SURB PATARAG

Die Hl. Liturgie
der Armenischen Kirche

Kostet und seht, wie gut der HERR ist!
Ps. 34, 9

Der Šarakan zur Ankleidung des Patarag-Zelebranten von  Xač’atur wardapet Taronec’i (XIII Jh.), welches ein festes Bestandteil des heutigen Patarags der Armenischen Kirche ist, beschreibt es in einer hervorragenden Weise mit folgenden Worten: „O tiefes Geheimnis, unbegreiflich, anfanglos…“. Es ist also, wie die Armenier sagen ein Xorhurd (dt. Geheimnis, gr. Mysterium), ein unbegreifliches Geschenk des Drei-Einen-Gottes an den Menschen. Sie ist das Zentrum des kirchlichen Gottesdienstes und somit Mitte, Quelle und Höhepunkt des menschlichen Lebens im Glauben an Christus. Surb Patarag ist der Gottesdienst der Kirche, während dessen, das Mysterium der Heiligen Eucharistie stattfindet. Sie ist das Mysterium, in dem die Gläubigen, durch das Brot und den Wein mit den wahren Leib und Blut Jesu Christi in Gemeinschaft treten, bzw. am Leib und Blut Christi teilnehmen.

Wenn die Hl. Taufe als das Tor zu den Gaben des Reichs Gottes und somit das erste Mysterium für jeden Christen ist, so ist die Hl. Eucharistie das Mysterium, in dem die Christen sich mit ihrem Erlöser, Jesus Christus, durch die Hl. Kommunion vereinigen. Sie ist ja das größte Mysterium der Kirche. Bei allen Mysterien werden durch sichtbare Gestalt die unsichtbaren göttlichen Gaben auf dem Gläubigen gegossen. Doch bei allen Mysterien, außer der Hl. Eucharistie, bleibt die sichtbare Materie des Mysteriums (bei der Taufe – das Wasser, bei der Firmung – das Hl. Myro) unverändert. Bei der Hl. Eucharistie dagegen wird das Brot und der Wein wahrhaftig in das Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. Erst nach dem die Hl. Kommunion von den Gläubigen in der Glaube empfangen wird, wirkt sie unsichtbar auf den Empfänger.

Aus: Diradur Sardaryan, Surb Patarag – Die Heilige Liturgie der Armenischen Apostolischen Kirche. Eine Einführung

Kostet und seht, wie gut der HERR ist!
Ps. 34, 9

Der Šarakan zur Ankleidung des Patarag-Zelebranten von  Xač’atur wardapet Taronec’i (XIII Jh.), welches ein festes Bestandteil des heutigen Patarags der Armenischen Kirche ist, beschreibt es in einer hervorragenden Weise mit folgenden Worten: „O tiefes Geheimnis, unbegreiflich, anfanglos…“. Es ist also, wie die Armenier sagen ein Xorhurd (dt. Geheimnis, gr. Mysterium), ein unbegreifliches Geschenk des Drei-Einen-Gottes an den Menschen. Sie ist das Zentrum des kirchlichen Gottesdienstes und somit Mitte, Quelle und Höhepunkt des menschlichen Lebens im Glauben an Christus. Surb Patarag ist der Gottesdienst der Kirche, während dessen, das Mysterium der Heiligen Eucharistie stattfindet. Sie ist das Mysterium, in dem die Gläubigen, durch das Brot und den Wein mit den wahren Leib und Blut Jesu Christi in Gemeinschaft treten, bzw. am Leib und Blut Christi teilnehmen.

Wenn die Hl. Taufe als das Tor zu den Gaben des Reichs Gottes und somit das erste Mysterium für jeden Christen ist, so ist die Hl. Eucharistie das Mysterium, in dem die Christen sich mit ihrem Erlöser, Jesus Christus, durch die Hl. Kommunion vereinigen. Sie ist ja das größte Mysterium der Kirche. Bei allen Mysterien werden durch sichtbare Gestalt die unsichtbaren göttlichen Gaben auf dem Gläubigen gegossen. Doch bei allen Mysterien, außer der Hl. Eucharistie, bleibt die sichtbare Materie des Mysteriums (bei der Taufe – das Wasser, bei der Firmung – das Hl. Myro) unverändert. Bei der Hl. Eucharistie dagegen wird das Brot und der Wein wahrhaftig in das Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. Erst nach dem die Hl. Kommunion von den Gläubigen in der Glaube empfangen wird, wirkt sie unsichtbar auf den Empfänger.

