Warum am 6. Januar?

Warum feiern armenische Christen Weihnachten am 6. Januar?

Das Weihnachtsdatum ist keine dogmatische Frage, sondern ist mit den Kalenderzählungen verbunden. Hier soll man betonen, dass in der Vergangenheit, seit dem Beginn der Christenheit bis zum 4. Jahrhundert, bei manchen Kirchen bis zum 5. Jahrhundert, alle christlichen Kirchen die Geburt und die Taufe von Jesus Christus als ein gemeinsames und von einander nicht trennbares Fest am 6. Januar gefeiert und das gemeinsame Fest als Fest der Gottesoffenbarung bezeichnet haben. Unter diesem Begriff haben die Kirchen sowohl die Geburt als auch die Taufe des Herrn verstanden, weil Jesus Christus in den beiden Ereignissen als Sohn Gottes der Menschheit offenbart wurde. Deshalb betrachtete man beides als miteinander eng verbundene und untrennbare Ereignisse, die sich auch gegenseitig vervollständigten, und feierte beides am selben Tag.

In den 4.-5 Jahrhunderten haben fast alle Kirchen aus unterschiedlichen kalendarischen, praktischen, kirchenpolitischen Gründen das Fest der Geburt, also Weihnachten, vorverlegt und feiern es am 25. Dezember. Dies ist seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist ungeklärt. Diskutiert wird eine Beeinflussung durch den römischen Sonnenkult: Kaiser Aurelian hatte den 25. Dezember 274 als reichsweiten Festtag für Sol Invictus (Fest des unbesiegbaren Sonnengottes) festgelegt; zwischen diesem Sonnengott und „Christus, der wahren Sonne“ (Christus verus Sol) zogen frühe Christen Parallelen.

6. Januar blieb als Fest der Taufe des Herrn (Epiphanie). Die endgültige Entscheidung darüber ist im Kirchenkonzil von Chalcedon gefallen, an dem die Armenische Kirche nicht teilgenommen hat, weil unsere Vorfahren in Armenien einen wichtigen Kampf „für die Verteidigung des Glaubens und der Heimat“ gegen Persien führten. Als Jahre später die Beschlüsse dieses Konzils Armenien erreichten, haben unsere Kirchenväter die Begründungen mancher wichtigen Entscheidungen nicht ausreichend und theologisch richtig betrachtet und abgelehnt. Auch die Vorverlegung des Weihnachtsfestes hat unsere Kirche nicht akzeptiert und ist bis heute der alten Tradition des Frühchristentums treu geblieben.

2018-01-04T10:42:20+00:00 4 Januar 2018|