Predigt zu Weihnachten 2017

Խորհուրդ մեծ և սքանչելի
Որ յայսմ աւուր յայտնեցաւ…

Ein großes und wundervolles Geheimnis, der an diesem Tag uns erschien. Die Hirten singen mit den Engeln, geben die Frohe Botschaft der Welt. In Betlehem ist ein neuer König geboren, preiset ihn o Menschenkinder, denn für uns ist hat er Leib angenommen.

So singen wir liebe Schwestern und Brüder in unserem Scharakan zu Weihnachten und frohlocken mit den Engelscharen und den Heiligen: Քրիստոս ծնաւ եւ յայտնեցաւ, մեզ եւ ձեզ մեժ աւետիս։ Christus ist geboren und erschienen, uns und ihnen eine frohe Botschaft.

Ja, es ist eine frohe Botschaft, es ist ein Fest, an dem keiner Trauern darf, denn wir feiern heute das Leben selbst. Der Heiland, der Erlöser, Jesus Christus wird heute geboren. Nicht in der Pracht und Glanz der Könige, nicht im Reichtum, nicht Groß und Mächtig, sondern ganz winzig und weich. In einem einfachen Stall, und die Futterkrippe wurde zu seinem ersten Bett. Und trotzdem sind Maria und Joseph froh erleichtert. Weihnachten kommt mitten aus dem Leben. Es zeigt wie verletzlich das Leben ist, wie bedroht das Leben ist. Es zeigt uns aber auch, dass auch in schwierigen Zeiten wir im Leben glücklich sein können. Es zeigt uns, dass gerade dort wo wir uns verlassen und hilflos füllen, der Himmel uns so nahekommen kann, die Liebe Gottes uns unter die Arme greifen kann, uns einen Ausweg zeigen kann. Wir sind nicht mehr alleine. Die Engelscharen singen im Himmel, Hirten und Könige kommen um mit uns das Leben zu feiern. Der Schöpfer selbst wird zum Menschen, damit der Mensch erneut das Leben in der Ewigkeit erlangt.

Die Armenische Kirche bereitet sich 50 Tage lang zu diesem heiligen Fest. Durch Fasten und Gebet reinigen wir unser Leib und Seele um Rein und Makellos vor dem Herrn zu stehen. Wir lernen in der Fastenzeit, dass Verzicht und Bescheidenheit mehr sind und Wertvoller sind als Gier und Geiz. Wir lernen in der Fastenzeit, dass wir aufeinander zugewiesen sind und einander helfen sollen. Wir lernen, dass das eigene Ich nur dann einen Sinn haben kann, wenn ein anderer, wenn Du, auch da bist. Wir lernen unseren Nächsten Gutes zu tun, ohne etwas von denen zu erwarten. Wir lernen die heilende Wirkung der Verzeihung und üben uns in der Liebe zu uns selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott. Von ihm lernen wir und von ihm bekommen wir die Bestätigung gerade an Weihnachten.

Ja, das Leben ist ein zerbrechliches. Das wissen wir sowohl wenn wir in uns selber reinschauen, aber auch wenn wir unsere Familien betrachten, oder wenn wir herumschauen und sehen, was in der Welt passiert. Eine Hiobsbotschaft nach dem anderen erhalten wir durch Medien: Schrecklichen Bilder aus Kriegsregionen wie Syrien, Irak oder auch Berg Karabach; Berichte über islamistische Fanatiker, die Menschenverachtend handeln und trotzdem ihre Unmenschlichkeit als „Gottes Wille“ verkaufen und vor allem Jugendliche aus aller Welt in ihre radikale Reihen zeihen; Rechtsradikale Ideologen, die – genau wie die Islamisten – die Würde des Menschen mit Füssen treten; Meldungen, über Armut nicht nur in der Welt, nicht nur in Armenien und Berg Karabach, sondern auch in unserer zweiten Heimat, Deutschland; Berichte über Lügengeschichten; Abhörskandale; Propaganda von Werten die uns fremd sind.

In einer solchen gesellschaftlichen Situation kann Angst vor dem Morgigen Tag, Aggression und Feindlichkeit den Fremden gegenüber sehr schnell verbreiten. Das wissen auch radikale Kräfte. Sie wissen es auch populistisch dies für sich zu nutzen. Doch wie sieht es mit uns aus, wenn die Grundmaßstäbe des menschlichen Umgangs miteinander ins Wanken geraten, wenn alles so schwarz und aussichtslos zu sein scheint? Gibt es da einen Ausweg?

Ja meine Lieben! Gerade die Geburt des Heilendes, den wir heute feiern, zeigt uns diesen Ausweg! Denn bereits Jesaja prophezeit: „Doch es wird ncht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind… Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.“ (Jesaja 8,23-9,2).

