Und sticht in meine Seele

Wo Abschiede und Wiedersehen, Träume und Sehnsüchte ihr literarisches Zuhause gefunden haben…

Wenn die „Poetessa“ Agapi Mkrtchian aus Wiesbaden und Helmuth Malonek aus Portugal in Armenien, Deutschland oder in Portugal zusammenkommen, dann ist das die Geburtsstunde einer  „Literaturkreation“ ohnegleichen.

Kommen dann noch aus Stuttgart die Lyrikerin und Liedermacherin Lilit Sargsyan mit ihrer Gitarre und ihre Tochter Aschchen Warshapetjan sowie aus Armenien die Lyrikerin Ani Ter-Gulanjan dazu, dann entsteht ein literarischer Hochgenuss!

Auf Einladung vom Pfr. Dr. Diradur Sardaryan und der armenischen Gemeinde Baden- Württemberg e.V. wurde im Vorfeld der armenischen Kulturtage in Stuttgart die Anthologie „Armeniens Herz …Gedichte und sonst nichts“ präsentiert, die 2017 im GrößenwahnVerlag in Frankfurt am Main erschienen ist.

Die Herausgeber und Übersetzer vom Armenischen ins Deutsche sind die „Verdiente Schriftstellerin“ des Schriftstellerverbandes Armeniens Agapi Mkrtchian und Helmuth Malonek.

Helmuth Malonek, der selbst in Armenien studiert hat, spricht nicht nur armenisch und kennt sich in der armenischen Geschichte und Kultur sehr gut aus, sondern er ist auch ein zuverlässiger Freund Armeniens.

Ihm ist es zu verdanken, dass zum ersten Mal Gedichte von Parujr Sewak in Zusammenarbeit mit Agapi Mkrtchian ins Deutsche übersetzt und 1986 im Poesiealbum 223 (Verlag Neues Leben) veröffentlicht wurden.

Die Anthologie beinhaltet Gedichte von 25 zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern aus der Republik Armenien. Für Agapi Mkrtchian ist dies bereits die zweite Übersetzungsarbeit. Zusammen mit Heide Rieck veröffentlichte sie 2015 im Hans-Schiler-Verlag einen Lyrikband

«Ու ծակում հոգիս»
Und sticht in meine Seele
24 UND 4 Gedichte Armenisch-Deutsch“

mit ausgewählten Gedichten des armenischen Nationaldichters Parujr Sewak.

Die Anthologie „Armeniens Herz Gedichte…und sonst nichts“

wurde am 16. Oktober in der evangelischen Lutherkirche in Bad Cannstatt präsentiert.

„Von Armenien hat man in den Nachrichten immer wieder gehört – meist in Verbindung mit Wörtern wie „Genozid“ oder „Völkermord“. Doch wofür steht dieses kleine Land mit großer Tradition? Wie leben, leiden und lieben die Menschen in Armenien?“ Mit diesen Worten begann der Gastgeber Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan seine Eröffnungsrede und hob dabei  hervor, wie wichtig die Rolle der Literatur in den deutsch-armenischen Beziehungen ist.

Pfr. Dr. Diradur Sardaryan sagte weiterhin, dass jedes Jahr im Herbst in Armenien das Fest der Übersetzer (Թարգմանչած տոն) stattfindet. Als einziges Land begeht man in Armenien dieses Fest zu Ehren jener, die unermüdlich und mit einer bewunderswerten Selbstlosigkeit ihr Leben der Kunst der Übersetzung widmen und damit auch für ihr Heimatland das „Literarische Fenster“  zur großen Welt weit öffnen.

Vor dem interessierten Publikum trugen Agapi Mkrtchian, Lilit Sargsyan und Ani Ter-Gulanjan nicht nur ihre eigenen, sondern auch Gedichte anderer Dichterinnen und Dichter aus der Anthologie in deutscher und armenischer Sprache vor. Ein besonderer Dank gilt auch Aschchen Warshapetjan, die das Publikum nicht nur durch ihre gefühlsvolle Rezitation einiger armenischer Gedichte erstaunen ließ, sondern die auch mit ihrem zauberhaften Gesang die Herzen der Zuhörer eroberte.

Mit Klängen von Komitas und ihren eigenen Liedern verzauberte Lilit Sargsyan mit ihrer Gitarre das zahlreich erschienene deutsch-armenische Publikum.

Helmuth Malonek konnte diesmal leider nicht anwesend sein. Wir hoffen jedoch, ihn im nächsten Jahr bei den Kulturtagen in Stuttgart begrüßen zu können.

Viele der in der Anthologie vertretenen Dichterinnen und Dichter sind in Armenien längst literarische Größen, wie Edward Militonjan, Sona Van, Wardan Hakobjan, Samwel Kosjan, Arewschat Awagjan, Artem Harutjunjan und andere. Aber auch Vertreter der jüngeren Generation sind in der Anthologie zahlreich zu findn und haben sich bereits einen Namen in der Literaturszene verschafft. Dazu gehören z.B. Ani Ter-Gulanjan, Narek Kirakosjan, Eduard Harenz, Nschan Abasjan, Anusch Aslibekjan, Nane und andere.

Durch Literatur, insbesondere Poesie, lassen sich Brücken bauen.

Hoffentlich werden uns Armeniern literarische Begegnungen dieser Art weiterhin in der Fremde begleiten und unsere deutschsprachigen Mitmenschen mit neuen „literarischen Schätzen“ aus Armenien vertraut machen.

Es bleibt uns nur noch eines zu wünschen, nämlich dass die Zeit kommt, in der wir Armenier aufbrechen und uns dahin auf den Weg machen, wo unsere Träume und Sehnsüchte wirklich zu Hause sind!

Im Sommer werde ich daheim sein.
Meine Mutter wird Kaffee kochen.
Beide werden wir uns ans Fenster setzen.
Der  Sonne Strahlen werden läuten,
der Spatz wird munter zwitschern…
friedlich – friedlich wird es sein…
…Ich und meine Mutter
werden lange den Mittag beobachten und Kaffee trinken…
-Wie früher, Mam`…
Im Sommer werde ich daheim sein.

(Nschan Abasjan)

2017-10-23T15:29:18+00:00 Oktober 23rd, 2017|