{"id":21959,"date":"2026-03-14T13:10:13","date_gmt":"2026-03-14T12:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/agbw.org\/?p=21959"},"modified":"2026-03-14T13:10:13","modified_gmt":"2026-03-14T12:10:13","slug":"die-wahrheit-laesst-sich-nicht-per-dekret-abschaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2026\/die-wahrheit-laesst-sich-nicht-per-dekret-abschaffen\/","title":{"rendered":"Die Wahrheit l\u00e4sst sich nicht per Dekret abschaffen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-one\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h1 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:35;line-height:1.2;\">\u201eDie Wahrheit l\u00e4sst sich nicht per Dekret abschaffen&#8220;<\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-three\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h3 class=\"fusion-title-heading title-heading-left fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"margin:0;--fontSize:23;--minFontSize:23;line-height:1.2;\"><p>Ein AGBW-Gespr\u00e4ch mit Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan<br \/>\n\u00fcber die Freiheit des Geistes, die Pflicht zum Widerspruch<br \/>\nund die aktuelle Situation in Armenien.<\/p><\/h3><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Es gibt Freiheiten, die so grundlegend sind, dass man sie kaum bemerkt, solange man sie besitzt. Die Freiheit, ein Buch zu schreiben oder zu verschenken, ohne Angst vor den Folgen. Die Freiheit, im H\u00f6rsaal eine Hypothese zu vertreten, die dem staatlich Erw\u00fcnschten widerspricht. Die Freiheit, zu beten, zu predigen, eine Gemeinde zu leiten, ohne dass ein Ministerium mitredet. Erst wenn diese Freiheiten zu br\u00f6ckeln beginnen, wird sichtbar, was sie wirklich sind: nicht Privilegien, sondern Bedingungen menschlicher W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Armenien steht im Jahr 2026 an einem solchen Kipppunkt. Das Land, das sich als \u00e4lteste christliche Nation der Welt versteht und seit dem Jahr 301 die Apostolische Kirche als Kern seiner Identit\u00e4t tr\u00e4gt, hat in den vergangenen Jahren einen politischen Kurs eingeschlagen, der in scharfem Widerspruch zu seinen eigenen Verfassungsgarantien steht. Die Regierung unter Nikol Paschinjan beschw\u00f6rt europ\u00e4ische Werte, unterzeichnet Partnerschaftsagenden mit Br\u00fcssel und beansprucht das Erbe einer demokratischen Revolution von 2018. Die Realit\u00e4t, die unabh\u00e4ngige Beobachter beschreiben, ist eine andere.<\/p>\n<p>Freedom House stuft Armenien in seinem Bericht 2025 als \u201ePartly Free\u201c ein. Human Rights Watch dokumentiert f\u00fcr 2026 anhaltenden Druck auf unabh\u00e4ngige Medien, Strafverfahren gegen Journalisten und Oppositionelle sowie eine sich ausbreitende Kultur der Selbstzensur. Kritische Podcaster werden juristisch verfolgt. Demonstrationen werden aufgel\u00f6st. Historiker, die staatliche Narrative in Frage stellen, verlieren institutionelle R\u00fcckendeckung. Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die politisch unbequeme Texte ver\u00f6ffentlichen, berichten von Einsch\u00fcchterungen.<\/p>\n<p>Besonders brisant ist die Lage der Armenischen Apostolischen Kirche, jener Ur-Institution armenischer Kultur und Identit\u00e4t, die das Volk durch Genozid, Deportation und sowjetische Repression hindurchgetragen hat. Die gegenw\u00e4rtige Regierung hat begonnen, in kanonische Fragen einzugreifen, kirchliche Strukturen zu kommentieren und Einfluss auf Personalentscheidungen geltend zu machen, die nach kirchenrechtlichem Verst\u00e4ndnis ausschlie\u00dflich der geistlichen Leitung zustehen. F\u00fcr viele Gl\u00e4ubige und Kleriker ist das kein Reformwille. Es ist Domestizierung.<\/p>\n<p>Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan kennt beide Welten. Der armenische Priester, der seit Jahren in Deutschland lebt und die Armenische Gemeinde Baden-W\u00fcrttemberg in G\u00f6ppingen leitet, ist promovierter Theologe, ausgebildet in Sofia und M\u00fcnchen. Er beobachtet die Entwicklungen in seiner Heimat mit wachsender Sorge, und er schweigt nicht dar\u00fcber.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"align-self: center;margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:15px;margin-bottom:15px;width:100%;\"><div class=\"fusion-separator-border sep-single sep-solid\" style=\"--awb-height:20px;--awb-amount:20px;border-color:#ffac00;border-top-width:1px;\"><\/div><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-2\"><p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Herr Pfarrer Diradur, Sie sind armenischer Priester in Deutschland, promovierter Theologe, sie setzen sich f\u00fcr die Schwachen ein. Kann man sagen, dass Sie auch ein Menschenrechtler sind? Wenn Sie diese Kombination h\u00f6ren, was denken Sie?