Die einzelnen Tage der Großen Woche

 

Der Palmsonntag
Die Große Woche beginnt mit dem Palmsonntag (arm. Dzaghkazart), dem Tag des Einzug Jesu in Jerusalem. Über dieses Ereignis berichten alle vier Evangelien. (Siehe Matt. 21, 8-9; Mark. 11, 9-10; Luk. 19, 37-38; Joh. 12, 13)

Der Palmsonntag beginnt in der Armenischen Kirche am Vorabend mit einer Festandacht. Während der Frühmesse werden mit einer speziellen Prozession (arm. Andastan) Oliven-, Palm- bzw. Weidenzweige gesegnet und an die Gemeinde verteilt. Die Anwesenden bringen die Zweige nach Hause und bewahren sie zu Hause auf, bis zum nächsten Palmsonntag.

Es ist in Armenien in den letzten Jahren zu einem schönen Brauch geworden, mit wilden Feldblumen Kränze zu winden, welche die Kinder bzw. Jugendlichen auf ihren Häuptern tragen.

Der Palmsonntag wurde auf Anordnung Seiner Heiligkeit Garegin II., Katholikos Aller Armenier, zum Tag der Segnung der Kinder erklärt.

Der Große Montag
Dieser Tag ist der Schöpfung des Himmels und der Erde gewidmet. Am diesen Tag bringen wir das Ereignis in Erinnerung, in dem der Feigenbaum durch den Fluch Jesu ausgetrocknet wurde (Matt. 21, 18-22; Mark. 11, 12-14; 20-25) sowie die Jerusalemer Tempelreinigung durch Jesu (Matt. 21, 12-17; Mark. 11, 15-19; Luk. 19, 45-48; Joh. 2, 13-22).

Der mit reichen und schönen Blättern geschmückte, aber keine Früchte tragende Feigenbaum symbolisiert die Menschen (im Evangelium die Pharisäer), die alles tun, um zu zeigen, dass sie die Frömmigkeit haben, aber in Wirklichkeit keinen richtigen Glauben haben, der auch Früchte bringt. Wie der Hl. Apostel Jakobus sagt: „der Glaube ohne Werke ist nutzlos.“ (Jak. 2,20)

Und die Tempelreinigung geschah um Reinheitswillen des Glaubens. Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus. Er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sagte: „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.“ (Jes. 56, 7; Jer. 7,11)

Der Große Dienstag:
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Dieser Tag hat eine innere Gemeinsamkeit mit dem vorigen Tag. Der Tag erinnert uns, mit den Früchten der glaubensvollen und tugendhaften Werken uns und unsere Seelen auf die zweite Ankunft Christi vorzubereiten, sonst werden wir auch ausgetrocknet und keinen Anteil vom Himmelreich haben, wie der unfruchtbare Feigenbaum und die fünf törichten Jungfrauen (Vlg. Matt. 25, 1-12).

In den armenischen Kirchen, wo es möglich ist, kommen am diesen Tag, während der Abendandacht, insgesamt zehn Messdienergewand tragende Kinder zum Altarraum. Fünf von denen haben angezündete Kerzen und andere fünf Kinder nicht angezündete Kerzen. Die angezündeten Kerzen symbolisieren das Licht des Glaubens. Der Aufforderung der heutigen Lesung ist: „Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. …Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Matt. 24, 44 und 25, 13)

Der Große Mittwoch:
Die Salbung in Betanien und der Verrat durch Judas

Heute gedenken wir der sündigen Frau, die mit kostbarem, wohlriechendem Öl Jesu Kopf gesalbt hat. Die Apostel beschuldigten sie: „Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl teuer verkaufen und das Geld den Armen geben können“. Jesus erwiderte: „Als sie das Öl über mich goss, hat sie meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat“. (Matt. 26, 6-13; Mark. 3-9; Joh. 12, 1-11) Dieser Salbung folgte die Entscheidung Judas, Jesus zu verraten.

Der große Donnerstag: Das letzte Mahl – die Gründung
des Hl. Abendmahls. Fußwaschung

In den frühen Stunden dieses Tages wird die Hl. Messe zur Erinnerung der Gründung des Sakraments der Hl. Kommunion während des letzten Mahles gefeiert. Beim diesen Mahl im Obergemach nahm Jesus das ungesäuerte Brot, segnete und brach es und gab seinen zwölf Jüngern und sagte: „Nehmt und esst; das ist mein Leib.“ Dann nahm er den reinen (Rot)Wein, sprach ein Danksgebet, gab ihnen und sagte: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matt. 26, 17-30; Mark. 14, 12-26; Luk. 22, 7-14; Joh. 13, 21-30).

Fußwaschung:
Am Abend des Großen Donnerstags findet die Zeremonie der Fußwaschung statt. Nach dem letzten Mahl goss Jesus Wasser in eine Schüssel, kniete nieder vor seinen Jüngern und begann, wie ein Diener, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen. (Vgl. Joh. 13, 5). Die Fußwaschung ist nicht nur ein Beispiel der Bescheidenheit und der Demut, sondern auch ein Zeichen einer praktischen, unendlichen und grenzlosen Liebe Jesu Christi. Eine Liebe, die auch und in erster Line für den Sünder gilt. Jesus wusste, dass Judas am nächsten Tag ihn verraten wird, trotzdem wusch er auch seine Füße.

