Weihnachten bei den Armeniern

Die Geburt des Sohnes Gottes, die wir auch als Gottesoffenbarung bezeichnen, geschah vor gut 2000 Jahren. Jesus ist in Bethlehem, unter sehr einfachen Bedingungen geboren worden. Er lebte auf dieser Erde nur 33 Jahre. Von der Geburt an bis zum Tod am Kreuz war sein Leben außergewöhnlich und beispielhaft. Er war und bleibt für den Menschen die Person, durch wen er den wahren Gott erkennt.

Die Menschen haben seit Anfang an immer eine Religion. Sie haben verschiedene Naturmächte, Tiere, symbolische Götzen bzw. Idole, weise und mächtige Personen, Pharaonen und Könige angebetet, Anbetungsorte und Tempel errichtet, aber keine Religion vor Christus schaffte es, die Suche des Menschen nach wahrem Gott zu befriedigen. Durch Christus hat sich Gott der Menschheit offenbart, um dieser Suche ein Ende zu setzen. Gott hat seinen Sohn der Menschheit geschenkt, damit er ihr die Wahrheit offenbart und sie zum wahren Gott führt. Deshalb betrachtet man die Geburt Christi als ein wichtiger Wendepunkt im Leben und in der Geschichte der Menschheit.

Die Kirche feiert die Geburt des Herrn als ein Fest des Lichtes und der Liebe, der Wahrheit und des Friedens. Dieses Fest wird nicht als ein historisches Ereignis gefeiert, das in der Vergangenheit geschah und bleibt, sondern als ein Fest, das sich auch heute fortsetzt und geschieht. Das Evangelium ist kein historisches Buch, das zur Vergangenheit gehört, und Jesus ist keine Person der Vergangenheit. Die Kirche bekennt: „Jesus Christus war und ist gestern und heute und in der Zukunft“. Der Gottessohn als „Weg, Wahrheit und Leben“ führt auch heute den Menschen zum Gott und leuchtet seinen Weg.

Dschragaluytz oder Chètum
Ճրագալոյց կամ Խթում

Die Armenisch-Apostolische Kirche hat am Vortag (arm. Nachadonag) der zwei wichtigen Herrenfeste – vor Weihnachten und vor Ostern – spezielle vorfestliche Gottesdienste. Die Abendgottesdienste dieser zwei Tagen bezeichnet man als Dschrakaluytz. In der volkstümlichen Sprache heißen sie auch Chètum. Der erste Dschrakaluytz im Jahr ist immer am 5. Januar, da die Armenier immer am 6. Januar Weihnachten feiern. Und der zweite Dschrakaluytz ist immer am Sonnabend zum Ostern, also zwischen 22. März und 28. April.

Am Dschrakaluytz Tag, nach dem Sonnenuntergang, findet in einer eindrucksvollen Atmosphäre die abendliche Hl. Messe statt. Im religiösen Sinne beginnt schon das Fest der Geburt des Herrn. Deshalb singen die Chöre in den armenischen Kirchen den fröhlichen Hymnus: „Christus ist geboren und erschienen“ (arm. Krisdos dznav yev haydnetzav).

Der Vorabend des Festes wird Dschrakaluytz genannt, weil es ein Brauch war und ist, dass die Gläubigen während des Abendgottesdienstes in ihren Händen Öllampen bzw. Kerzen tragen. „Dschrakaluytz“ ist ein armenisches Wort, das eine Zusammensetzung von zwei Wörtern ist: „Dschrak“ und „Letznel“. Wörtlich bedeutet es: „Die Lampen mit Öl füllen“.
Es war und ist ein Brauch, in den Häusern während dieser Nacht eine Öllampe bzw. Kerze brennen zu lassen. Dies ist keine zufällige Tradition. Symbolisch erinnert diese brennende Lampe an den Stern, der in der Nacht der Geburt von Jesus Christus im Himmel leuchtete und die Hirten zur Krippe des Herrn leitete. Die brennende Lampe oder Kerze, die leuchtet, symbolisiert Jesus Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt“. Und wenn wir das Fest der Heiligen Geburt des Herrn feiern und eine Kerze oder eine Lampe anzünden, erinnern wir uns an diese Worte.

