Դեպի լույս
Zum Licht
Mit einem Gebet begann der Abend, mit der Frage nach der Hoffnung endete er. Beim Benefizkonzert „Zum Licht“ präsentierte Lilit Kärcher-Sargsyan am Freitag in der BW-Bank Stuttgart ihre Lieder über Gott und das Leben, über Sehnsucht, Zeit und Heimat. Es wurde ein Abend, an dem das Motto der Kulturtage hörbar wurde.
Die Musikerinnen und Musiker spielten brillant und gaben den Liedern eine neue Klangfülle. Unter den Gästen war auch der Komponist Vahram Sargsyan, der die Arrangements eigens für dieses Konzert geschrieben hatte. Der Beifall, den er an diesem Abend erhielt, war hochverdient.
Sei es Pfad oder Weg, Gasse oder Straße,
wenn es nur zum Licht, zur Hoffnung führt …
Aus „Zum Licht“ (Դեպի լույս) von Lilit Kärcher-Sargsyan, deutsch von Johannes Kärcher
Lieder, neu gehört
Lilit Kärcher-Sargsyan
Sängerin, Songwriterin, Dichterin und GitarristinGeboren in Jerewan, schrieb Lilit Kärcher-Sargsyan ihre ersten Lieder bereits mit acht Jahren. Sie gehört zu den Mitbegründerinnen des Bard Club Yerevan, hat sechs Alben veröffentlicht und wird wegen ihrer Nähe zur Liedtradition Bulat Okudschawas auch als „Botschafterin Bulat Okudschawas in Armenien“ bezeichnet. Heute ist sie Generaldirektorin der Sevrugian Kulturstiftung.
Ihre Lieder verbinden persönliche Erfahrung, poetische Beobachtung und musikalisches Erzählen. Für „Zum Licht“ hat Vahram Sargsyan sie für Kammerensemble neu gefasst. Das Vertraute wurde dabei nicht wiederholt, sondern neu gehört: Das Neue ersetzt das Gewesene nicht, es öffnet darin eine weitere Möglichkeit.
Gemeinsam auf der Bühne
Astghik Matinyan
Violine
Luminitza Petre
Violine
Lydia Bach
Viola
Vache Bagratuni
Violoncello
Amalia Safaryan
KlavierLieder, Gesang und Gitarre: Lilit Kärcher-Sargsyan. Arrangements: Vahram Sargsyan.
Zwischen Bardenlied und Kammermusik
Was diesen Abend so besonders machte, war die Begegnung zweier musikalischer Welten. Lilit Kärcher-Sargsyan kommt aus der Tradition des Bardenlieds, jener Kunst, in der Dichterin, Komponistin und Sängerin eine Person sind und das Wort den Ton angibt. Vahram Sargsyan hat diese Lieder für ein klassisches Kammerensemble gesetzt und mit armenischen Motiven durchwoben. Daraus wurde keine Verkleidung, sondern ein Gespräch: Die Instrumente nahmen die schlichten Melodien auf, umspielten sie, gaben ihnen Tiefe und ließen ihnen doch den Raum, den ein Lied zum Atmen braucht. Mit äußerstem Feingefühl hielten Stimme und Gitarre, Bardenlied und Klassik einander die Waage.


Die Lieder erzählten von den großen Fragen in einfachen Bildern. Am Anfang stand eine Bitte an Gott: um die Einsicht, zu erkennen, was einem gegeben ist, und um den Frohsinn, es zu genießen. Das Titellied beschrieb das Leben als Weg, dornig und steinig vielleicht, aber getragen von der Hoffnung, am Ende mit dem Licht vereint zu werden. Andere Lieder fragten, was Leben eigentlich ist, verloren und beschenkt, verwundet und voller Hoffnung, oder zählten die Minuten und Sekunden, in denen der Lebensfaden dahingeht. Am Fenster schaute jemand hinaus auf den vertrauten Park und zugleich hinein in die eigene Seele und erinnerte sich an das Gitter der Kindheit, hinter dem einst ein Traum begann.
