{"id":7018,"date":"2019-10-27T19:00:19","date_gmt":"2019-10-27T18:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/agbw.org\/?p=7018"},"modified":"2021-04-21T20:49:13","modified_gmt":"2021-04-21T18:49:13","slug":"predigt-am-fest-der-kreuzauffindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agbw.org\/am\/2019\/predigt-am-fest-der-kreuzauffindung\/","title":{"rendered":"Predigt am Fest der Kreuzauffindung"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dies ist die Waffe des Sieges der Gl\u00e4ubigen,<br \/>\nDer Gegner und der Siegel des Sieges gegen des Feindes:<br \/>\nKommet ihr V\u00f6lker betet an.<\/p>\n<p><em>Wundert\u00e4ter und Kraftvoller Holz<br \/>\nSahak III von Dzoraphor, VII \u2013 VIII Jh.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>mit diesen Worten des Scharakans zum heutigen Tag, welches von Sahak III von Dzoraphor stamm, m\u00f6chte ich uns alle einladen das Fest der Kreuzesauffindung f\u00fcr unser Leben, sowohl privat als auch in der Gemeinschaft, neu zu besinnen.<\/p>\n<p>Nach der Kreuzigung Christ, glaubte wohl kaum jemand, was in der Folge passieren w\u00fcrde. Christentum verbreitete sich durch die Welt und ihr wichtigstes Erkennungszeichen wurde eben jenes grausame r\u00f6mische Folterinstrument, an dem Jesus starb. Die Bedeutung des Kreuzes wurde den gl\u00e4ubigen eifrigen Christen immer bewusster. Einen ersten Bericht \u00fcber die Auffindung des Hl. Kreuzes finden wir aber erst beim Hl. Ambrosios um 395. Die Hl. Kaiserin Helena, die Mutter von Hl. Kaiser Konstantin dem Gro\u00dfen, macht sich im hohen Alter, entsprechen der Wille Gottes, auf dem Weg nach Jerusalem, um dort das verlorengegangene Kreuz des Herrn, die Waffe des Sieges der Gl\u00e4ubigen, zu finden. Dort grub sie auf Golgatha-H\u00fcgel drei Kreuze aus. Um zu erfahren, welches nun das Kreuz Christi sei, lie\u00df sie alle drei Kreuze nacheinander auf den K\u00f6rper eines Toten legen. Unter dem Wahren Kreuz Christi erwachte der Tote dann wieder zu neuen Leben.<\/p>\n<p>Ja, das r\u00f6mische Folterinstrument wurde durch die Auferstehung Christi, durch seinen Sieg \u00fcber den Tod, zur Waffe des Sieges zum Symbol des Lebens. Daher kommt auch die armenische Tradition das Kreuz ohne den gekreuzigten Jesus Christus darzustellen, sondern das Kreuz des Auferstandenen. Der Herr ist nicht Tod, er ist auferstanden und sogar das verstorbene Holz, aus dem das Kreuz gemacht worden war, beginnt zu bl\u00fchne, wacht selber auf zum neuen Leben und weckt jeden zum Leben auf, der an den glaubt, der an diesem Kreuz starb um aufzuerstehen.<\/p>\n<p>Das Fest der Auffindung des Hl. Kreuzes ist heute nicht nur ein Tag der Erinnerung und des Gedenkens, sondern vor allem auch eine Einladung f\u00fcr uns die Kraft des Hl. Kreuzes aufzufinden um unseren Glauben an den Auferstandenen zu erneuern.<\/p>\n<p>Wer war aber dieser Christus, der den Tod besiegte? Der Hl. Kyrill von Alexandrien (Deutung des Jh 6, 51) lehrt: Jesus Christus verk\u00f6rpert den lebenspendenden Logos Gottes &#8211; die zweite Person der Hl. Dreifaltigkeit -, indem er, als er Mensch geworden war, seinen menschlichen Leib zugleich durch seine g\u00f6ttliche Eigenschaft verwandelte. Diese unsagbare und wunderbare Vereinigung zwischen der g\u00f6ttlichen und der menschlichen Natur Jesu Christi in einer Person machte ihn tats\u00e4chlich zu dem einen lebenspendenden Leib.<\/p>\n<p>Dieser lebenspendende auferstandene Leib Jesu Christi weckt jeden auf, der sich mit ihm vereinigt. Und somit erf\u00fcllt er die Voraussage der Propheten: \u201eDeine Toten werden leben, die Leichen stehen wieder auf; wer in der Erde liegt, wird erwachen und jubeln. Denn der Tau, den du sendest, ist ein Tau des Lichts, die Erde gibt die Toten heraus.\u201c (Js 26, 19). Deswegen kann auch der Heilige Johannes Chrisostomos sagen: \u201eIm Alten Testament gab es das Versprechen der Dauerhaftigkeit und der Langj\u00e4hrigkeit, jetzt aber nicht einfach Dauerhaftigkeit, sondern Leben, das kein Ende hat.\u201c<\/p>\n<p>Christus erm\u00f6glicht uns durch den Glauben an ihn und sein Evangelium, aber auch durch die Gemeinschaft mit Ihn, in dem wir an Seinem Leib und Blut teilnehmen, das ewige Leben zu erlangen. Vereint mit ihm bilden wir die Kirche, die Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, deren Oberhaupt Jesus Christus ist. Unser Herr Jesus Christus sagt: \u201eWer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.