In vielen Orten nennt man diesen Abend auch als Tatachman Kisher (Abend des Eintunkens). Das älteste männliche Familienmitglied nimmt die aus der Kirche speziell für diesen Abend gebrachte Hostie (arm. Neshchar), bricht gemäß der Zahl der anwesenden Familienmitglieder und teilt aus. Jeder nimmt seinen Teil taucht im Wein ein und isst. Aus diesem Grund bezeichnet man es als Tatachman Gisher oder Tatachman Entrik. Bis heute ist dieser schöne Brauch insbesondere bei den Iran-Armeniern verbreitet.

In manchen Orten besuchen die Jugendgruppen bzw. die Chormitglieder der Kirche nach der Heiligen Abendmesse die Häuser und Wohnungen der Kirchen- bzw. Gemeindemitglieder, singen Weihnachtslieder und singend gratulieren sie zum Fest. Die Familien erwarten diese Gesangsgruppen mit Freude, gern machen sie ihre Türen auf und empfangen sie. Die Familien finden auch ermutigende Worte für diese Gruppen und geben denen auch kleine Geschenke.

In den Ländern, wo wir eine zahlreiche und kompakt lebende armenische Gemeinschaft, insbesondere aber armenische Schulen haben, gehen die Schulkinder, entsprechend der schönen Tradition, gemeinsam zur Kirche und bekommen die weihnachtliche Hl. Kommunion.

Weihnachtshymnen
Ծննդեան Երգեր

In den armenischen Weihnachtstagen, die bis zum 13. Januar dauern, singt man in den armenischen Kirchen das Weihnachtslied „Oh, großes und wunderbares Geheimnis“ (arm. Chorhurd medz yev skantscheli), welches der armenische Geschichtsschreiber Movses Chorenatzi im Jahre 441 schrieb:

„Oh, großes und wunderbares Geheimnis,
das am heutigen Tag erschien.
Die Hirten singen mit Engeln und
geben die frohe Botschaft der Welt:
Es ist ein neuer König in Bethlehem geboren.
Oh, Menschenkinder, singt Loblieder,
denn er ist für uns Mensch geworden.
Der grenzlose des Himmels und
der Erde ist in einem Wickel bedeckt,
Vom Vater nicht getrennt
ist er in der heiligen Krippe gethront.
Christus ist geboren und erschienen.

An diesen Tagen singen wir ein anderes Weihnachtslied auch:

Heute ist das Fest der Heiligen Geburt, frohe Botschaft,
Das Fest der Offenbarung unseres Herrn, frohe Botschaft,
Heute ist die Sonne der Gerechtigkeit, frohe Botschaft,
unter den Menschen erschienen, frohe Botschaft,
Heute stiegen die Engel des Himmels herab, frohe Botschaft,
Und singen mit uns Loblieder dem Herrn, frohe Botschaft.
Christus ist geboren und erschienen, frohe Botschaft.

Warum feiern wir Weihnachten am 6. Januar?
Ինչու ենք Սուրբ Ծնունդը նշում 6 Յունուարին

Das Weihnachtsdatum ist keine dogmatische Frage, sondern ist mit den Kalenderzählungen verbunden. Hier soll man betonen, dass in der Vergangenheit, seit dem Beginn der Christenheit bis zum 4. Jahrhundert, bei manchen Kirchen bis zum 5. Jahrhundert, alle christlichen Kirchen die Geburt und die Taufe von Jesus Christus als ein gemeinsames und von einander nicht trennbares Fest am 6. Januar gefeiert und das gemeinsame Fest als Fest der Gottesoffenbarung bezeichnet haben. Unter diesem Begriff haben die Kirchen sowohl die Geburt als auch die Taufe des Herrn verstanden, weil Jesus Christus in den beiden Ereignissen als Sohn Gottes der Menschheit offenbart wurde. Deshalb betrachtete man beides als miteinander eng verbundene und untrennbare Ereignisse, die sich auch gegenseitig vervollständigten, und feierte beides am selben Tag.