Mit einem Gedicht von Parujr Sewak, zwei Liedern von Bulat Okudschawa, dessen Mutter Armenierin war, und Schillers „Zwei Eimern“ öffnete sich der Abend für weitere Stimmen. Ein Lied auf einen Text von Naira Kochar staunte über das Wunder, dass ein Mensch aus einem anderen geboren wird und jeder Atemzug ein Leben schenkt. Dann wurde es maritim: Ein Kapitän fragt Meer, Wind und Felsen, wer den Weg kennt, ein Segel trägt verschlungene Herzen, und ein Schiff, vom Sturm an den Strand geworfen, fragt sich, was schwerer ist, dem Wind zu trotzen oder geduldig auf die Welle zu warten, die es in den Hafen trägt. Ein Gebet bat um einen einzigen Tropfen Liebe für ein ausgetrocknetes Herz, und mitten im Oktober fielen, Flocke um Flocke, schon die ersten weihnachtlichen Schneeflocken.
Die Zugabe führte zurück zur Heimat. Das Lied blickt auf die alte Stadt, auf abgeholzte Wälder und verfallene Klöster, auf entleerte Herzen, und wird darüber traurig und zornig zugleich. Doch es endet nicht in der Klage, sondern in einer Bitte.
Schenk mir Hoffnung in einem Nebel,
noch immer zu glauben, noch immer zu beharren.
Aus „Wo bist du, meine Hoffnung?“ (Ուր ես, հույս իմ) von Lilit Kärcher-Sargsyan, deutsch von Johannes Kärcher
Dass sich die Texte auch dem deutschsprachigen Publikum erschlossen, ist den Übersetzungen von Johannes Kärcher zu verdanken. Zwei der Lieder haben Helmut Malonek und Agapi Mkrtchyan ins Deutsche übertragen.
Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan
Gemeindepfarrer und Leiter der KulturtageHinschauen, Neues entdecken, einander begegnen.
Zum Abschluss des Abends wandte sich Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan mit einer bewegenden Ansprache an das Publikum. Er lud dazu ein, im Rahmen der Kulturtage und weit darüber hinaus hinzuschauen: Neues zu entdecken, neuen Sichtweisen und neuen Menschen zu begegnen und neue Freundschaften zu schließen. Genau das meint das Motto dieses Jahres, „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5).
Impressionen
Musik für ein Stück Heimat
Für das Konzert wurden keine Eintrittskarten verkauft. Stattdessen baten die Veranstalter um Spenden, und sie gehen an einen Ort, der für die armenische Gemeinschaft in Baden-Württemberg weit mehr ist als ein Gebäude.
Die Kulturtage gehen weiter
Bis 25. Oktober laden die Armenischen Kulturtage Stuttgart zu Konzerten, Theater, Lesungen und Gesprächen ein. Eine Auswahl:
- Mi 21.10., 18:30„Siehe, ich mache alles neu“, PodiumsdiskussionStadtPalais
- Do 22.10., 19:30„Gomesch · Die Büffelkuh“, Monodrama mit Narine GrigoryanKleiner Kursaal Bad Cannstatt
- Fr 23.10., 20:00Dan Gharibian TrioKleiner Kursaal Bad Cannstatt
- Sa 24.10., 20:00Nemra, Indie-Rock-KonzertLiederhalle, Silcher-Saal
- So 25.10., 18:00„Vom alten Klang zum neuen Licht“, Abschlusskonzert mit der Camerata VocalisEvang. Lutherkirche Bad Cannstatt
Danke
Die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg e.V. dankt Lilit Kärcher-Sargsyan und allen Musikerinnen und Musikern für diesen Abend, Vahram Sargsyan für seine Arrangements sowie Johannes Kärcher, Helmut Malonek und Agapi Mkrtchyan für die Übersetzungen, die die Lieder auch dem deutschsprachigen Publikum erschlossen haben.
Ihr Dank gilt der BW-Bank für die Förderung und Gastfreundschaft, der Sevrugian Kulturstiftung für die Kooperation, allen Spenderinnen und Spendern und den vielen Ehrenamtlichen, die diesen Abend möglich gemacht haben.





