Lehre 2017-02-16T15:39:35+00:00

Die Armenische Kirche glaubt und bekennt, dass der Mensch nur durch Jesus Christus erlöst werden kann. Grundlage für die Lehre der armenischen Kirche sind das Alte und das Neue Testament, die Beschlüsse der ersten drei Ökumenischen Konzilien von Nicäa 325, von Konstantinopel 385 und von Ephesus 431 sowie die Beschlüsse der Konzilien der Armenischen Kirche.

Die Armenische Kirche lehnt die Beschlüsse des Konzils von Chalzedon (451) über zwei Naturen Christi ab. Demzufolge betrachtet die Armenische Kirche auch die weiteren Ökumenischen Konzile der Byzantinisch-Orthodoxen Kirchen (7 Konzile) bzw. der Römisch-Katholischen Kirche (23 Konzile) als nicht Ökumenisch bzw. Universal.

In Anbetracht der Ablehnung von Chalzedon hat man der Armenischen Kirche die Irrlehre des Monophysitismus vorgeworfen, eine Unterstellung, die die Armenische Kirche mit Recht zurückweist. Denn sie bekennt sich im Anschluss an die ersten drei Konzilien (Nizäa 325, Konstantinopel 381 und Ephesus 431) zu Christus, in dem sich die göttliche und die menschliche Natur vereinigt haben. Der Überzeugung der armenischen Kirche nach ist der menschgewordene Sohn Gottes „ein Wesen, eine Person, eine Hypostase, eine gottmenschliche Natur, in der aber die göttliche und die menschliche Naturen Christi untrennbar und unvermischt vereinigt wurden“. Mit dieser Formel soll nichts anderes als die unlösbare Einheit beider Naturen in Christus zum Ausdruck gebracht werden. Eine Einheit, in der keine von den beiden Naturen eine Verminderung zugeschrieben wird.

Die Armenische Kirche lehrt, dass die dritte Person der Trinität (d. h. Dreieinigkeit), der Heilige Geist, nur vom Vater hervorgeht und lehnt die Lehre der Philioquie ab, womit behauptet wird, dass der Hl. Geist sowohl vom Vater als auch vom Sohn hervorgeht. Dies war eine der Hauptgründe, die zur Kirchenspaltung vom 1054 geführt hat.

Die Armenische Kirche glaubt an die Fürsprache der Heiligen. Sie glaubt, dass Menschen, die während ihres irdischen Lebens gläubig und sündenfrei waren, ein reines und makelloses Leben geführt und ihr Leben Gott und Christus gewidmet haben oder wegen ihres unerschütterlichen Glaubens verfolgt, gefoltert wurden oder gar den Märtyrertod gestorben sind, die Würde erhalten, Heilig gesprochen zu werden. Die Kirche reiht diese Persönlichkeiten in die Reihe der Heiligen wie z. B. die Gottesgebärerin Maria, alle Apostel, Gregor der Erleuchter, Mesrop Mashdotz, Sahak Bartev, Vardan Mamikonian, Grigor Narekatzi, Nerses Schnorhali und viele andere.

Die Armenische Kirche hat einen besonderen Gottesdienst für Entschlafene, so genannte Seelenmesse (arm. Hogehangist). In diesem Gottesdienst verlässt sich die Kirche auf die Gnade Gottes und betet für die Errettung der Seelen der Entschlafenen. Natürlicherweise glaubt die armenische Kirche, dass nur im Glauben Entschlafene der Errettung würdig werden, die in ihrem irdischen Leben entsprechend der Lehren des Herrn gelebt, und auch wenn sie Fehler und Sünden begangen hatten, aber diese bereut haben. Aber oft verlassen uns auch Menschen, die zwar geglaubt haben, jedoch trotzdem unvollkommen waren. Es ist nicht die Kirche, die die Herzen der Menschen prüft, sondern Gott selbst. Daher betet sie für alle Entschlafenen.

Die Armenische Kirche kann nicht akzeptieren, dass der Papst das Oberhaupt und Leiter der gesamten christlichen Kirche ist. Die Armenische Kirche kann auch die Unfehlbarkeit des Papstes nicht akzeptieren. Sie vertritt die Meinung, dass jeder Mensch, ganz gleich welche Stellung und welchen Rang er besitzt, auf menschlich-natürlicher Weise Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen kann.

Die Armenische Kirche kann auch die Lehre der Römisch-Katholischen Kirche über die unbefleckte Empfängnis von Maria nicht akzeptieren. Obwohl auch die Armenische Kirche die Gottes-mutter als höchste Heilige der Kirche ehrt, kann aber nicht annehmen, dass Maria ohne die Erbsünde geboren wurde. Sie unterstreicht, dass Maria Mensch war und, wie jeder andere Mensch auch, mit der Erbsünde geboren wurde. Sie wurde aber von Gott der hohen Ehre würdig gefunden, Mutter des Erlösers zu sein.

Die christlichen Kirchen haben unterschiedliche Meinungen und Haltungen Bildern gegenüber. In der Kirchengeschichte führte die Bilderfrage auch zu Meinungsverschiedenheiten und Problemen zwischen den Kirchen. Aus den Meinungsverschiedenheiten sind zwei Gruppen hervorgegangen. Eine Gruppe, die Bilder in der Kirche grundsätzlich ablehnt und eine andere, die die Bilder verehren. Insbesondere die byzantinischen Kirchen waren diejenigen, die gegen die Bilderablehnende Haltung mancher Kirchen am härtesten gekämpft haben. In diesen Kirchen ist die Bilderverehrung so weit verbreitet, dass man von „Bilderanbetung“ sprechen kann. Diese Kirchen haben besondere Bilder, die „Ikonen“ genannt werden und sie verehren diese Ikonen in besonderer Weise. Die Armenische Kirche lehnt Bilder in der Kirche keineswegs ab, ist aber nicht so streng, wie die byzantinischen Kirchen. Unsere Kirche ehrt die Bilder in der Kirche und glaubt, dass die Bilder (von Jesus Christus oder Heiligen) nur eine Hilfe zum Gebet sind. Der armenische Gläubige betet an die Dreieinigkeit oder an eine ihrer drei Personen, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Damit die Bilder, die in der Kirche angebracht werden, sich von gewöhnlichen Bildern unterscheiden, weiht die armenische Kirche diese mit dem Myronöl. Erst wenn sie gesegnet und geweiht sind, dürfen Bilder in der Kirche aufgehängt werden.

Die Armenisch-Apostolische Kirche blieb in der Vergangenheit und bleibt heute fest davon überzeugt, dass die geistliche und praktische Einheit der Kirche Christi verwirklicht wird, wenn die unterschiedlichen „Zweige“ der Kirche Christi ihre Beziehungen auf einer Grundlage der gegenseitigen Achtung und des Verständnisses der unterschiedlichen historischen Entwicklungen aufbauen. Einen Leitspruch für die Schaffung der Einheit der Kirche Christi, der auch heute gilt, gab uns der armenische Katholikos, der Hl. Nerses Schnorhali, im 12. Jahrhundert, indem er im Sinne des großen Kirchenvaters Augustin sagte: „Einheit in allem Notwendigen, Freiheit in allem Zweifelhaften, Liebe in allem“.