In den 4.-5 Jahrhunderten haben fast alle Kirchen aus unterschiedlichen kalendarischen, praktischen, kirchenpolitischen Gründen das Fest der Geburt, also Weihnachten, vorverlegt und feiern es am 25. Dezember. Und der 6. Januar blieb als Fest der Taufe des Herrn (Epiphanie). Die endgültige Entscheidung darüber ist im Kirchenkonzil von Chalcedon gefallen, an dem die Armenische Kirche nicht teilgenommen hat, weil unsere Vorfahren in Armenien einen wichtigen Kampf „für die Verteidigung des Glaubens und der Heimat“ gegen Persien führten. Als Jahre später die Beschlüsse dieses Konzils Armenien erreichten, haben unsere Kirchenväter die Begründungen mancher wichtigen Entscheidungen nicht ausreichend und theologisch richtig betrachtet und demgemäß abgelehnt. Auch die Vorverlegung des Weihnachtsfestes hat unsere Kirche nicht akzeptiert und ist bis heute der alten Tradition des Frühchristentums treu geblieben.

Die Taufe des Herrn: Wasserweihe
Տիրոջ Մկրտութիւնը՝ Ջրօրհնէք

Sicherlich haben viele gesehen, dass am 6. Januar in der Armenischen Kirche nach der Hl. Weihnachtsmesse eine Zeremonie stattfindet, dass man als „Wasserweihe“ (arm. Tschurorhnek) bezeichnet.

Wie schon erwähnt wurde, ist die Taufe Christi für das Christentum ein genau so wichtiges Ereignis, wie seine Geburt. Diese Wichtigkeit wird bis heute betont, wenn auch die beiden Feste von einander getrennt wurden. Die Taufe von Jesus Christus wurde im Fluss Jordan durch den Propheten Johannes vollzogen. Deshalb nennt man diesen Propheten auch Johannes der Täufer. Zur Erinnerung und als symbolisches Zeichen dieses Taufereignisses des Herrn findet in der Armenischen Kirche die oben erwähnte Zeremonie in Form einer Wasserweihe statt. Es soll erwähnt werden, dass diese Zeremonie in Vergangenheit unter freiem Himmel, am Ufer eines Flusses, stattgefunden hat. Mit der Zeit hat man aus praktischen und klimatischen Gründen aufgehört, die Zeremonie von „Tschurorhnek“ unter freiem Himmel abzuhalten.

Das „Tschurorhnek“ findet folgendermaßen statt: Normalerweise haben die armenischen Kirchen ein speziell für die Wasserweihe bestimmtes Gefäß. Vor der Hl. Messe füllt man das Gefäß mit sauberem Trinkwasser auf und stellt es auf den Altar, an dem die Weihnachtsmesse stattfinden soll. (Bei Bedarf können es mehrere Gefäße sein.) Erst wird die Hl. Weihnachtsmesse abgehalten, anschließend das „Tschurorhnek“. Gleich zum Beginn der Zeremonie taucht der Zelebrant, der ein Der Hayr (Pfarrer), Hayr Surp (Wartabed bzw. Archimandrit), Srpazan (Bischof bzw. Erzbischof) oder selbst der Vehapar Katholikos (Patriarch bzw. Oberhaupt der Kirche) sein kann, ein den Jesus Christus symbolisiertes großes Kreuz, das üblicherweise aus Silber oder Gold gemacht ist, ins Wasser ein. Mit der Lesung des Taufabschnittes aus dem Neuen Testament, sowie mit besonderen Gebeten und Hymnen setzt sich die Zeremonie fort. Danach nimmt der Zelebrant das im Wasser eingetauchte Kreuz raus und übergibt es dem „Taufpaten“ bzw. „Kreuzpaten“ (arm. Gnkahayr). Anschließend segnet der Zelebrant mit einem anderen Kreuz und durch die Gießung vom Myronöl (arm. Surp Müron oder Surp Meron) das Wasser, welches nach „Tschurorhnek“ an die anwesenden Gläubigen aus-geteilt wird. Viele nehmen etwas Wasser mit nach Hause auch, für die abwesenden Familienmitglieder.

Die Rolle des „Taufpaten“ von „Tschurorhnek“, den unser Volk auch als „Chatschkavor“ bezeichnet, ist eine Ehre bzw. eine ehrenhafte Aufgabe, die jedes Jahr einem männlichen Gemeindemitglied über-tragen wird und diese Person wird im diesen Jahr als „Taufpate des Herrn“ genannt. Die betroffene Person fühlt sich geehrt und gewürdigt, macht eine Spende für die Kirche bzw. für ihre wohltätige Zwecke.

