Im Fokus: November

„Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Galater 6,2

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Freunde unserer Gemeinde,

manchmal ist Einsamkeit nicht die Abwesenheit von Menschen. Man kann mitten unter anderen sitzen und sich dennoch unsichtbar fühlen. Gerade im November, wenn die Tage kürzer werden und das Leben sich zunehmend nach innen verlagert, wird diese Erfahrung für manche besonders spürbar.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich mehr als ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg zumindest zeitweise einsam fühlt. Das Land hat deshalb ein Bündnis gegen Einsamkeit gegründet. Eine bemerkenswerte Initiative, die uns als Kirche eine Frage stellt: Was bedeutet Gemeinschaft eigentlich, wenn Menschen trotz unzähliger Möglichkeiten der Kommunikation immer häufiger das Gefühl haben, niemandem wirklich verbunden zu sein?

Der Apostel Paulus schreibt: „Einer trage des anderen Last.“ Darin liegt mehr als eine freundliche Empfehlung. Es ist ein christlicher Auftrag. Niemand soll mit seinen Sorgen, seiner Trauer oder seiner Hoffnung allein bleiben. Doch Gemeinschaft entsteht nicht schon dadurch, dass Menschen denselben Raum betreten. Sie beginnt, wenn jemand bemerkt, dass ein anderer fehlt. Wenn ein Gespräch nicht bei der höflichen Frage nach dem Befinden endet. Wenn aus einem Fremden ein Mensch wird, dessen Geschichte uns interessiert.

Unsere Gemeinde ist und möchte weiterhin ein solcher Ort sein. Dazu laden wir auch bei unseren Gottesdiensten am 15. November in Stuttgart und am 29. November in Freiburg im Breisgau ein. Besonders freue ich mich auf unser Benefizkonzert am 27. November mit Aramo und Emma Petrosyan, begleitet vom Kammerorchester Gyumri. Dieser Abend soll nicht nur Musik schenken, sondern Menschen zusammenbringen und neue Freundschaften entstehen lassen.

Gemeinsam möchten wir Verantwortung für die Sanierung und den Erhalt unserer Armenischen Heilig-Kreuz-Kirche in Bartenbach übernehmen. Denn wir bewahren nicht einfach ein Gebäude. Wir erhalten einen Ort, an dem Menschen beten, ihre Kultur leben, Freude teilen und in schweren Zeiten Trost finden können. Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung, Ihre Ideen und Ihr Engagement.

Auch über unsere Gemeinde hinaus bleiben wir verbunden: Vom 7. bis 8. Dezember werden wir bei der Diözesan-Delegiertenversammlung in Köln vertreten sein, um die Zukunft unseres kirchlichen Lebens gemeinsam mit anderen Gemeinden mitzugestalten.

Vielleicht beginnt christliche Nächstenliebe mit etwas ganz Einfachem: einem offenen Herzen, einer ausgestreckten Hand und einem Platz, den wir für einen anderen Menschen freihalten.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten November und Begegnungen, aus denen wirkliche Gemeinschaft wächst.

In christlicher Verbundenheit,
Pfarrer Diradur Sardaryan