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5. Sonntag der Großen Fastenzeit

„Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten“ (Lk 18, 1)

Der fünfte Fastensonntag wird in der Armenischen Kirche als Sonntag des ungerechten Richters bezeichnet. Auch dieser Sonntag wird nach einem Gleichnis Jesu, das in den armenischen Kirchen als Lesung für diesen Tag vorgesehen ist, benannt. Die rettende Botschaft der Großen Fastenzeit wird in diesem Gleichnis fortgesetzt, mit der ausdrücklichen Aufforderung, „allzeit“ zu beten, wodurch der Mensch den höchsten glücklichen Zustand erreicht. Man hätte diesen Sonntag vielleicht passender „Gebetssonntag“ nennen können. Das Gebet wird zum Mittel, sich von der Erde gen Himmel zu erhöhen. Eine Religion ohne Gebet ist unvorstellbar, denn Gegenstand der Religion ist nichts anderes als Gott und das geistige Leben. Das Gebet setzt eine Begegnung mit jenem unsichtbaren und ewigen Wesen voraus, das der Schöpfer des Universums und Herr des Lebens ist. Aus diesem Grund ist im Neuen Testament die Wichtigkeit des Gebets besonders hervorgehoben. Unser Herr hat durch seine Äußerungen und sein Leben dies seinerseits bekräftigt. Während seines irdischen Lebens betete er oft „die ganze Nacht“ oder „doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten“ (Lk 5, 16). Die Hinweise hierfür füllen alle Abschnitte seines Lebens von seiner Taufe bis zu Gethsemane, von dem Berg der Verklärung bis zu Golgatha.

In diesem Gleichnis sagt uns der Herr, dass wir „darin nicht nachlassen sollen“. Wenn ein Richter, der „Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm“, entschied, der Witwe, die nicht nachlassen wollte, schließlich zu ihrem Recht zu verhelfen, wie sollte denn Gott, der in seinem Wesen Güte und Gerechtigkeit vereint, das ständige Flehen seiner Diener nicht hören und ihnen zu ihrem Recht verhelfen?

Die letzten zwei Gleichnisse, des ungetreuen Verwalters und des ungerechten Richters, machen uns darauf aufmerksam, dass in unserem uns geschenkten Leben das treue Verwalten und flehende Gebete die Grundvoraussetzungen sind, den Zustand zu bewahren, den andere durch Reue und Buße erreicht haben. Die Schlusszeile des Gleichnisses legt den Gedanken für den Sonntag und verleiht zugleich dem Gebet die Bedeutung, ohne die ein Gebet seines Zweckes leer wird. Diese entscheidende Voraussetzung ist der Glaube. Es ist diese Voraussetzung, die uns in den Gedanken für den darauffolgenden Sonntag führt. Die Schlusszeile sagt: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lk 18, 8)