Die Feste um die Mutterkirche

Obwohl sich das Christentum in Armenien in den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. allmählich verbreitete, blieb es dennoch eine heimliche und verfolgte Religion. Die Geschichte bezeugt eine Reihe von Märtyrern und Märtyrerinnen für Christus in Armenien, wovon die Letzteren die Jungfrauen Hl. Hripsimé und die Hl. Gayané (Հայերէն՝ Սուրբ Հռիփսիմէ եւ Սուրբ Գայանէ) und deren Mitstreiterinnen waren sowie der Hl. Gregor der Erleuchter (Հայերէն՝ Սուրբ Գրիգոր Լուսաւորիչ), der schreckliche Folter und Einkerkerung im Verlies von „Chor Virap“ erleiden musste.

An diese historischen Ereignisse gedenkt die Armenische Kirche in der zweiten Woche nach dem Pfingstfest. (Dieses Jahr zwischen 16. und 22. Juni). In dieser Woche gedenken wir:

Montag, 12. Juni 2017: Gedenktag der Hl. Hripsimé
Dienstag, 13. Juni 2017: Gedenktag der Hl. Gayané
Samstag, 17. Juni 2017: Gedenktag der Befreiung
des Hl. Gregor des Erleuchters aus Chor Virap
Sonntag, 18. Juni 2017: Gedenktag der Gründung
der Mutterkathedrale St. Etschmiadzin

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Die Heiligen Mitstreiterinnen von Hripsimé oder von Gayané, waren etwa 36 bzw. 37 Jungfrauen, die Ende des 3. Jh. das Christentum angenommen hatten und als eine heilige Aufgabe, sich dessen Verbreitung widmeten. Hripsimé, die von großer Schönheit war, hatte sogar den Heiratsantrag des Kaisers Dioclecian abgelehnt und musste infolgedessen mit den anderen zu ihrem Kreis angehörenden Jungfrauen unter größten Verfolgungen, Rom verlassen. Sie fanden letztlich in Armenien in der Gegend der Hauptstadt Wagharschapat Zuflucht, wo sie ihren Dienst, die Verkündigung des Evangeliums, fortführten.

Beeindruckt von ihrer Schönheit hat der armenische König Tiritades (Հայերէն՝ Տրդատ Թագաւոր) ebenfalls um ihre Hand angehalten. Hripsimé aber lehnte entschieden auch die Bitten des armenischen Königs ab. Trotz seiner Ermahnungen und Drohungen war sie bereit, sich selbst für diese Entscheidung zu opfern. Der in Zorn geratene König befahl nun die Hinrichtung von Hripsimé und den anderen Jungfrauen, welche auch in grausamster Weise durchgeführt wurde.

Tief bedrückt von seiner Machtlosigkeit im Bezug auf die Jungfrauen und durch seine Grausamkeit, von moralischen Werten verlassen, verliert der König Tiritades sein seelisches Gleichgewicht und wird Opfer eines seelischen Leidens. Der Geschichtsschreiber berichtet, dass er „die Gestalt eines Schweins annahm“. Schließlich wurde der erkrankte König, von Gregor dem Erleuchter geheilt, der seit 13 Jahren, durch seinen Erlass, in Chor Wirap eingekerkert war. Hiernach lässt sich der König Tiritades vom Gregor dem Erleuchter taufen und übernimmt gemeinsam mit Gregor, die Christianisierung seines Königreiches. Somit wird Armenien der erste Staat, der das Christentum als Staatsreligion deklariert. Als ein Akt der Buße veranlasst der König Tiritades zusammen mit Gregor dem Erleuchter die Erbauung von Kirchen an den Orten des Martyriums der Jungfrauen. So werden die Klöster Hl. Hripsimé, Hl. Gayané und Hl. Schoghakat sowie die Mutterkirche Hl. Etschmiadzin in der damaligen Hauptstadt Wagharschapat gegründet. Im 7. Jahrhundert wurden an der Stelle dieser Kirchen neue wunderbare Kirchen errichtet. Diese Kirchen stehen auch heute als Symbole des unerschütterlichen Glaubens der Jungfrauen und Schätze der armenischen Kirchenarchitektur.

Hl. Gregor der Erleuchter und
die Gründung von St. Etschmiadzin

Die armenischen Kirchenväter haben die Gedenktage für den Hl. Gregor den Erleuchter „Hinaufstieg aus Virap“ und die Gründung der armenischen Mutterkirche unmittelbar nach dem Martyrium der Jungfrauen festgelegt, denn durch ihr Martyrium wurde der Beginn eines neuen und entscheidenden Zeitalters in der armenischen Geschichte festgelegt, in dem unser Volk das Christentum als „Hautfarbe“ (als fester Bestandteil seiner gesellschaftlichen Strukturen), wie uns der Geschichtsschreiber Yeghisché berichtet, annimmt und zum ersten christlichen Staatsvolk wird. Über die Jahrhunderte entwickelt dieses Volk eine vom Christentum geprägte eigene Kultur und präsentiert sich der Welt heute mit seiner 1700-jährigen christlichen Identität, Geschichte und Kultur. Für die Verteidigung dieser Werte hat unser Volk oft gelitten, wurde grausam verfolgt und getötet, aber es hat alles überlebt und es ist wieder auferstanden und hat vor 17 Jahren eine freie und unabhängige armenische Republik ins Leben gerufen.

Die Armenische Kirche nennt ihr geistiges Zentrum „von Christus gegründete Mutterkirche“ oder „Hl. Etschmiadzin“, denn nach einer Vision von Gregor dem Erleuchter, ist Christus selbst vom Himmel hinabgestiegen, hat den Ort gezeigt und genaue Anweisung über die zu erbauende Mutterkirche erteilt. Das Wort „Etschmiadzin“ bedeutet „der Eingeborene ist hinabgestiegen“. (Mit dem „Eingeborenen“ ist der Sohn Gottes, Jesus Christus, gemeint). Der Hl. Gregor der Erleuchter und der Hl. König Tiridates haben sich für den Bau der Mutterkirche nach den gnadenreichen Anweisungen Christi gerichtet. Der Geschichtsschreiber des 5. Jahrhunderts, Agatangeghos, berichtet, dass sich der König Tiridates persönlich bei den Bauarbeiten der Kirche beteiligte und die Bausteine aus dem Berg Ararat geholt hat.

St. Etschmiadzin blieb über die Jahrhunderte hinweg bis heute das geistliche Zentrum aller Armenier und der Sitz des Katholikos Aller Armenier und ist gleichzeitig ein Zentrum für Erziehung und Kultur, Wissenschaft und Bildung. Sie ist ein Symbol der Verkörperung der nationalen Träume und ein Wallfahrtsort für die auf der ganzen Welt verstreuten Armenier.

Hymne für St. Etschmiadzin

Der Eingeborene ist vom Vater herabgestiegen
Und mit ihm ein glanzvolles Licht.
Stimmen erklangen aus dem höllischen Abgrund.
Das Licht sehend erzählte der große Patriarch Gregor
mit Freude dem gläubigen König.
Kommt! den heiligen Altar des Lichts errichten,
Denn aus diesem ist uns in Armenien das Licht aufgegangen.


Quelle: http://www.a-rm.de

2017-07-20T07:21:29+00:00 Juli 20th, 2017|