Worte einer Botschaft, die uns Kraft gibt, die Freude verbreitet, die anders ist, als all die schlechten Nachrichten und Botschaften, die wir täglich zu hören bekommen. Eine Nachricht die unsere Herzen nicht kalt lassen darf, denn wir wissen heute, dass die Prophezeiung von Jesaja erfüllt wurde. Heute spricht der Engel zu den Hirten: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lk. 2, 10-11). Und wir stehen gerade jetzt neben diesen Hirten. Es liegt völlig an uns, ob wir zulassen, dass dieser Heiland auch in unseren Herzen, in unseren Seelen geboren wird. Wir können zweifeln, wir können uns fragen, ob wir die Frohe Botschaft des Evangeliums an uns heranlassen sollten, ob das keine Flucht von der Realität ist. Unser Schöpfer, unser Gott, an den wir glauben, gibt uns da die Freiheit zu Entscheiden welche Botschaft unser Leben bestimmen soll. Er gibt uns die Freiheit einen Weg zu gehen, der breit und sauber ist, angenehm und Problemlos, der aber zu nirgendwo hinführt, außer zu Arroganz und Selbstverliebtheit, zur Verachtung und Egoismus. Das Ende dieses Weges ist das nichts. Er, unser Gott, gibt uns aber auch die Möglichkeit einen Weg zu gehen, der vielleicht staubig und dornig ist, eng und verbunden mit vielen unangenehmen, manchmal unverständlichen Gefühlen und Ereignissen, mit der Sicherheit aber, dass am Ende dieses Weges das Haus unseres himmlischen Vaters steht, mit offenen Toren und mit unserem Herrn Jesus Christus, der seine Arme breit gestreckt hat um uns zu umarmen und an ihm teilhaben zu lassen.

Gerade heute, gerade in unserem Alltag, wo das Leben so schwach und voller Ängste ist, erklingt die Stimme des Engels: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude…“. Es liegt an uns, ob wir auf diese Botschaft hören, oder nicht. Es liegt an uns, welchen Weg wir in unserem Leben gehen werden. Es liegt schließlich an uns was wir mit dieser Botschaft anfangen. Was nutzt mir diese Botschaft, wenn ich es heute höre und morgen schon vergessen habe, wenn sie in meinem Leben nichts ändert und wenn ich ab morgen wieder in Angst lebe. Es hat nur dann einen Sinn, wenn ich zulasse, dass mit dieser Botschaft Jesus auch in meinem Herzen geboren wird. Es hat nur einen Sinn, wenn ich meine Augen aufmache und die ganze Schöpfung als eine Gabe Gottes an mich und meine Mitmenschen sehe; wenn ich meine Ohren spitze und die Botschaft höre, die mein Leben tatsächlich bereichert; wenn ich meinen Mund aufmache um Gott zu lobpreisen und mit meinem Mund die Frohe Botschaft der Geburt Jesu Christi verkünde, das Evangelium verkünde.

In diesem Sinne schreibt auch der Hl. Paulus an Titus: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun (Tit. 2, 11 – 14).

Und wir, liebe Gemeinde, sollten uns heute entscheiden, in welcher Welt wir leben möchten. In der Welt, wo Gier und Krieg herrschen, wo alles so aussichtslos und schwarz ist, oder in einer Welt wo die Liebe Gottes herrscht. Sagen wir ja zum Leben mit Gott! Ein Ja, welches bewusst uns dazu führt sowohl als Gemeinde als auch als Einzelperson unser Leben zu verändern, Botschafter des Evangeliums zu werden, in dem wir unser Leben dem Evangelium entsprechend leben; in dem wir die Liebe, die uns von unserem Neugeborenen Heiland geschenkt wurde, auf der Welt, durch unsere Taten verbreiten; in dem wir Hoffnung, die uns unser Erlöser schenkt, mit anderen Teilen; in dem wir unseren Glauben, unsere Tradition unser Identität, als armenische apostolische Christen aufbewahren und unseren Kindern und Kindeskindern weitergeben!

Lassen Sie zu, dass Jesus Christus, heute auch in euren Herzen geboren wird. Sagen Sie ein ganz persönliches Ja dem Erlöser, dem Menschgewordenen Sohn Gottes, der heute zu Ihnen gekommen ist um euer Leben zu verändern. Gehen Sie den Weg, der euch zum Haus des himmlischen Vaters führt, über den der Hl. Evangelist und Apostel Johannes prophezeit: „Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offenbarung 21, 3-4).

Wählen Sie ab heute den Weg zu und mit Gott, damit wir mit dem Hl. Apostel sagen können: „Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet. Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Jh 4, 16-21). Und „die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1. Jh 4, 9).

Sagen Sie heute JA zum Neugeborenen Heiland. Sagen Sie JA zum Leben und der Segen des neugeborenen Heilandes möge euch erleuchten und umgeben, euch segnen und von allen Krankheiten heilen und euch glücklich machen von nun an in der Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

Pfr. Dr. Diradur Sardaryan
Fest der Geburt des Herrn, Göppingen 2017

2018-03-26T17:49:05+00:0025 März 2018|