Stellungnahme der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg
anlässlich des 106. Gedenkjahres des Völkermords vom 1915

Am 24. April 2021 gedenken wir, anlässlich des 106. Gedenkjahres, die Heiligen Märtyrer, die Opfer des Völkermords an den Armeniern im osmanischen Reich. Von geschätzten zwei Millionen Armenien, die im osmanischen Reich lebten, wurden 1,5 Millionen in grausamer Weise ermordet. Die Überlebenden wurden teilweise zwangsislamisiert oder konnten fliehen und zerstreuten sich auf der ganzen Welt.

Der Völkermord an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist ein grausames Beispiel des Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Ziel dieses staatlich geplanten und systematisch durchgeführten Vorhabens war die Ausrottung eines uralten christlichen Volkes sowie die Vernichtung jeglicher Spuren ihrer bisherigen, Jahrtausende alten, Existenz.

Die Wunden des Medz Yeghern, der Großen Tragödie des Völkermordes, sind noch nicht geheilt. Doch der Schmerz des Verlustes und Existenzangst umgeben uns erneut. Wie der Krieg in Republik Arzach (Berg Karabach) und die darauf folgenden Monate zeigen, sind Hass gegenüber Armenien und Armenier, Armenophobie in ihrer schrecklichsten, staatlich geförderten Form, nicht verschwunden.

Wir bedanken uns beim Bundespräsidenten a.D. Joachim Gauck, dem Deutschen Bundestag, den Kirchen in Deutschland, allen Staaten und Organisationen, die den Völkermord an den Armeniern beim Namen genannt haben und sich für Völkerverständigung und Heilung der Wunden der Vergangenheit einsetzen.

Gleichzeitig muss es erwähnt werden, dass nicht wir, die Nachfahren der Überlebenden, sind auf diesem Weg ein Hindernis. Vielmehr weigert sich die offizielle Türkei bis heute den Völkermord, mit allen daraus folgenden Konsequenzen, anzuerkennen und sich von den Geschehnissen vom 1915 zu distanzieren. Vielmehr hören wir immer wieder von ranghohen Regierungsmitgliedern der heutigen Türkei die Drohung den Plan der Osmanen zu Ende zu bringen.

Gerade deshalb, und nicht nur deshalb, ist es unverzichtbar, dass wir nicht nur die Opfer gedenken, sondern auch über verweigerte Verantwortung und alte Schuld reden. Wie der Bundespräsidenten a.D. Joachim Gauck in seiner Rede im Berliner Dom 2015 sagten: „Wir tun es nicht, um uns an eine niederdrückende Vergangenheit zu binden, wir tun es um wachsam zu sein, um rechtzeitig zu reagieren, wenn Vernichtung und Terror Menschen und Völker bedrohen“.

Die Bundesrepublik Deutschland, aber auch konkret das Land Baden-Württemberg, sollten ihre Rolle ernstnehmen und, im Sinne der Resolution des Bundestages, sich für die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern seitens der Türkei, für die Wachhaltung der Erinnerung an die Opfer des Völkermordes vom 1915 auch in Deutschland, für die Heilung der Erinnerungen, für die Völkerverständigung und Bekämpfung der Armenophobie auf internationaler und nationaler Ebene einsetzen.

Wir sind überzeugt, dass die Anerkennung der Völkermorde und deren Verurteilung, ist einer der wirksamsten Instrumente, um künftige Völkermorde und Blutvergießen zu verhindern. In diesem Sinne sind wir, als Armenische Gemeinde in Baden-Württemberg, offen für Kooperation und Mitwirkung mit staatlichen und nichtstaatlichen, kirchlichen und nichtkirchlichen Organisationen. Gleichzeitig rufen wir die neue Landesregierung Baden-Württembergs auf, die entsprechenden Punkte der Resolution des Bundestages in ihrem Zuständigkeitsbereich umzusetzen.

24. April 2021
Armenische Gemeinde Baden-Württemberg

  • Armenien nach dem Vertrag von Sevres von 1920

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