{"id":7010,"date":"2015-09-17T19:00:30","date_gmt":"2015-09-17T17:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/agbw.org\/?p=7010"},"modified":"2021-04-21T20:38:59","modified_gmt":"2021-04-21T18:38:59","slug":"nehmet-einander-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2015\/nehmet-einander-an\/","title":{"rendered":"Nehmet einander an&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00d6kumenischer Gottesdienst zur Er\u00f6ffnung der Interkulturellen Woche in Berlin<\/strong><br \/>\n<strong>Predigt <span class=\"nolink\">am 17.09.2015<\/span> zu <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer15%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00f6mer 15, 7<\/a>, Evangelische St. Simeonkirche<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Darum nehmt einander an,<br \/>\nwie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer15%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00f6mer 15, 7<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>es ist mir eine Ehre, hier im Rahmen des \u00f6kumenischen Gottesdienstes zur Er\u00f6ffnung der Interkulturellen Woche mit Ihnen Gedanken zum Verm\u00e4chtnis zu teilen, welches uns der Heilige Apostel Paulus durch den R\u00f6merbrief geerbt hat.<\/p>\n<p>Der Heilige Apostel befand sich auf dem R\u00fcckweg von seiner dritten Missionsreise, die ca. 4 Jahre gedauert hat. Von Antiochia gestartet, f\u00fchrte ihn der Weg \u00fcber Syrien nach Galatien, dann weiter bis Mazedonien und Korinth. Die R\u00fcckreise verlief fast parallel, nur der letzte Teil nicht mehr \u00fcber den Landweg, sondern quer \u00fcber das Mittelmeer. Von Patara reiste er mit dem Schief nach Tyrus.<\/p>\n<p>Patara liegt in der heutigen T\u00fcrkei und war einer der wichtigsten Handelsposten der damaligen hellenistischen Welt. Der Bischof Nikolaus von Myra wurde dort geboren. Tyrus, das ist im heutigen Libanon, als Ziel der Reise, galt damals als bedeutendster Handelsplatz im \u00e4u\u00dfersten Osten des Mittelmeers.<\/p>\n<p>Paulus nutzt die Zeit, die Jahre seiner letzten Missionsreise nochmal vorbeiziehen zu lassen. In den vergangenen Jahren lernte er Menschen kenn: Juden und Heiden, Bekehrte und Zweifelnde, R\u00f6mer und Griechen. Es gab zwischen Ihnen sowohl freundliche und aufgeschlossene Menschen genauso, wie Menschen, die ihn distanziert begegneten. Ihm sind all diese Begegnungen wichtig und er will das Erlebte verarbeiten, um dann in seinen Briefen das Erlebte mit bekannten und unbekannten Gemeinden zu teilen, und sie u.a. durch selbsterlebte Beispiele in ihrem Glauben zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Er sch\u00f6pft von seinem Alltag. Vor allem von den Begegnungen mit Menschen, die ihm sehr wichtig waren. Und so erinnert er sich u.a. an die Begegnung mit der Familie mit den sieben Kindern. Diese zogen Heimatlos Richtung Mazedonien. Wegen einer Zollstation der R\u00f6mer, die am Orte ihres Hauses gebaut wurde, wurden sie vertrieben und suchten nach einem Zufluchtsort, ohne dass die irgendwo heimisch geworden w\u00e4ren. Egal wo sie hinkamen, sie waren Fremde, Schmarotzer, Unerw\u00fcnschte. Selbst eine junge christliche Gemeinde hat die abgesto\u00dfen. Paulus wurde Zeuge, wie Christen diese Familie abwiesen.<\/p>\n<p>\u201eWarum seid ihr hier, geht zur\u00fcck in ihre Heimat!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer k\u00fcmmert denn sich um uns, damit wir uns um euch k\u00fcmmern!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr seid doch nur Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c<\/p>\n<p>Paulus will das Erlebte, das, was in seinen Gedanken herumspielt, zumindest das Grunds\u00e4tzliche davon, festhalten. Seine Gedanken kreisen weiter und stocken bei der Gemeinde in Rom. Er hatte schon so viel von ihnen geh\u00f6rt. Und obwohl er drei gro\u00dfe Reisen unternommen hat, ist er noch nicht bis Rom gekommen. Nach seiner Ankunft in Jerusalem schreibt er der Gemeinde in Rom einen Brief, in dem er das erlebte hineinintegriert. Der R\u00f6merbrief entsteht. Ein Brief an eine ihm zu diesem Zeitpunkt unbekannte Gemeinde. Ein Brief, in dem Paulus die wichtigsten Fragen des Evangeliums zusammenfasst. Und zwar so, dass sie seinen allt\u00e4glichen Erlebnissen der letzten Jahre gen\u00fcgen. Die zentrale Botschaft dieses Briefes, die ich als den wichtigsten seiner Briefe bezeichne, ist, dass Gott durch Jesus Christus den Menschen rettet (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer1%2C16\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00f6m. 1, 16<\/a>). Diese Erl\u00f6sung ist f\u00fcr wirklich jeden bestimmt. Juden wie Griechen, R\u00f6mer wie Heiden, wichtig ist nur, dass wir an unseren Retter und Erl\u00f6ser glauben. Im Kapitel 15 des R\u00f6merbriefes finden wir dann den Vers, denn ich f\u00fcr die Predigt heute \u00fcbernommen habe. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eDarum nehmt einander an,<br \/>\nwie auch Christus uns angenommen hat,<br \/>\nzur Ehre Gottes.