{"id":7004,"date":"2016-01-17T08:51:33","date_gmt":"2016-01-17T07:51:33","guid":{"rendered":"http:\/\/agbw.org\/?p=7004"},"modified":"2021-04-21T20:42:46","modified_gmt":"2021-04-21T18:42:46","slug":"der-gang-jesu-auf-dem-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2016\/der-gang-jesu-auf-dem-wasser\/","title":{"rendered":"Der Gang Jesu auf dem Wasser"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt von Pfr. Dr. Diradur Sardaryan <\/strong><br \/>\n<strong>Gesprochen am I. Sonntag nach Weihnachten, 2016<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Da erkannte Jesus, dass sie kommen w\u00fcrden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum K\u00f6nig zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zur\u00fcck, er allein. Als es aber sp\u00e4t geworden war, gingen seine J\u00fcnger zum See hinab, bestiegen ein Boot und fuhren \u00fcber den See, auf Kafarnaum zu. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. Da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgew\u00fchlt. Als sie etwa f\u00fcnfundzwanzig oder drei\u00dfig Stadien gefahren waren, sahen sie, wie Jesus \u00fcber den See ging und sich dem Boot n\u00e4herte; und sie f\u00fcrchteten sich. Er aber rief ihnen zu: Ich bin es; f\u00fcrchtet euch nicht! Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Johannes6%2C15-21\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Johannes 6, 15 \u2013 21<\/a>.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>als gl\u00e4ubige Menschen wissen wir, dass der liebe Gott, unser Herr, jeden Tag zwischen uns ist. Er Predigt, Heilt uns und spenden Mysterien, er f\u00fcllt unsere Kirche mit Leben. Wir glauben fest daran, dass die Kirche Christi die Fortsetzung des Evangeliums ist, die Fortsetzung der Begegnung zwischen Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Immer, wenn wir zu Surb Patarag (Hl. Liturgie) kommen um am Leib und Blut unseres Herrn teilzunehmen, findet das Heilige Abendmahl erneut statt. Wenn wir die Lesung der Bibel h\u00f6ren, werden wir Teil von all den Menschen, welche die M\u00f6glichkeit hatten, Jesus Christus selber zu sehen und von seinem Mund das Evangelium zu h\u00f6ren, wir werden Teil von den Menschen, die vor uns das Evangelium h\u00f6rten. Wir sind in unseren Gebeten die gleichen Menschen, die Blind und Taub waren, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit suchten, die zum Herrn kamen um von Ihm zu sch\u00f6pfen. Zu wem denn sonst soll ein gl\u00e4ubiger Mensch hingehen. Er hat doch die W\u00f6rter des ewigen Lebens (Jh 6, 68).<\/p>\n<p>All diejenigen, zu zum Herrn kommen werden Teile eines gro\u00dfen Bauwerkes, welches wir Kirche nennen. Jeder von uns wird zu einem Baustein, doch das Fundament, auf dem wir Bauen, ist der Herr selbst. Wir wissen von den Heiligen Aposteln, dass wir unsere Kirche auf keinem anderen Fundament bauen k\u00f6nnen: weder auf den menschlichen Hoffnungen, noch auf menschlicher Zuversicht. Wir bauen die Kirche auf einem Wunder, deren Geburt wir vor einer Woche feierten, auf dem Menschgewordenen Sohn Gottes, Jesus Christus. Denn es gibt keine andere Kraft, die gekommen ist, um jeden Einzelnen von uns zu erl\u00f6sen, und die M\u00f6glichkeit zu geben, wieder in das Haus unseres Vaters zur\u00fcck zu kehren.<\/p>\n<p>Im heutigen Evangelium werden wir in die Nacht versetzt, als die engsten Junger Christi ein Boot erstiegen und \u00fcber den See, auf Kafarnaum zufuhren. Sie sind voller Angst wegen des Unwetters, und siehe, der Herr selbst kommt ihnen entgegen. Die Apostel schreien vom Angst als sie die entgegenkommende Silhouette sahen und konnten sich nicht beruhigen. Was hat es dann aber mit uns zu tun? Findet dieses Wunder auch heute f\u00fcr uns statt?