\u201c (Jh 6, 56). Das hei\u00dft, dass jeder, der den Leib und das Blut Christi durch die Kommunion empf\u00e4ngt, sich mit dem mystischen Leib Christi, also mit der Kirche vereinigt. Denn die Kirche wird vom Heiligen Paulus \u201eLeib Christi\u201c genannt (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Kolosser1%2C24\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kol 1, 24<\/a>), wo Christus das Haupt ist und die Gl\u00e4ubigen die Glieder dieses Leibes sind (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser4%2C15-16\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eph 4, 15 &#8211; 16<\/a>). Damit wird die eucharistische Natur der Kirche deutlich. Es wird deutlich, warum wir die Eucharistie als Mitte und Quelle der kirchlichen und christlichen Leben bezeichnen. Denn es gibt keine Eucharistie au\u00dferhalb der Kirche, und es gibt keine Kirche ohne Eucharistie.<\/p>\n<p>Wer am eucharistischen Leben der Kirche nicht teilnimmt, kann sich nicht als Mitglied der Kirche bezeichnen. Auch jemand, der getauft ist, sich aber am eucharistischen Leben der Kirche nicht beteiligt, wird nicht mehr Mitglied der Kirche genannt. Der Heilige Johannes Chrisostomos sagt: \u201eUm nicht nur durch Liebe, sondern auch mit den Taten Mitglied des Leibes Christi zu sein, sollen wir uns mit diesem Leib vereinigen. Dies kann durch die Speise geschehen, die uns Christus gegeben hat, damit er seine gro\u00dfe Liebe zu uns \u00e4u\u00dfert. Deswegen hat er sich selbst mit uns gemischt und hat seinen Leib in uns verschmolzen, damit wir eins werden, wie ein Leib, vereinigt mit dem Haupt. Und dies ist ein Zeichen der st\u00e4rksten Liebe \u2026 Um uns in eine gro\u00dfe Gemeinschaft mit sich zu f\u00fchren und seine gro\u00dfe Liebe zu zeigen, hat er denen, die das w\u00fcnschen, nicht nur die F\u00e4higkeit gegeben, ihn zu sehen. Er hat ihnen dar\u00fcber hinaus die M\u00f6glichkeit gegeben, sich mit ihm zu verbinden, ihn zu f\u00fchlen, zu speisen, mit den Z\u00e4hnen seinen Leib zu ber\u00fchren, sich mit Ihm zu vereinigen und durch Ihn alle W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen\u201c.<\/p>\n<p>Surb Patarag ist der Gottesdienst, in dem das Heilige Mysterium Eucharistie stattfindet. Die Kirche glaubt, dass w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie Gott Vater durch den Heiligen Geist das Brot und den Wein wahrhaftig in Leib und Blut Christi verwandelt. Zwar sehen wir nach diesem Gebet nur das Brot und den Wein, doch unsichtbar sind es tats\u00e4chlich der Leib und das Blut Jesu Christi, nur eben in der Gestalt von Brot und Wein.<\/p>\n<p>Der Glaube daran, dass w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie der Leib und das Blut Jesu Christi als unblutiges Opfer wahrhaft dargebracht werden, findet seine Best\u00e4tigung nicht nur in der Heiligen Schrift. Auch die Kirchenv\u00e4ter best\u00e4tigen diese Lehre sowohl im ersten als auch im dritten \u00d6kumenischen Konzil und in ihren \u00dcberlieferungen. Deswegen soll ein gl\u00e4ubiger Christ keinen Zweifel daran haben, dass w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie Jesus Christus selbst wahrhaftig und nicht nur symbolisch anwesend ist. Jesus Christus bringt sich dar, damit jeder, der im Glauben an ihn an der Eucharistie teilnimmt, sich mit ihm und seiner Kirche vereinigen kann.<\/p>\n<p>Die Kirche lehrte und lehrt, dass die Heilige Liturgie einerseits ein Dankesopfer, andererseits aber auch ein Ged\u00e4chtnis ist, also eine Aktualisierung des einzigen Opfers, das unser Herr Jesus Christus durch seinen Kreuzestod auf dem Golgatha f\u00fcr die Vergebung der S\u00fcnden der Welt erbracht hat. Sie ist kein neues Opfer, sie ist auch kein nur mentales Gedenken des Opfers auf dem Golgatha, sondern sie ist das Opfer selbst, welches unser Herr ein f\u00fcr alle Male dargebracht hat. Dasselbe Opfer bringt Jesus Christus auf unserem Altar w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie dar. Der einzige Unterschied zwischen dem Opfer am Kreuz und dem Opfer, das auf dem Altar der Kirche w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie dargebracht wird: auf dem Golgatha hat Jesus Christus seinen Leib und sein Blut sichtbar als Opfer dargebracht, w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie tut er es in der Gestalt von Brot und Wein.