Der Große Freitag

Die Kreuzigung und Beerdigung des Herrn
Der Schwerpunkt des Großen Freitags ist die Geschichte der Kreuzigung des Herrn.

Khawarum (Verfinsterung):

Vor der Kreuzigung hat man einen Dornenkranz auf das Haupt Christi gesetzt, ihn verspottet und verhöhnt und schließlich gekreuzigt. Als Jesus Durst hatte, gaben sie ihm statt Wasser Essig und stießen ihm nach dem Tod mit einem Speer. (Den Kopf dieses Speers, auch Hl. Lanze genannt, hat der Hl. Apostel Taddäus nach Armenien gebracht. Die Hl. Lanze ist eine der wichtigsten Reliquien der Armenischen Kirche. Sie wurde mehr als ein Jahrtausend im Kloster Geghard aufbewahrt. Aus diesem Grund bekam das Kloster den Namen „Geghard“, was auf Armenisch „Hl. Lanze“ bedeutet. Heute befindet sich die Hl. Lanze im Museum der Kathedrale St. Etschmiadzin.)

Jesus hat alle diese Leiden und Folterungen geduldet und keinen Wider-stand geleistet und endlich am Kreuz sein Leben gegeben, um uns, die ganze Menschheit, von der Knechtschaft der Sünde zu befreien und mit dem Gott zu versöhnen.

Die Zeremonie beginnt so: Am Altar brennen zwölf gleichgroße Kerzen, als Symbole der zwölf Apostel, und noch eine große Kerze in der Mitte, als Symbol für Christus. Eine Kerze von den gleichgroßen Kerzen ist schwarz gefärbt und symbolisiert Judas Iskariot. Wahrend der Chawarum-Andacht werden sieben Abschnitte aus den Evangelien verlesen, die das Beten Jesu im Garten Getsemani, den Verrat durch Judas, die Übergabe Jesu in die Hand der Menge, die Verspottung, das verhör vor dem Hohen Rat, die Verleugnung durch Petrus, die Auslieferung an Pilatus, das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus beinhalten.

Die neutestamentlichen Lesungen werden durch Psalmodieren und den Gesang der Kirchenhymnen, die Hl. Katholikos Nerses Schnorhali geschrieben hat, unterbrochen. Nach jeder Lesung werden zwei Kerzen ausgemacht. Das symbolisiert die Flucht seiner Jünger, die ihn allein lassen und fliehen. Zum Schluss bleibt nur die große Kerze, die Jesus symbolisiert, der allein gelassen wurde. In diesem Augenblick werden alle Lichter der Kirche ausgemacht. Es brennt nur die Jesus-Kerze. Die Messdiener beginnen zu singen: „Verherrlicht sei Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede, bei den Menschen seine Gnade“ (Luk. 2, 14). Mit der letzten Abschnitt dieses Liedes, der auf Armenisch mit „Dzakya“ (erleuchte) beginnt, gingen die Lichter wieder an.

Der Folksmund nennt diesen bewegten und symbolvollen Gottesdienst auch „Latzi Gischer“, das heißt „Die Nacht des Weinens“.

Die Grablegung Christi

Am Freitagnachmittag findet noch ein Gottesdienst statt, der auf Armenisch „Taghum Hisusi“ genannt wird, das heißt „Grablegung Jesu“. Bei diesem Gottesdienst wird ein mit unterschiedlichen Blumen sowie Kerzen geschmücktes Grab vorbereitet, welches mit einer Prozession mit Bibellesungen und Gesang durch oder um die Kirche (Wenn das Wetter erlaubt) getragen wird. Die Gläubigen sind eingeladen, unter dieses symbolisches Grab Jesu durchzugehen. Dies symbolisiert das eigene Begräbnis, aber auch die Auferstehung mit Jesus Christus.

Serovpe Vardapet Isakhanyan

2018-03-30T20:44:25+00:0030 März 2018|