<\/p>\n<p>Ja meine Lieben. Stellen Sie sich den Boot vor, der vor dem Herrn auf Kafarnaum zuf\u00e4hrt. Der Herr ist nicht da, er ist auf einem naheliegenden Berg. Er ist voll im Gebet. Es war ein schwerer Tag f\u00fcr ihn. Er erf\u00e4hrt \u00fcber die Enthauptung Johannes, Er hat den ganzen Tag das Evangelium an tausenden von Menschen gepredigt und er hat sie ern\u00e4hrt. Und nun wollten diese Menschen ihn zum K\u00f6nig machen. Dabei wusste er, dass es noch eine Versuchung ist, die er besiegen soll. Als er vor seinem Dienst von dem Teufel versucht wurde, schlug der Teufel ihm vor aus Steinen Brot zu machen und er w\u00fcrde zum K\u00f6nig. Damals antwortet Jesus: \u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us4%2C4\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mt. 4, 4<\/a>). Er will kein K\u00f6nig dieser Welt sein. Er will, dass die Menschen auf dieser Welt, den Himmelreich kennenlernen und dorthin streben. Deshalb flieht er von der Menge.<\/p>\n<p>Hat er Sie verlassen? Hat er seine Junger alleine gelassen? Gerade an diesem Moment, als das Meer so st\u00fcrmt und das Boot hin und her wirft? Rund um ist die Dunkelheit und tiefes Wasser, rund um herrscht Todesangst. Die heiligen Apostel f\u00fchlen sich vernachl\u00e4ssigt und verlassen\u2026 Wenn wir dar\u00fcber nachdenken\u2026 finden wir uns nicht wieder in dieser Situation? Gerade wo wir vor Schwierigkeiten stehen, vor Versuchungen\u2026 Haben wir nicht das Gef\u00fchl, dass Gott uns verlassen hat, dass wir alleine sind und wir keinen Halt haben, dass unser Leben so dunkel und Aussichtslos ist, dass alles was bis jetzt war keinen Sinn hatte, weil wir jetzt sowieso sterben m\u00fcssen? Worauf wir nicht achten, ist die Tatsache, dass der Herr diese Menschen nicht verlassen hat. Er stand ja auf dem Berg und betete\u2026 Er erhob sich zu Gott und betete f\u00fcr diejenigen, die da unten waren. Er war da oben, und die waren da unten. Er sah sie, und die haben ihn vergessen, weil sie mit dem Sturm k\u00e4mpften\u2026<\/p>\n<p>Die Junger Christi waren von Angst besessen, sie wussten nicht was zu tun ist, weil Sie vergessen haben, dass es den Herrn gibt, der auf sie wacht und sie besch\u00fctzt. Genauso, fallen auch wir bei jeglicher Schwierigkeit in Angst und Stress, und vergessen, dass wir unseren Herrn Jesus Christus als Besch\u00fctzer und vorsorgender Wohlt\u00e4ter haben. Er war da oben im Gebet f\u00fcr die da unten. Aber nicht nur. Er wacht \u00fcber sie, steigt herunter und geht denen entgegen, die seine Hilfe brauchen. Er hatte keinen Boot, deshalb geht er auf dem Wasser. So kommt Er auch zu uns, wenn wir in Schwierigkeiten stecken und nicht mehr weiterwissen. Er kommt zu uns, und wir merken es oft nicht. Wir haben auch keine Zeit an Ihn zu denken und ihn zu Hilfe zu rufen. Wir denken, dass wir es alleine schaffen und merken dabei wie tiefer und tiefer wir versinken\u2026 Gerade da kommt er zu uns, unsere Herzen sind aber voller Angst\u2026<\/p>\n<p>Was w\u00fcrden wir den an deren Stelle tun? Wenn die ganze Umgebung so be\u00e4ngstigend aussieht, Sturm, kaum Licht, kaum Hoffnung und pl\u00f6tzlich sehen wir jemanden, der \u00fcber das Wasser geht\u2026 Doch in voller Angst h\u00f6ren die Junger Christi die Stimme des Herrn: \u201eIch bin es; f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c. Erstaunt lassen diese, vor kurzem noch hoffnungslose, Menschen alles menschliche Tun und schauen auf ihn voller Hoffnung. Sie m\u00f6chten zu Ihm. Und Petrus ruft: \u201eHerr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us14%2C28\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mt. 14, 28<\/a>).<\/p>\n<p>Kennen wir diese Situation nicht aus unserem Leben? Immer wenn es unertr\u00e4glich wird, h\u00f6ren wir eine Stimme, die Stimme des Erl\u00f6sers, der uns sagt: \u201ehabt keine Angst, das bin ich, der Sch\u00f6pfer der Welt, der Lebensspender, ich bin gekommen um euch zu retten. Ihr sollt nur Glauben und sich an mich halten\u201c.