Aus: Diradur Sardaryan, Surb Patarag – Die Heilige Liturgie der Armenischen Apostolischen Kirche. Eine Einführung

Hauptteile des Patarags

Der Zelebrant muss sich auf die Feier der Liturgie bereits am Tag zuvor nach der Abendandacht vorbereiten. Mit den entsprechenden Gebeten bereitet er die Hostie (das ungesäuerte, ungesalzene Brot) vor. Durch Fasten und Gebet bereitet er sich selbst auf das Sakrament der Liturgie vor.

Vor der Morgenandacht bzw. vor dem Bekleiden mit den für die Liturgie vorgesehenen Gewändern sagt der Zelebrant das Glaubens- und Sündenbekenntnis der Armenisch-Apostolischen Kirche laut. Danach erfolgt das Bekleiden in der Sakristei mit Hilfe eines Diakons, der ihn mit Gebeten und Fürbitten begleitet.

Mit dem Gesang des Hymnus „O tiefes Mysterium“ (von Chatschatur von Taron, 13. Jh.) kommt der Zelebrant begleitet von Diakonen aus der Sakristei und tritt in den Vorraum des Altars ein. Er wäscht sich die Hände und spricht dabei im Wechsel mit einem Diakon den Psalm 26, und anschließend segnet er die Gemeinde. Nochmals mit einem entsprechenden Gebet bekennt er seine Verfehlungen und bittet zugleich den himmlischen Vater, dass er durch seine Menschenliebe den Gläubigen Vergebung schenkt. Es folgt dann die Lesung der Psalmen 100 und 43. Der Zelebrant sagt den Psalm 43 im Wechsel mit einem Diakon und steigt dabei gemeinsam mit den Diakonen zum Altar hinauf. Der Vorhang des Altars wird zugezogen und der Zelebrant liest hinter dem Altarvorhang zwei Gebete an den Hl. Geist, die von Hl. Grigor Narekatzi (10. Jh.) verfasst worden sind. Danach bringt ihm der Diakon die Gaben, die Hostie und den Wein. Der Zelebrant segnet zuerst die Hostie (eigens für die Liturgie vorbereitetes ungesäuertes Brot) und stellt sie auf einen kleinen Teller (arm. Մաղզմայ), der sich auf dem Kelch befindet. Dann segnet er den reinen Rotwein und gießt ihn in den Kelch hinein. Den Kelch mit dem Teller bedeckt er mit einem Schleier, beweihräuchert ihn und bittet um die Wirkung des Hl. Geistes. Der Altarvorhang wird aufgezogen und es beginnt die Beweihräucherung.

Begleitet vom Chorgesang des Hymnus „Durch die Fürbitte“ kommt der Zelebrant die Altartreppen auf der rechten Seite herunter und in einer feierlichen Prozession mit allen Diakonen und Messdienern beweihräuchert und segnet er die Gläubigen und vollzieht den Einzug durch die Kirche. Anschließend steigt er die Altartreppen auf der linken Seite zum Altar hinauf. Dieser Teil, der auch „Ankunft in die Welt“ benannt wird, symbolisiert die Menschwerdung des Herrn, seine Botschaft auf Erden und sein Leben unter den Menschen.

Aus: S. Isakhanyan, Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche, Etschmiadzin, 2012

Nachdem der Zelebrant zum Altar hinaufsteigt, preist er abermals die Heilige Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Diesem folgt der Hymnus zum entsprechenden Anlass. Danach singt der Chor das Dreimalheilig, worin gepriesen wird der heilige, der starke und der unsterbliche Sohn Gottes, der durch seine Menschwerdung, seine Botschaft auf Erden, seine Kreuzigung und Auferstehung die Tore des Himmels für die Menschen eröffnet hat.

Nun kommt der Zeitpunkt, aufmerksam auf die biblischen Wahrheiten zu hören. Es erfolgen die vorgegebenen alttestamentlichen und neutestamentlichen Lesungen zum Anlass des Tages. Die Lesungen erreichen ihren Höhepunkt in der feierlichen Lesung des vorgegebenen Textes aus den Evangelien, wodurch der Sohn Gottes selbst die Gläubigen anspricht.

Nach den Lesungen sagen der Zelebrant, die Diakone, die Messdiener und die Gemeinde gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Die Grundlage des Bekenntnisses des Christlichen Glaubens wurde 325 von den Kirchenvätern auf dem Ersten Ökumenischen Konzil von Nicäa verfasst. Auch der Patriarch von Armenien, der Hl. Aristakes, Sohn des Hl. Gregor des Erleuchters, nahm an diesem Konzil teil.