Die weihnachtlichen Gottesdienste und Andachten dauern in der armenischen Kirche 8 Tage, bis zum 13. Januar. Diese Tage nennt man „Weihnachtliche Achttage“ (arm. Dznntyan Utorek). Am 13. Januar schließt man die Weihnachtsfeier mit dem Feiern des Namenstages von Jesus. Laut dem Neuen Testament bedeutet der Name Jesus „Em-Manuel“, das heißt „Gott ist mit uns“. Bei den Armeniern war es niemals üblich, einen sterblichen, Jesus zu nennen. Bei den anderen Völkern, insbesondere bei den Lateinamerikanern, begegnet man viele, die diesen Namen tragen.

An diesen Achttagen begrüßt man sich wie folgt: Der Grußgeber spricht den folgenden Satz aus: „Christus ist geboren und erschienen“ (arm. „Kristos dznav yev haydnetzav“). Der Empfänger des Grußes antwortet: „Gesegnet sei die Erscheinung Christi“ (arm. „Orhnyal e haydnutyunn Krisdosi“) oder „Euch und uns eine frohe Botschaft“ (arm. „Dzezi, mezi medz avedis“).

Wasserweihen aus der armenischen Geschichte
Պատմական Ջրօրհնէքներ

Aus der Geschichtsschreibung wissen wir über einige wichtige historische Wasserweihen. Ich erwähne hier nur zwei Beispiele.

Das erste und wichtigste Beispiel ist das historische „Tschurorhnek“ am Ufer des Flusses Aradzani (Es ist ein Flusszweig von Euphrat). Bei diesem „Tschurorhnek“ am 6. Januar 303, soll der Hl. Gregor der Erleuchter (arm. Krikor Lusavoritsch) den armenischen König Trdat den Großen, die ganze Hoffamilie und abertausende andere Armenier getauft haben. Laut der Geschichtsschreibung wurden bis zu diesem Datum etwa 4 Millionen Armenier getauft worden. Bis heute befindet sich ein Felsenstein am Ufer des Flusses Aradzani, der als „Trdat’s Denkmal“ (Trdati Artzan) bekannt ist.

Über eine andere historische Wasserweihe aus dem 13. Jahrhundert berichtet ein römisch-katholischer Mönch mit Namen Kanonikus Wildebrand, der mit einer Delegation von lateinischen Fürsten auf dem Weg nach Jerusalem zu Gast beim kilikisch-armenischen König Leon dem Zweiten (arm. Levon II. Hayotz Arka) zu Gast war. Der Mönch berichtet über das „Tschurorhnek“ vom 6. Januar 1211: „Am Fest der Gottesoffenbarung kamen wir nach Sis, wohin uns der König Leon eingeladen hat, um uns ihre Festzeremonie zu zeigen. Die Stadt Sis ist eine von ihren wichtigen Städten, die zahlreiche wohlhabende Einwohner hat. Die Armenier haben die Epiphanie-Fest so abgehalten: Zuerst haben sie zwölf Tage Buße getan und gefastet…. Am Vortag des Festes, (Am Tag von Dschrakaluytz) haben sie gar nichts gegessen (arm. Dzom prnetzin) und am Abend die Hl. Messe und während der ganzen Nacht Andachtsgottesdienste abgehalten.

Am Morgen kamen sie zum Ufer des Flusses, nicht weit von der Stadt. Der König Leon saß auf einem schönen und kräftigen Pferd. Der Königsbruder Ruben und die zahlreichen Adligen kamen mit einem prächtigen Gefolge mit Hoffahnen nach. Danach kam der griechische Patriarch mit seinen Anhängern. Zum Schluss kam die armenische Geistlichkeit mit einer prachtvollen Prozession, geführt durch ihren Katholikos.

Sie begannen, das Wasser des Flusses zu segnen. Das Evangelium lasen sie armenisch und griechisch, tauchten ein Kreuz ins Wasser ein und ließen eine Taube aus der rechten Seite fliegen. Danach haben der König und auch andere sich mit diesem gesegneten Wasser besprengt….“