<\/p>\n<p>Petrus will zu Ihm, er wollte wie Jesus \u00fcber das Wasser gehen. Der Herr gibt ihm seine Zustimmung und sagt: \u201ekomm\u201c. Eine Zustimmung, die wir t\u00e4glich im Evangelium h\u00f6ren. Was wir dann aber damit machen, ist es nicht dem \u00e4hnlich, was die Junger Christi gemacht haben? Nur Petrus wagte zum Herrn zu gehen. Alle anderen waren im Boot. Petrus aber will dem Herrn \u00e4hnlich werden, in allem, was er in Ihm sieht. Das ist gut. Wenn wir nicht von Jesus Christus lernen, von wem denn sonst? Er ist doch gerade deshalb gekommen, um zu zeigen: \u201eauch Ihr Menschen, k\u00f6nnt mir \u00e4hnlich werden, ich mache es vor, ihr sollt es auch tun. Ihr sollt Glauben und Gutes tun, alles andere tue ich f\u00fcr euch. Ich bin da, habt keine Angst\u201c. Petrus geht aber zum Herrn, obwohl er wei\u00df, dass unter seinen F\u00fcssen keinen Halt gibt. Rund um ist Wasser und Dunkelheit. Rund um plaudert die Gefahr des Todes. Doch er geht, weil er wei\u00df, sein Herr ruft ihn.<\/p>\n<p>Solange Petrus stark ist in seinem Glauben, geht er \u00fcber das Wasser, gerade auf Jesus zu. Solange er seinen Blick auf den Sohn Gottes richtet, scheitert er nicht. Es war doch ein Wunder. Seien wir ehrlich, solche Wunder k\u00f6nnen und passieren auch mit uns, doch wir sehen sie nicht, weil wir allzu oft Blind sind, weil wir Zweifeln. Ist es kein Wunder, wenn wir unsere Augen jeden Morgen aufmachen und das Licht der Welt erblicken? Ist es kein Wunder, wenn als Frucht der Liebe von Mann und Frau ein neues menschliches Leben entsteht? Ist es kein Wunder, wenn wir Beten und dabei die M\u00f6glichkeit haben unseren Sch\u00f6pfer nicht Herr, sondern Vater zu nennen? W\u00fcrden wir tats\u00e4chlich unser Leben uns vor Augen f\u00fchren, w\u00fcrden wir viele solche Wunder entdecken. Daf\u00fcr brauchen wir unseren Blick auf Ihn zu richten, an Ihn zu glauben. Und wenn wir uns dem Herrn hingeben, sollten wir es ganz und voll tun. Denn sonst erwartet uns das Gleiche, was Petrus passiert ist. Sobald er beginnt zu zweifeln und seinen Blick nicht auf Christus richtet, sondern auf das Wasser, sobald er das Vertrauen verliert an Dem, Der ihm sagt: \u201evertraue mir, hab keine Angst\u201c, beginnt er zu sinken.<\/p>\n<p>Leider versinken viele, ohne, zumindest im letzten Moment, zu versuchen, Petrus nachzuahmen. Dem sinkenden Petrus wird bewusst, dass er ein Fehler begangen hat. Er verliert seine Zuversicht nicht und ruft gerade in diesem Moment zum Herrn und bittet um Hilfe: \u201eHerr, rette mich!\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us14%2C30\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mt. 14, 30<\/a>). Und der Herr rettet ihn. Er rettet ihn und sagt ihm auch den Grund, wieso er angefangen hat zu sinken. In der Frage Jesu an Petrus, finden wir die Antwort: \u201eDu Kleingl\u00e4ubiger, warum hast du gezweifelt?\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us14%2C31\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mt. 14, 31<\/a>). Zweifel war es also, was den Petrus gest\u00f6rt hat, dem Herrn \u00e4hnlich zu werden.<\/p>\n<p>Wir sollten also von dieser Geschichte lernen uns voll und ganz Gott hinzugeben: ohne Kleingl\u00e4ubigkeit, ohne Zweifel, sondern stark im Glauben und voller Zuversicht. Und auch wenn wir versinken, ob physisch oder geistlich, sollten wir in uns Kraft finden uns an Gott zu wenden, der uns niemals verl\u00e4sst, der immer \u00fcber uns wacht und die zu Ihm Rufenden errettet und segnet wie gestern und heute, so auch in der Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Pfr. Dr. Diradur Sardaryan Gesprochen am I. 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