Das Glaubensbekenntnis schließt mit der Lesung des Kirchenbannes durch einen Diakon, in dem nochmals die Stellung der Armenisch-Apostolischen Kirche zu den Grundelementen des Glaubens bestätigt wird. Sie belegt mit dem Kirchenbann all diejenigen, die es wagen, durch ihre falschen Ansichten vom wahren Glauben abzuweichen. Danach liest der Zelebrant die Lobrede des Glaubensvaters der Armenier, des Hl. Gregor des Erleuchters: „Aber wir, wir werden den, der vor aller Zeit war, verherrlichen, indem wir die heilige Dreieinigkeit und die eine Gottheit anbeten, den Vater, den Sohn und den Hl. Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Nach diesem Gebet blieben in der Kirche zu alten Zeiten nur diejenigen, die sich selbst durch Gebet und Fasten, Reue, Beichte und Buße vorbereitet hatten. Sie durften sich dem Herrn nähern und mit dem Leben spendenden Leib und Blut des Eingeborenen kommunizieren. Die anderen, die noch nicht getauft waren und Buße leisteten, mussten die Kirche verlassen und der restlichen Liturgie im Hof der Kirche folgen. Aus diesem Grund sagt der Diakon an dieser Stelle: „Keiner von den Katechumenen, keiner von den Zweiflern und keiner von den Büßern und den Unreinen nähere sich diesem Göttlichen Mysterium, sondern gehe jetzt zur Tür hinaus und bete“.

Aus: S. Isakhanyan, Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche, Etschmiadzin, 2012

Der Zelebrant, der bis zu diesem Zeitpunkt in der Liturgie die herrschaftliche Herrlichkeit und Anwesenheit Christi symbolisiert hatte, nimmt seine Krone ab (Bischöfe bzw. der Katholikos nehmen alle bischöflichen Insignien ab) und wird zum demütigen Diener des Göttlichen Erlösenden Sakraments. In wenigen Augenblicken wird ihm der Diakon den Kelch übergeben und der Herr selbst wird am Hl. Tisch Platz nehmen. Es folgen die Heiligung und der dazu vorgesehene (je nach Anlass) Hymnus, währenddessen beweihräuchert der Diakon den Kelch, in dem sich die Hostie und der Rotwein befinden, trägt ihn feierlich zum Altar und übergibt ihn dem Zelebranten. Der Zelebrant ebenfalls beweihräuchert den Kelch, wendet sich zur Gemeinde und segnet sie mit dem Kelch und Zeichen des Kreuzes mit den Worten „Gesegnet sei der, der im Namen des Herrn kommt“. Er stellt den Kelch auf den Altar. Dem Beispiel des Herrn bei seinem letzten Abendmahl folgend und als Zeichen der Reinheit wäscht sich der Zelebrant seine Finger, da er den Leib und das Blut des Herrn berühren wird.

Im Anschluss an diesen Teil erfolgt der Friedensgruß. „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebet einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 34-35). Dies befiehlt der Herr seinen Befolgern und allen Christen. Die Anwesenheit des Herrn am Hl. Tisch ist Anlass, dass sich die Gläubigen einander mit dem „Heiligen Kuss“ grüßen, als sichtbarer Ausdruck ihres Glaubens und der gegenseitigen christlichen Liebe. Der Diakon lädt die Gläubigen zum Austausch des Friedensgrußes ein. Während der Chor das Lied „Christus ist unter uns erschienen“ singt, steigt der Diakon vom Altarraum herunter und tauscht mit dem höchstrangigen Geistlichen oder in dessen Abwesenheit mit einem anderen Diakon oder einem Gemeindeglied den Friedensgruß aus. So geben die Gläubigen den Friedensgruß einander weiter, bis alle den Heiligen Gruß vom Hl. Tisch erhalten haben. Der Grußgeber sagt: „Christus ist unter uns erschienen“ und der Empfänger antwortet: „Gesegnet sei die Erscheinung Christi“.

Inspiriert vom gegenseitigen Gruß und durch christliche Liebe zu einer Gemeinschaft geworden, stimmen die Gläubigen mit den himmlischen Seraphinen und Cherubinen ein und singen das Loblied „Heilig, Heilig, Heilig, Herr der Heerscharen“. Während des Liedes sagt der Zelebrant am Altar ein leises Gebet und erinnert sich an die erlösende Botschaft Jesu Christi und sein freiwilliges Opfer am Kreuz.

An dieser Stelle ist der besinnlichste Höhepunkt der Liturgie erreicht. In der Kirche herrscht die Stimmung wie einst beim letzten Abendmahl des Herrn. In