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>Pfr. Diradur Sardaryan (PD):<\/strong> Wer wirklich armenischer Theologe ist, kann gar nicht kein Menschenrechtler sein, nicht im rechtlichen Sinne, sondern im theologisch-philosophischen. Die W\u00fcrde des Menschen ist kein politisches Anh\u00e4ngsel der Theologie. Sie ist ihr Herzst\u00fcck. <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Mose1%2C27\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\">Genesis 1,27<\/a>: Der Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen. Das ist keine fromme Formel. Das ist die radikalste Aussage, die man \u00fcber einen Menschen machen kann.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Radikal in welchem Sinne?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> In dem Sinne, dass sie jeden staatlichen Totalit\u00e4tsanspruch von vornherein delegitimiert. Wenn der Mensch Ebenbild Gottes ist, dann steht er vor dem Staat. Nicht hinter ihm, nicht unter ihm. Vor ihm. Kein Regime der Welt hat das Recht, diesen Rang anzutasten. Wer es trotzdem tut, begeht nach meinem Verst\u00e4ndnis nicht nur eine politische S\u00fcnde. Er handelt gegen den Willen Gottes, gegen die Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Sie reden oft von Freiheit der Kunst, der Wissenschaft, des Glaubens. Sind das wirklich verwandte Themen, oder werfen Sie hier sehr verschiedene Dinge in einen Topf?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Das ist eine berechtigte Frage. Aber ich glaube, der innere Zusammenhang ist tiefer, als er zun\u00e4chst erscheint. Kunst, Wissenschaft, Glaube, Kultur sind unterschiedliche Ausdrucksformen derselben menschlichen Grundverfassung: der F\u00e4higkeit, \u00fcber das Gegebene hinauszufragen. Ein Wissenschaftler, der eine Hypothese aufstellt, die dem Lehrbuchwissen widerspricht, tut im Grunde dasselbe wie ein K\u00fcnstler, der eine unbequeme Wirklichkeit auf die B\u00fchne bringt, oder ein Theologe, der die Schrift gegen eine bequeme staatlich gewollte Ideologie auslegt bzw. eine Theologie nicht im Sinne der politischen Korrektheit betreibt. Alle drei weigern sich, das Vorgegebene f\u00fcr das Letzte zu halten.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Das klingt sch\u00f6n, aber ist es nicht auch ein bisschen idealistisch? Wissenschaft funktioniert nach Methode, nicht nach Offenbarung.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Nat\u00fcrlich. Und ich w\u00fcrde nie die Methode der Physik mit der Methode der Exegese verwechseln. Aber ich rede nicht von Methode, ich rede von Haltung. Der Physiker, der seine Daten f\u00e4lscht, weil sie dem politisch Erw\u00fcnschten widersprechen, verleugnet denselben Geist wie der Dichter, der sein Manuskript verbrennt, weil er Angst vor staatlicher Repressionen hat. In beiden F\u00e4llen wird die Wahrheitssuche dem Machterhalt geopfert. Das ist die gemeinsame Wurzel.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Armenien ist Ihr Heimatland. Das ist ein empfindliches Terrain. Die Regierung in Jerewan sieht sich als proeurop\u00e4isch, als demokratisch. EU-Integration, Partnerschaftsagenda. Was stimmt daran nicht?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Es stimmt einiges. Und genau das macht die Sache kompliziert. Es w\u00e4re einfacher, wenn Armenien ein klarer Unrechtsstaat w\u00e4re. Aber es ist keiner. Es gibt Wahlen, es gibt Presseorgane, es gibt eine Zivilgesellschaft. Die Frage ist, wie viel Luft diese Institutionen wirklich haben. Ich w\u00fcnsche mir sehr, dass Armenien pro Armenisch ist, in guter freundlicher Beziehung mit allen V\u00f6lkern dieser Welt, dass sie aber auch eine Wertebasis hat, Grenzen, die nicht \u00fcberschritten werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Und?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>Sardaryan:<\/strong> Zu wenig. Freedom House stuft Armenien als \u201ePartly Free\u201c ein. Human Rights Watch dokumentiert Druck auf Journalisten, Strafverfahren gegen oppositionelle Stimmen, eine Atmosph\u00e4re der Selbstzensur, die sich wie ein unsichtbares Netz \u00fcber die Gesellschaft legt. Kritische Podcaster werden juristisch verfolgt. Forscher, die in historisch oder kirchenpolitisch heiklen Feldern arbeiten, sp\u00fcren institutionellen Druck. K\u00fcnstler, die sich dem Konsens verweigern, verlieren F\u00f6rderung.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Das klingt nach vielen L\u00e4ndern. Auch nach manchen EU-Mitgliedern.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Ja, leider. Aber der Unterschied ist: Armenien schw\u00f6rt auf Europa, w\u00e4hrend es das tut. Es unterzeichnet im Dezember 2025 eine strategische Partnerschaftsagenda, die in Br\u00fcssel als Fortschritt bei Demokratie und Rechtsstaat gelobt wird. Und parallel dazu werden Oppositionelle eingesch\u00fcchtert, Religionsfreiheit wird staatlich unterdr\u00fcckt. Jede Stimme, die nicht in Einstimmung mit der Position der Regierung ist, wird zum Schweigen gebracht, mit moralisch sehr fragw\u00fcrdigen Methoden. Das ist nicht nur ein Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem. Das ist eine L\u00fcge, die man sich selbst erz\u00e4hlt. So baut man keine Demokratie auf.