<\/p>\n<p>Heute, am Fest der Auffindung des Heiligen Kreuzes, l\u00e4dt uns die Kirche ein durch die Kommunion am Sieg \u00fcber den Tod teilhaftig zu werden. Denn dort, auf dem Kreuz hat Jesus Christus gelitten und ist gestorben, und hat die S\u00fcnde der Welt auf sich genommen um den Tod zu besiegen. Es ist kein blutiges Opfer mehr notwendig. Denn wir wissen, dass er, \u201evon den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr \u00fcber ihn.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/R%C3%B6mer6%2C9\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00f6m 6, 9<\/a>.) und mit ihm alle, die an Ihm glauben und sich mit ihm und seiner Kirche vereinen.<\/p>\n<p>Das Heilige Mysterium geschieht also ohne Leiden, ohne Blut, ohne Tod, und deswegen hei\u00dft es unblutiges Opfer, auch wenn es ein Ged\u00e4chtnis an den Leidenstod auf dem Golgatha ist. Das Opfer am Kreuz war ein Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden der ganzen Welt, der gesamten Menschheit, vom ersten bis zum letzten Menschen. Durch dieses Opfer wurde die Wahrheit Gottes f\u00fcr die S\u00fcnden der Welt befriedigt. Das unblutige Opfer der Eucharistie dagegen ber\u00fchrt Gott nur f\u00fcr die S\u00fcnden derjenigen Menschen, f\u00fcr die es dargebracht wird. Es schenkt die Fr\u00fcchte des Kreuzopfers denjenigen, die bereit sind, es zu empfangen und anzunehmen.<\/p>\n<p>Erst wenn wir begreifen, welcher unendlichen restlosen Liebe dadurch uns unser Herr teilhaftig macht, k\u00f6nnen wir Gott Dankbar sein. Das Beispiel daf\u00fcr gibt uns Jesus Christus selbst, indem er, bevor er das Brot bricht und seinen J\u00fcngern den Wein kredenzt, ein Dankgebet ausspricht (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Lukas22%2C19-20\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lk 22, 19 \u2013 20<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther11%2C23-24\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1. Kor 11, 23 &#8211; 24<\/a>). Diesem Beispiel folgt auch der Liturg w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie und spricht ein Dankgebet, in dem er sich f\u00fcr die Werke Gottes bedankt \u2013 n\u00e4mlich f\u00fcr die Sch\u00f6pfung des Menschen, f\u00fcr die G\u00f6ttliche F\u00fcrsorge um die Sch\u00f6pfung, f\u00fcr das Rettungswerk Jesu Christi. So lobpreist er den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Neben diesem Dankgebet sprechen die Geistlichen auch ein Gebet, in dem sie das Erbarmen Gottes sowohl f\u00fcr die Gestorbenen wie auch f\u00fcr die Lebenden erbitten.<\/p>\n<p>Lassen wir also zu, dass der Siegel des Sieges und des Friedens durch das Kreuzzeichen und den Empfang der Hl. Kommunion auf uns wirkt. Denn in der Gestalt von Brot und Wein gab uns Jesus Christus seinen Leib und sein Blut und befahl, dieses Mysterium zu seinem Ged\u00e4chtnis zu feiern. Das tut die von Jesus Christus geleitete Kirche von der apostolischen Zeit und bis in Ewigkeit w\u00e4hrend der Heiligen Liturgie.<\/p>\n<p>Verfehlen Sie also nicht den Weg zur Kirche, zum gemeinsamen Gebet in der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen, denn nur hier finden sie das lebendigmachende Zeichen des Heiligen Kreuzes, hier finden Sie den, durch dem dieses Zeichen geheiligt wurde, und nur hier finden sie die M\u00f6glichkeit sich mit ihm, dem Herrn Jesus Christus, und mit seiner Kirche zu vereinen und zu Erben des ewigen Lebens zu werden.<\/p>\n<p>Kommet also, ihr Gl\u00e4ubige, preiset den Herrn, preiset die Waffe des Sieges gegen den Feind und betet den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist in Ewigkeit an. Amen.<\/p>\n<p>Pfr. Dr. Diradur Sardaryan<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die Waffe des Sieges der Gl\u00e4ubigen, Der Gegner  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7019,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7018","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7018"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7018\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agbw.org\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}