Weihnachtliche Bräuche
Ծննդեան Սովորութիւններ

Die vorweihnachtlichen sieben Tage (29. Dezember – 5. Januar) nennt man vorweihnachtliche Fastenwoche (arm. Dznntyan Shapatabahk). Während dieser Woche ist untersagt, abends zu arbeiten, sonst „ärgert man Christus“. In manchen Orten dürfte man an diesen Tagen bestimmte Hausarbeiten nicht machen. Man sollte sich körperlich und seelisch zum wichtigsten Fest der Heiligen Geburt vorbereiten. Nach dem Sonnenuntergang soll man zur Kirche gehen, um an dem vorweihnachtlichen Dschrakaluytz-Abendgottesdienst beizuwohnen und Hl. Kommunion zu empfangen. Nur nach der Heiligen Kommunion darf man das Fasten brechen. Nach dem Besuch der Kirche sollen alle nach Hause kommen, zu einem gemeinsamen Abendessen. Das Hauptgericht soll am diesen Abend der Fisch sein. Auf dem Tisch soll eine Kerze bzw. der vorweihnachtliche Kerzenkranz sein. Die siebte Kerze, die Jesus Christus symbolisiert, und mit ihm die übrigen 6 Kerzen des Kranzes sollen angezündet werden.

Uns ist hier in Deutschland der Adventskranz mit vier Kerzen bekannt. Aber leider ganz-ganz wenige von uns wissen, dass auch die Armenier einen Adventskranz bzw. vorweihnachtlichen Kerzenkranz haben. Im Unterschied zu Adventskranz mit 4 Kerzen hat unser Adventskranz insgesamt 8 Kerzen – 7 auf dem Kranz und eine in der Mitte des Kranzes. 7 Kerzen sind für die 7 Sonntage der armenischen Adventszeit und die eine Kerze in der Mitte, die etwas grösser als die anderen Kerzen ist, symbolisiert Jesus Christus.

Die 1. Kerze wird am Beginn der armenischen Adventszeit angezündet, der immer ein Sonntag zwischen 15. und 21. November ist. Und dann werden die anderen Kerzen nacheinander an jedem Sonntag angezündet. Die Kerze in der Mitte wird nach dem Sonnenuntergang bzw. nach dem Weihnachtsgottesdienst am 5. Januar oft beim gemeinsamen Familienessen angezündet.

An den Weihnachtstagen sind die gegenseitigen Besuche, die zum Neujahr sehr verbreitet waren, nicht verbreitet. Die Leute haben einander entweder in der Kirche, oder bei den anschließenden Festen oder bei der Begegnung auf der Straße gratuliert. Eine Ausnahme bildete der Besuch zu der Familie, die im vergangenen Jahr ein Todesfall hatte.

Haussegnung
Տնօրհնէք

Es ist bis zum heutigen Tag ein ziemlich verbreiteter Brauch, zu Weihnachten und zu Ostern die Wohnungen durch den Gemeindepfarrer segnen zu lassen. Man nennt diesen Brauch als „Haussegnung“ (arm. Dunorhnek). Nach den kirchlichen Feierlichkeiten besucht der Priester die Wohnungen seiner Gemeinde, überbringt die weihnachtliche bzw. österliche Botschaft den Familien und segnet mit einem speziellen Ritus die Wohnung und die Bewohner. Die Haussegnung ist also ein guter Anlass, den Gottessegen durch den Geistlichen zu empfangen. Es ist aber gleichzeitig eine gute Gelegenheit, ihn kennen zu lernen, über kirchlich-religiöse Themen ins Gespräch zu kommen, ihm ihre Sorgen und Nöte anvertrauen zu können.

Für die Haussegnung gibt es keine bestimmte Uhrzeit. Es kann sowohl vormittags, als auch nachmittags, als auch abends abgehalten werden. Die Anwesenheit aller Familienmitglieder ist obwohl erwünscht, aber keine Voraussetzung. Für die Haussegnung braucht man, nur ein Stück Brot, ein Glas Trinkwasser und etwas Salz vorzubereiten. Diese drei Haupternährungsmittel werden vom Priester während der Haussegnung gesegnet.

Außerdem war und ist es bei den Armeniern ein schöner und beispielhafter Brauch, am Vorabend eines kirchlichen Hauptfestes, also auch vor Weihnachten, die Wohnung zu beweihräuchern.

„Kristos dznav yev haydnetzav“
„Orhnyal e haydnutyunn Krisdosi“
„Dzezi, mezi medz avedis“

„Քրիստոս ծնաւ եւ յայտնեցաւ”
„Օրհնեալ է յայտնութիւնն Քրիստոսի”
„Ձեզի, մեզի մեծ աւետիս”

„Christus ist geboren und erschienen“
„Gesegnet sei die Erscheinung Christi“
„Euch und uns eine frohe Botschaft“

2017-01-04T05:52:42+00:00 Januar 4th, 2017|