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Sie sind Priester der Armenischen Apostolischen Kirche. Ist die Kirche Teil dieses Problems oder Teil der L\u00f6sung?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Beides ist m\u00f6glich, und die Geschichte zeigt beides. Die Armenische Kirche hat \u00fcber Jahrhunderte als H\u00fcterin der nationalen Identit\u00e4t und der Freiheit des Geistes gewirkt, unter osmanischem Joch, unter sowjetischer Kontrolle. Diese Tradition ist real und sie verpflichtet. Wenn aber eine staatliche Regierung beginnt, in die Besetzung kirchlicher \u00c4mter einzugreifen, in die innere Struktur einer jahrtausendealten Institution einzugreifen und das als Sorge um das Wohl des Volkes zu verkaufen, dann ist das kein Reformwille. Das ist Domestizierung.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Meinen Sie konkret die gegenw\u00e4rtige armenische Regierung?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Ich meine die Tendenz, die wir beobachten. Ein Staat, der die kanonische Autonomie der Kirche nicht respektiert, verst\u00f6\u00dft nicht nur gegen kirchenrechtliche Grunds\u00e4tze. Er verst\u00f6\u00dft gegen jenes Prinzip der Gewaltenteilung, auf das er sich nach au\u00dfen so gerne beruft.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Wo bleibt da die Kirche? Wo ist der \u00f6ffentliche Widerspruch der Bisch\u00f6fe, der Priester?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Das fragen Sie mich? <em>(lacht kurz)<\/em> Ich sage Ihnen, was ich pers\u00f6nlich f\u00fcr richtig halte: Der Prophet schweigt nicht. Amos hat den K\u00f6nig kritisiert. Johannes der T\u00e4ufer hat Herodes widersprochen. Dietrich Bonhoeffer hat geschrieben, die Kirche sei nur dann die Kirche, wenn sie f\u00fcr die anderen da sei. Wer angesichts von Repression schweigt, um seine institutionelle Bequemlichkeit zu sichern, hat aufgeh\u00f6rt, Zeuge zu sein. Gleichzeitig will ich unterstreichen, dass die Kirche sehr viele Probleme und Herausforderungen hat, die entsprechend besprochen und ausgearbeitet werden sollen. Einige dringend, andere &#8211; kontinuierlich, permanent. Das ist aber eine innere Angelegenheit der Kirche. Ich sehe, dass die Kirche das immer wieder wiederholt und da etwas tun will. Sie wird aber nun aktiv daran gehindert, ihre konziliare Arbeit umzusetzen.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Das ist ein scharfer Satz.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Es ist ein ehrlicher. Ich bin kein Diplomat in dieser Frage. Ich bin Theologe.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Sie leben in Deutschland. G\u00f6ppingen. Haben Sie einen anderen Blickwinkel auf Armenien, weil Sie von au\u00dfen schauen?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Sicher. Die Distanz gibt Klarheit. Aber sie verpflichtet auch. Wer im sicheren Europa sitzt und schweigt, w\u00e4hrend in seiner Heimat die Freiheit des Geistes beschnitten wird, macht sich mitschuldig an einem bequemen Vergessen. Die Diaspora hat eine besondere Verantwortung: Sie kann sprechen, was Menschen vor Ort manchmal nicht sprechen k\u00f6nnen, sie kann Br\u00fccken bauen, sie kann zwischen den Fronten schlichten.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Letzte Frage. Christus sagt im Johannesevangelium: \u201eDie Wahrheit wird euch frei machen.\u201c Glauben Sie das noch, angesichts all dessen, was Sie beschreiben?<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Gerade deshalb. Weil der Satz nicht hei\u00dft: Die Wahrheit wird euch bequem machen. Er hei\u00dft: frei. Freiheit kostet etwas. Sie kostet manchmal sehr viel. Aber die Alternative ist, in einer L\u00fcge zu leben, die sich mit der Zeit so einrichtet, dass man sie nicht mehr als L\u00fcge erkennt. Das ist das eigentlich Gef\u00e4hrliche. Nicht der offene Tyrann. Der ist sichtbar. Gef\u00e4hrlich ist die halbherzige Demokratie, die sich hin zu einer totalit\u00e4ren Autokratie oder Diktatur entwickelt, die sich selbst f\u00fcr den Normalzustand h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>AGBW:<\/strong> Herr Sardaryan, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-&#091;1.7&#093;\"><strong>PD:<\/strong> Gerne. Und danke, dass solche Fragen \u00fcberhaupt gestellt werden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":21961,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[58],"tags":[],"class_list":["post-21959","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21959"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21962,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21959\/revisions\/21962"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21961"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}