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer15%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00f6m. 15, 7<\/a>)<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich geht es hier in erster Linie darum, dass die im Glauben starken die schwachen annehmen sollten und denen gegen\u00fcber geduldig sein sollten. Nicht \u00fcberheblich, nicht arrogant, nicht ignorant, sondern verst\u00e4ndnis- und liebevoll.<\/p>\n<p>Heute verwenden wir seine Worte aber, um auf ein aktuelles Problem hinzuweisen, welches allzu eng mit unserem Glauben verbunden ist. Denn der Glaube ist nur dann sinnvoll, wenn er ein gelebter Glaube ist, ein lebendiger Glaube.<\/p>\n<p>\u201eDarum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes\u201c. Wie viel ist in diesem Satz abzulesen, was der Heilige Paulus selbst erleben d\u00fcrfte und wogegen er sich einsetzen wollte: Ablehnung, Vorbehalte und Vorurteile. Er will aber, dass wir einander annehmen.<\/p>\n<p>Den anderen anzunehmen. Dies kann manchmal durchaus schwierig sein. Denn der Andere kommt aus einer anderen Kultur, spricht eine andere Sprache, hat andere Kleidungen an und andere Umgangsformen. Vieles ist f\u00fcr uns fremd bei dem Anderen. Und wir sollten ihn annehmen.<\/p>\n<p>Wie soll denn das geschehen? Vielleicht so, wie es einige tun, in dem sie montags in den Pl\u00e4tzen der Gro\u00dfst\u00e4dte in Deutschland rufen: \u201eWir sind das Volk\u201c\u2026 Die meinen aber, dass die Anderen, die nicht in deren Vorstellungen passen, einfach gehen sollten\u2026 Oder vielleicht so, wie gerade die ungarische Regierung die Fl\u00fcchtlinge annimmt? In dem er zwischen Christen und Muslime trennt und den einen helfen will, den anderen aber nicht? Oder vielleicht so, wie die Terroristen der ISIS den anderen annehmen, n\u00e4mlich nur dann, wenn er sich unterordnet und sich der Vorstellung dieser Unmenschen anpasst? So annehmen?<\/p>\n<p>Ich will dazu einen der gr\u00f6\u00dften Deutsche zitieren, den Dietrich Bonhoeffer, der in seinem Buch \u201eGemeinsames Leben\u201c sagt: \u201eWer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selber, der wird zum Zerst\u00f6rer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es pers\u00f6nlich noch so ehrlich, noch so ernsthaft und hingebend meinte\u201c.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus sagt, dass wir den anderen so annehmen sollen, wie Christus uns angenommen hat. Und ich frage: wie hat denn Jesus uns angenommen? Hat er uns zun\u00e4chst gefragt, was wir so vollbracht haben im Leben, bevor er uns gerettet hat? Hat er nach unserer Haut- oder Augenfarbe gefragt? Hat er uns nach Nationalit\u00e4t, Herkunft oder Glaubensweg gefragt? Hat er vielleicht uns gefragt ob wir krank oder gesund, reich oder arm sind? Nein. Er hat uns vorbehaltlos angenommen! Und zwar jeden einzelnen von uns. Er, der Sohn Gottes, wurde zum Menschen, damit wir verg\u00f6ttlicht werden k\u00f6nnen. Er, der Sch\u00f6pfer ist gekommen und hat Fleisch angenommen und lebte mit uns wie ein Mensch. Er arbeitete, er war m\u00fcde, er schlief, er predigte das Evangelium. Das Einzige, was er nicht gemacht hat: er hat nicht ges\u00fcndigt. Und doch er wurde f\u00fcr unsere S\u00fcnden gekreuzigt und er starb. Er starb f\u00fcr unsere S\u00fcnden. F\u00fcr die S\u00fcnden unserer Vorfahren, f\u00fcr unsere S\u00fcnden und f\u00fcr die S\u00fcnden unserer Nachkommen. Doch er hat durch seinen Tod den Tod besiegt. Er ist auferstanden von den Toten und hat uns das Leben geschenkt. Das Leben in der Ewigkeit. So hat er uns angenommen.<\/p>\n<p>Und wir, die wir ihm \u00e4hnlich werden m\u00f6chten, sollten so handeln wie er. Wir sollten von ihm lernen und den Anderen so annehmen, wie Jesus Christus uns angenommen hat. Und wenn Sie fragen: wie hat er es geschafft? So antworte ich: durch die Liebe. Versuchen wir also, bevor wir den anderen Absto\u00dfen und Verurteilen, uns bewusst zu machen, dass hinter jeglicher Begreiflichkeit: Fremde, Fl\u00fcchtlinge und Asylanten, der Mensch gemeint ist. Das Bild und Gleichnis Gottes. Die Kr\u00f6ne der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfung. Und dann versuchen wir in diesem Menschen den Sch\u00f6pfer zu begegnen. Ich bin mir sicher, dass es uns dann gelingen wird, den anderen so anzunehmen, wie Jesus Christus uns angenommen hat: vorbehaltlos. Warum sollten wir es den tun? \u201eZur Ehre Gottes\u201c sagt uns der Apostel. Suchen Sie keine weiteren antworten auf diese Frage! Tun Sie es zur Ehre Gottes! Und sein Segen und seine besch\u00fctzende Rechte soll \u00fcber euch und eure Familien sein, wie gestern und heute, so auch in der Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.<\/p>\n<p>Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6kumenischer Gottesdienst zur Er\u00f6ffnung der Interkulturellen Woche in Berlin Predigt  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7011,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7010","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7010"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7010\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7011"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}