PRESSEERKLÄRUNG
30. April 2019, Köln

Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland
Armenische Gemeinschaft erlebt Angriffe auf Genozid-Gedenken

Die Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland ist in großer Sorge. In mehreren deutschen Städten wurden zum Gedenktag der Opfer des Genozids an den Armeniern von 1915 Angriffe verübt.

Es kann und darf nicht zugelassen werden, dass der Völkermord an den Armeniern auch in unserem Land verleugnet und die Würde der unzähligen Opfer dieses Menschheitsverbrechens, aus falscher Rücksichtnahme der Türkei gegenüber, verletzt wird.

Vor ca. zwei Wochen wurde in Erlangen ein geweihter Kreuzstein umgeworfen aufgefunden. Die Umstände sind noch nicht geklärt.

Am 24. April musste eine Gedenkveranstaltung in Stuttgart/Bad Cannstatt kurz vorm Beginn wegen einer Bombendrohung polizeilich abgesagt und der Veranstaltungsort evakuiert werden.

Und vor paar Tagen sind wir auf YouTube auf ein Video aufmerksam geworden, das zeigte, wie ein türkischsprechender Mann den armenischen Kreuzstein in Braunschweig schändet, die Inschriften bespuckt, auf die niedergelegten Blumen tritt und dabei die Armenier beschimpft und den Völkermord an den Armeniern leugnet. Er weist auf den Standort hin und droht unterschwellig, den Ort nachts aufsuchen zu wollen.

Die Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland verurteilt aufs schärfste diese Angriffe und fordert die zuständigen Sicherheitsbehörden auf, die Vorfälle sorgfältig zu prüfen und aufzuklären.

Die Diözese betrachtet die Vorfälle als vorsätzlich durchgeführte Angriffe gegen die armenische Gemeinschaft in Deutschland und ihrer Glaubensausübung, gegen das kollektive Gedenken der Opfer sowie als Schändung ihrer Würde. Es ist zu vermuten, dass diese feindseligen Aktionen auch auf die aktuellen Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten zurückzuführen sind, der die Deportationen der Armenier öffentlich als einen „angemessenen“ Schritt im Rahmen des ersten Weltkriegs rechtfertigte.

Der Primas der Diözese, Archimandrit Serovpe Isakhanyan, wandte sich an den Bundesinnenminister Herrn Horst Seehofer und an den BKA-Präsidenten, Herrn Holger Münch. Der Primas schrieb unter anderem: „Die armenische Gemeinschaft ist über diese Vorkommnisse sehr besorgt. Wir fühlen uns in unserem Gedenken gestört und sehen unsere Gedenkorte und unser Gemeindeleben bedroht… Wir sind uns sicher, dass das BKA auf Bundes- und die LKAs auf Landesebene alles Mögliche unternehmen werden, die Verantwortlichen der geschilderten Vorfälle in Rechenschaft zu ziehen. Wir möchten uns in Deutschland nach wie vor in Sicherheit wissen und das sichere Gefühl haben, dass unser Gemeindeleben geschützt ist“.

Die Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland ruft alle Verantwortlichen aus der Politik dazu auf, dem kollektiven Gedenken der Opfer des Genozids an den Armeniern, welcher im Juni 2016 durch die fraktionsübergreifend verabschiedete Armenier-Resolution auch in Deutschland anerkannt worden ist, die notwendige Bedeutung und Achtung zu schenken.

Gleichzeitig bitten wir unsere Schwesterkirchen in Deutschland und die Öffentlichkeit um ihre solidarische Unterstützung, die Erinnerung an den Genozid an den Armeniern stets wach zu halten und gegen jegliche Feindseligkeit ein sichtbares Zeichen zu setzten.

Die Diözese ermutigt die armenische Gemeinschaft in Deutschland, sich durch solche Einschüchterungsversuche nicht davon abhalten zu lassen, an dem kollektiven Gedenken des Völkermordes und der Erinnerung die 1,5 Millionen Opfer festzuhalten.

Kanzlei der Diözese