111. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Zentrale Gedenkveranstaltung in Baden-Württemberg

Am Freitag, 24. April 2026 um 19:15 Uhr findet in der Evangelischen Lutherkirche Bad Cannstatt (Martin-Luther-Straße 54, 70372 Stuttgart) die zentrale Gedenkveranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg e. V. zum 111. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern statt.

Bereits um 17:00 Uhr legen wir am Kreuzstein im Friedhof Steinhaldenfeld (Steinhaldenstraße 52, 70378 Stuttgart) einen Kranz nieder.

Am 24. April 1915 begann im Osmanischen Reich der systematisch geplante und staatlich organisierte Völkermord an den Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen. Mindestens 1,5 Millionen Armenier sowie Hunderttausende Angehörige anderer christlicher Minderheiten wurden ermordet, aus ihrer Heimat vertrieben und ihres gesamten Lebens beraubt. Dieser Genozid zählt zu den schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Was bleibt, wenn Verbrechen dieser Dimension nicht anerkannt werden, hat die Geschichte gelehrt: Leugnung schafft Straflosigkeit und Straflosigkeit ebnet den Weg für neue Verbrechen. Im September 2023 wurden mehr als 100.000 Armenier aus ihrer angestammten Heimat Berg-Karabach/Artsakh brutal vertrieben. Eine ethnische Säuberung, die sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit vollzog und kaum Reaktionen auslöste. Das Schweigen von heute ist die Mitschuld von morgen.

In diesem Jahr begehen wir zugleich den zehnten Jahrestag der Resolution des Deutschen Bundestages vom 2. Juni 2016, mit der Deutschland den Völkermord an den Armeniern offiziell anerkannt hat – ein historischer Schritt, der eine Verpflichtung ist, nicht aber Abschluss.

Besonders wichtig ist uns in diesem Jahr: Der neugewählte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir, hat selbst maßgeblich dazu beigetragen, dass die Bundestagsresolution 2016 verabschiedet wurde. Wir appellieren an ihn, dieses Engagement nun auch in Baden-Württemberg fortzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Anerkennung des Völkermords zu konkreten Ergebnissen im Land führt.

Gedenken ist mehr als Erinnerung. Es ist ein Bekenntnis zu Würde, Wahrheit und Verantwortung, nicht nur als armenische Diaspora, sondern als Gesellschaft, die sich zu den Werten des Rechts und der Menschlichkeit bekennt. Gerade angesichts der weltpolitischen Lage der Gegenwart ist dieses Bekenntnis keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Notwendigkeit.

Dr. Hayk Martirosyan ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lepsiushaus Potsdam. Er studierte Orientalistik und Turkologie (1997-2003) an der Staatlichen Universität Jerewan und wurde mit einer Arbeit über die Waisen- und Missionsarbeit des »Deutschen Hülfsbundes für Armenien« im Osmanischen Reich in den Jahren 1896-1919 an der Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien promoviert (2014). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Missionsgeschichte im Osmanischen Reich, die Biografien der im Osmanischen Reich tätigen Missionarinnen und Missionare und die Geschichte der Hilfswerke und der Rettungsarbeit für Armenier. Seine letzte Monographie „Humanismus und christliche Barmherzigkeit. Geschichte der deutschen Missionen für die Armenier im Osmanischen Reich 1896-1919“ wurde 2024 herausgegeben.

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