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Die Armenisch-Apostolische Kirche hat am Vortag (arm. Nachadonag) der zwei wichtigen Herrenfeste – vor Weihnachten und vor Ostern – spezielle vorfestliche Gottesdienste. Die Abendgottesdienste dieser zwei Tagen bezeichnet man als Dschrakaluytz. In der volkstümlichen Sprache heißen sie auch Chètum. Der erste Dschrakaluytz im Jahr ist immer am 5. Januar, da die Armenier immer am 6. Januar Weihnachten feiern. Und der zweite Dschrakaluytz ist immer am Sonnabend zum Ostern, also zwischen 22. März und 28. April.

Am Dschrakaluytz Tag, nach dem Sonnenuntergang, findet in einer eindrucksvollen Atmosphäre die abendliche Hl. Messe statt. Im religiösen Sinne beginnt schon das Fest der Geburt des Herrn. Deshalb singen die Chöre in den armenischen Kirchen den fröhlichen Hymnus: „Christus ist geboren und erschienen“ (arm. Krisdos dznav yev haydnetzav).

Der Vorabend des Festes wird Dschrakaluytz genannt, weil es ein Brauch war und ist, dass die Gläubigen während des Abendgottesdienstes in ihren Händen Öllampen bzw. Kerzen tragen. „Dschrakaluytz“ ist ein armenisches Wort, das eine Zusammensetzung von zwei Wörtern ist: „Dschrak“ und „Letznel“. Wörtlich bedeutet es: „Die Lampen mit Öl füllen“.

Es war und ist ein Brauch, in den Häusern während dieser Nacht eine Öllampe bzw. Kerze brennen zu lassen. Dies ist keine zufällige Tradition. Symbolisch erinnert diese brennende Lampe an den Stern, der in der Nacht der Geburt von Jesus Christus im Himmel leuchtete und die Hirten zur Krippe des Herrn leitete. Die brennende Lampe oder Kerze, die leuchtet, symbolisiert Jesus Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt“. Und wenn wir das Fest der Heiligen Geburt des Herrn feiern und eine Kerze oder eine Lampe anzünden, erinnern wir uns an diese Worte.

In vielen Orten nennt man diesen Abend auch als Tatachman Kisher (Abend des Eintunkens). Das älteste männliche Familienmitglied nimmt die aus der Kirche speziell für diesen Abend gebrachte Hostie (arm. Neshchar), bricht gemäß der Zahl der anwesenden Familienmitglieder und teilt aus. Jeder nimmt seinen Teil taucht im Wein ein und isst. Aus diesem Grund bezeichnet man es als Tatachman Gisher oder Tatachman Entrik. Bis heute ist dieser schöne Brauch insbesondere bei den Iran-Armeniern verbreitet.

In manchen Orten besuchen die Jugendgruppen bzw. die Chormitglieder der Kirche nach der Heiligen Abendmesse die Häuser und Wohnungen der Kirchen- bzw. Gemeindemitglieder, singen Weihnachtslieder und singend gratulieren sie zum Fest. Die Familien erwarten diese Gesangsgruppen mit Freude, gern machen sie ihre Türen auf und empfangen sie. Die Familien finden auch ermutigende Worte für diese Gruppen und geben denen auch kleine Geschenke.

In den Ländern, wo wir eine zahlreiche und kompakt lebende armenische Gemeinschaft, insbesondere aber armenische Schulen haben, gehen die Schulkinder, entsprechend der schönen Tradition, gemeinsam zur Kirche und bekommen die weihnachtliche Hl. Kommunion.