Am Spätabend des Großen Donnerstags findet eine Passionsandacht, die auf Armenisch „Chawarum“ (Verdunkelung) heißt. Mit dieser Andacht beginnt der Große Freitag (Karfreitag), denn kirchlich gesehen, beginnt der nächste Tag mit dem Sonnenuntergang.

Der Große Freitag:
Die Kreuzigung und Beerdigung des Herrn

Der Schwerpunkt des Großen Freitags ist die Geschichte der Kreuzigung des Herrn.

Chawarum (Verdunkelung):
Vor der Kreuzigung hat man einen Dornenkranz auf das Haupt Christi gesetzt, ihn verspottet und verhöhnt und schließlich gekreuzigt. Als Jesus Durst hatte, gaben sie ihm statt Wasser Essig und stießen ihm nach dem Tod mit einem Speer. Jesus hat alle diese Leiden und Folterungen geduldet und keinen Widerstand geleistet und endlich am Kreuz sein Leben gegeben, um uns, die ganze Menschheit, von der Knechtschaft der Sünde zu befreien und mit dem Gott zu versöhnen.

Die Zeremonie beginnt so: Am Altar brennen zwölf gleichgroße Kerzen, als Symbole der zwölf Apostel, und noch eine große Kerze in der Mitte, als Symbol für Christus. Eine Kerze von den gleichgroßen Kerzen ist schwarz gefärbt und symbolisiert Judas Iskariot. Wahrend der Chawarum-Andacht werden sieben Abschnitte aus den Evangelien verlesen, die das Beten Jesu im Garten Getsemani, den Verrat durch Judas, die Übergabe Jesu in die Hand der Menge, die Verspottung, das verhör vor dem Hohen Rat, die Verleugnung durch Petrus, die Auslieferung an Pilatus, das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus beinhalten.

Nach jeder Lesung werden zwei Kerzen ausgemacht. Das symbolisiert die Flucht seiner Jünger, die ihn allein lassen und fliehen. Zum Schluss bleibt nur die große Kerze, die Jesus symbolisiert, der allein gelassen wurde. In diesem Augenblick werden alle Lichter der Kirche ausgemacht. Es brennt nur die Jesus-Kerze. Der Folksmund nennt diesen bewegten und symbolvollen Gottesdienst auch „Latzi Gischer“ (arm. Լացի գիշեր), das heißt „Die Nacht des Weinens“.

Am Freitagnachmittag findet noch ein Gottesdienst statt, der auf Armenisch „Taghum Hisusi“ genannt wird, das heißt „Grablegung Jesu“. Bei diesem Gottesdienst wird ein mit unterschiedlichen Blumen sowie Kerzen geschmücktes Grab vorbereitet, welches mit einer Prozession mit Bibellesungen und Gesang durch oder um die Kirche (Wenn das Wetter erlaubt) getragen wird. Die Gläubigen sind eingeladen, unter dieses symbolisches Grab Jesu durchzugehen. Dies symbolisiert das eigene Begräbnis, aber auch die Auferstehung mit Jesus Christus.

Der große Samstag:
Die Zerstörung der Hölle. Die Hl. Osternachtsmesse

Nach dem Sonnenuntergang am Freitag beginnt der Große Samstag. Am diesem Tag wird zu erst wieder die Grablegung Jesu Christi (Matt. 27, 57-61; Mark. 15, 42-47; Luk. 23, 50-56; Joh. 19, 38-42) und die Versiegelung des Grabes gedenkt. (Matt. 27, 62-66).

Die Armenische Kirche lehrt uns, dass Jesus Christus durch die Hineinlegung ins Grab in die Hölle (die Unterwelt), ins Königreich des Todes herabstieg und sie zerstörte. Dadurch schenkt er Rettung den Seelen aller Gerechten. Es ist eine wichtige Lehre der Armenischen Kirche, denn damit wird die Frage „Was geschah mit den Seelen der Gerechten, die vor Jesus auf die Welt kamen?“, beantwortet.

Am Samstagabend wird in den armenischen Kirchen die Osternachtsmesse zelebriert. Der Abend wird in unserer Kirche „Dschrakaluytz“ genannt. Das Wort ist eine Zusammensetzung zweier armenischen Wörter und bedeutet auf Deutsch „Öllampen anzünden“. Diese Lichterzeremonie findet in unserer Kirche zwei Mal im Jahr – zu Weihnachten und zu Ostern – statt. Die Anzündung der Öllampen und Kerzen an diesen Abenden symbolisiert die Erleuchtung der Menschen durch Jesus Christus: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. …Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (Joh. 1, 5 und 9)

Mit der frohen Botschaft „Christus ist auferstanden von den Toten“ während der Hl. Messe am Samstagabend endet die Große Fastenzeit und die Gemeinde antwortet mit großer Freude: „Gesegnet sei die Auferstehung Christi.“
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Quelle: dakd.de