not(:last-child)_ul&#093;:pb-1 &#091;&amp;:not(:last-child)_ol&#093;:pb-1 list-disc space-y-1.5 pl-7\">\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">Wie f\u00fchlt sich Bartim\u00e4us in seiner Blindheit und Isolation?<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">Was empfindet er, als er h\u00f6rt, dass Jesus vorbeikommt?<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">Wie erlebt er den Moment, als er seinen Mantel wegwirft und zu Jesus eilt?<\/li>\n<li class=\"whitespace-normal break-words\">Wie ver\u00e4ndert sich sein Leben, nachdem er sehen kann und Jesus nachfolgt?<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese Form der kontemplativen Lekt\u00fcre, die in der ignatianischen Tradition als \u201eBetrachtung mit den Sinnen&#8220; bekannt ist, kann dir helfen, die Geschichte nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern existenziell zu verinnerlichen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><strong>4. Die Praxis des bewussten Sehens<\/strong><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Nimm dir vor, an einem Tag dieser Woche besonders aufmerksam zu sein f\u00fcr das, was du siehst. Betrachte die Menschen und Dinge um dich herum nicht nur fl\u00fcchtig, sondern mit bewusster Aufmerksamkeit. Versuche, in allem die Spuren der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit und Weisheit zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Diese \u00dcbung kann dir helfen, die Gabe des Sehens neu zu sch\u00e4tzen und sie als Weg zur Gotteserkenntnis zu nutzen, gem\u00e4\u00df dem Wort des Apostels Paulus: \u201eSeit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Sch\u00f6pfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer1%2C20\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">R\u00f6m 1,20<\/a>).<\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Gebet um geistliche Erleuchtung<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Herr Jesus Christus, Licht der Welt,<\/em><br \/>\n<em>du hast die Augen des Bartim\u00e4us ge\u00f6ffnet<\/em><br \/>\n<em>und ihn aus der Dunkelheit ins Licht gef\u00fchrt.<\/em><br \/>\n<em>Auch ich sitze oft am Wegesrand,<\/em><br \/>\n<em>blind f\u00fcr deine Gegenwart und taub f\u00fcr deinen Ruf.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>\u00d6ffne die Augen meines Herzens,<\/em><br \/>\n<em>dass ich dich erkenne als meinen Herrn und Erl\u00f6ser.<\/em><br \/>\n<em>Gib mir den Mut des Bartim\u00e4us,<\/em><br \/>\n<em>nach dir zu rufen, auch wenn andere mich zum Schweigen bringen wollen,<\/em><br \/>\n<em>und alles loszulassen, was mich von dir trennt.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>Heile meine geistliche Blindheit \u2013<\/em><br \/>\n<em>meine Selbstt\u00e4uschung, meinen Stolz, meine Gleichg\u00fcltigkeit.<\/em><br \/>\n<em>Lass mich sehen mit den Augen des Glaubens,<\/em><br \/>\n<em>die Sch\u00f6nheit deiner Sch\u00f6pfung,<\/em><br \/>\n<em>die Not meiner Mitmenschen<\/em><br \/>\n<em>und den Weg, den ich in deiner Nachfolge gehen soll.<\/em><\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\"><em>In dieser Zeit der Fastenzeit<\/em><br \/>\n<em>f\u00fchre mich vom Dunkel ins Licht,<\/em><br \/>\n<em>von der Verzweiflung zur Hoffnung,<\/em><br \/>\n<em>vom Tod zum Leben.<\/em><br \/>\n<em>Damit ich wie Bartim\u00e4us<\/em><br \/>\n<em>nicht nur sehe, sondern dir folge<\/em><br \/>\n<em>auf dem Weg zum Kreuz und zur Auferstehung.<\/em><br \/>\n<em>Amen.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 class=\"text-lg font-bold text-text-200 mt-1 -mb-1.5\">Vom Wegesrand zur Nachfolge<\/h3>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Geschichte des Bartim\u00e4us endet mit den einfachen, aber tiefgr\u00fcndigen Worten: \u201eIm gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Markus10%2C52\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Mk 10,52b<\/a>). Diese Worte fassen den gesamten Weg des Glaubens zusammen \u2013 vom Dunkel zum Licht, von der Isolation zur Gemeinschaft, vom passiven Sitzen am Wegesrand zur aktiven Nachfolge.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der vierten Woche unserer Fastenreise sind auch wir eingeladen, diesen Weg zu gehen. Die Fastenzeit ist eine Zeit der geistlichen Heilung, in der wir unsere Blindheit erkennen und um das Licht Christi bitten. Es ist eine Zeit, in der wir bereit sein sollten, unseren \u201eMantel&#8220; wegzuwerfen \u2013 alles, was uns hindert, zu Christus zu eilen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Heilung, um die wir bitten, ist mehr als die Wiederherstellung des physischen Sehverm\u00f6gens \u2013 sie ist die \u00d6ffnung der Augen des Herzens f\u00fcr die g\u00f6ttliche Wirklichkeit. Der Apostel Paulus betet f\u00fcr die Epheser: \u201eEr erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser1%2C18\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Eph 1,18<\/a>). Diese Erleuchtung des inneren Auges ist das tiefste Ziel des geistlichen Lebens.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Bartim\u00e4us lehrt uns, dass der Weg zur Erleuchtung mit dem Bekenntnis der eigenen Blindheit beginnt. Nur wer seine Blindheit erkennt und bekennt, kann wie er rufen: \u201eSohn Davids, erbarme dich meiner!&#8220; Der Weg f\u00fchrt weiter \u00fcber die Bereitschaft, Sicherheiten aufzugeben \u2013 symbolisiert durch das Wegwerfen des Mantels \u2013 bis hin zur aktiven Nachfolge auf dem Weg Jesu.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In diesem Sinne ist die Geschichte des Bartim\u00e4us eine Parabel f\u00fcr die gesamte Fastenzeit: Sie beginnt mit dem Bekenntnis unserer Blindheit am Barekendan, f\u00fchrt uns durch einen Prozess der Reinigung und Losl\u00f6sung und m\u00fcndet in die Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Christus in der Karwoche und der Osterzeit.<\/p>\n<p>Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die armenische Tradition hat diesen Weg vom Dunkel zum Licht besonders in der Osterliturgie eindrucksvoll gestaltet. Die Kirche beginnt die Osternacht in Dunkelheit, und mit dem Ruf \u201eChristus ist auferstanden!&#8220; wird das Licht entz\u00fcndet und von Kerze zu Kerze weitergegeben \u2013 ein sichtbares Zeichen f\u00fcr die Erleuchtung, die von Christus ausgeht und alle Dunkelheit \u00fcberwindet.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":20895,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[65,102],"tags":[162,184,725,164,275,712,246,713,711],"class_list":["post-20892","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glaubensfragen","category-sardaryan","tag-armenische-kirche","tag-armenische-tradition","tag-die-heilung-des-blinden-bartimaeus","tag-glaube","tag-grosse-fastenzeit","tag-impulse","tag-katechese","tag-ostern-vorbereiten","tag-spiritualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20892"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20892\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20896,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20892\/revisions\/20896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}