Gedenktag des Völkermords in Berlin

Am 24. April fand um 18.30 Uhr vor dem im vergangenen Jahr im Hof der katholischen St. Hedwigskathedrale in Berlin aufgestellten und geweihten Kreuzstein eine Kranzniederlegung statt, der ein kurzes Fürbittgebet durch Bischofsvikar Archimandrit Serovpé Isakhanyan folgte. Beim Gebet wirkten Bischof Markus Dröge, Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Domprobst der St. Hedwigskathedrale Prälat Tobias Przytarski mit. Anwesend waren der Botschafter der Republik Armenien, S. E. Ashot Smbatyan, und zahlreiche Gemeindemitglieder.

Am selben Abend um 19.00 Uhr fand die Zentrale Gedenkveranstaltung des 102. Gedenkjahres im Deutschen Historischen Museum in Berlin statt. Die Organisatoren des Abends waren die Armenische Botschaft, die Diözese der Armenischen Kirche, der Zentralrat der Armenier in Deutschland und unter Mitwirkung der beiden, weltlichen und kirchlichen armenischen Gemeinden in Berlin.

Die Eröffnungsrede hielt Frau Ani Smith-Dagesian, Vorstandsmitglied des ZAD. Danach haben der Reihe nach Botschafter Ashot Smbatyan, Frau Edelgard Bulmahn, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Garabed Antranikian, Präsident der Technischen Universität Hamburg, das Wort ergriffen. Der letztere erzählte von seinen Erinnerungen und persönlichen Erlebnissen als Kind einer Überlebendenfamilie.

Eine Gedenkrede hielt auch Bischofsvikar der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland, H.H. Archimandrit Serovpé Isakhanyan, der u.a. folgendes sagte: „Das armenische Volk, das als erstes sein Herz für das Evangelium Jesu öffnete und Armenien zum ersten christlichen Staat der Welt machte, ist seit über 100 Jahren aber gehalten, oft bereits einige Tage nach dem glanzvollen Auferstehungsfest des Herrn, die österliche Freude mit dem traurigen Gedenken an die unzähligen Märtyrer des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich von 1915 zu ersetzen. Diese Märtyrer, die „für das Vaterland und für den Glauben“ den Tod aller Tode sterben mussten und von unserem Volk stets als Heilige betrachtet wurden, sind am 23. April 2015, am Vorabend des 100. Gedenktages des Genozids, durch unsere Kirche kanonisiert und als Gruppe in die Reihen der Heiligen aufgenommen worden.

Vor hundertundzwei Jahren, am 24. April 1915, und in den Monaten davor und danach einte der Tod alle Armenier. Heute bringen das Leben, die Erinnerung und der Kampf für die Gerechtigkeit und Anerkennung jedes Jahr am 24. April uns Armenier zusammen, ganz gleich, wo wir leben. Ja, es sind 100 und mehr Jahre vergangen, dennoch sind wir in unserem Gebet beharrlich, wie die biblische Witwe, die ihr Recht vom ungerechten Richter hartnäckig und unablässig einforderte. So wie unsere Vorfahren und wir heute es tun, so werden sicherlich auch unsere Nachkommen das Gebet aber auch den Kampf fortsetzen „für die Gerechtigkeit, für den Frieden und für die Wahrheit“

…Das Verbrechen kann man nicht aus der Geschichte und Vergangenheit wegradieren, aber es ist möglich und notwendig, der Verleugnung ein Ende zu setzen. Je eher, desto besser. Die Verleugnung ist nämlich nicht nur für die Nachfahren der Opfer, sondern auch für die der Täter eine große Last. Sie ist eine dicke Mauer zwischen beiden Völkern, und verhindert es, dass sie sich annähern und versöhnen. Niederreißen müsste man sie, so wie die Berliner Mauer! Dann werden wir, mit den Worten unseres Herrn Jesus Christus gesagt, „die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird uns frei machen. (Jh 8, 32).

Im kirchlichen Teil der Gedenkveranstaltung hielt Bischofsvikar Isakhanyan, gemeinsam mit Pfarrer Gnel Gabrielyan und Diakon Asadur Baljyan, ein Fürbittgebet im Gedenken an die Heiligen Märtyrer des Genozids an den Armeniern. Am Gebet beteiligten sich auch der Apostolische Nuntius S. Em. Erzbischof Nikola Eterovic, Archimandrit Emanuel Sfiatkos von der griechisch-orthodoxen Kirche in Berlin, und Herr Dr. Iro Stefan von der Evangelischen Kirche in Deutschland.

An der Gedenkfeier nahmen ca. 600 Gäste teil, unter ihnen Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses, Botschafter und weitere diplomatische Vertreter verschiedener Länder, Kirchenwürdenträger und Vertreter der Ökumene.

Musikalische Umrahmung der Gedenkfeier übernahmen haben drei in Deutschland ansässige armenischen Künstler – Zhora Sargsyan (Klavier), Hayk Sukiasyan und Mikayel Hakhnazaryan (Cello).

Kanzlei der Diözese

2017-05-24T06:48:39+00:00