Nach dem biblischen Gebot ist jedem Menschen bewusst, dass sein irdisches Leben eines Tages ein Ende haben wird. Somit ist der Tod die Unterbrechung des menschlichen Lebens, der gegenüber man nicht gleichgültig bleiben kann. Das ist der Grund, warum der Mensch sich gezwungen fühlt, den Sinn des Lebens und die Fragen seiner Existenz tiefgreifender zu erkennen, als das Phänomen der Liebe und der Geburt zu bedenken geben. Vor allem wird man mit dem Tod durch den Tod eines anderen konfrontiert, obwohl der eigene Tod der schrecklichste und unvermeidlichste ist.

Der Beerdigungsritus ist eine bestimmte Verhaltensweise gegenüber der Unterbrechung des Lebens und der Bewältigung des Sterbens, die in allen Religionen und Kulturen allgemein erkennbar ist. Das Begräbnis wird aber nicht als ein bloßer Abschied vom Leichnam verstanden. Beisetzungen Verstorbener ohne Ritual wurden immer als eine Schande empfunden. Um sich gegenüber dem Leichnam ehrenvoll zu verhalten, haben verschiedene Kulturen und Traditionen Begräbnisrituale rund um die Beerdigung entwickelt, die von Generation zu Generation sorgfältig überliefert werden.

Zu unseren Lebensstationen gehören auch die Geburt und die Heirat, die ebenfalls bestimmten Rituale haben. Jedoch wird der Beerdigungsritus von uns nicht als eine Lebensstation wahrgenommen. Er ist mehr eine Äußerung der Lebenden gegenüber den Verstorbenen, worin die Vorstellungen über Tod und Leben ihren Platz einnehmen. Der Begräbnisritus ist mit zwei prinzipiellen Vorstellungen verbunden: einerseits sind es unsere Gefühle von Liebe und Achtung gegenüber dem Verstorbenen und besonders der Schmerz als Ergebnis unserer Bekanntschaft mit dem Verstorbenen; andererseits sind es unsere Gefühle gegenüber dem Tod als einer unvermeidlichen Grausamkeit, einer groben, gegen das Leben gerichteten Kraft.

Die Antwort des unbegreiflichen Geheimnisses des Todes finden wir im Christentum durch den Glauben an Christi Heilswerk und seine Auferstehung. Die Auferstehungshoffnung des Christentums, nach der der Tod nicht die letzte Station ist, wird im Glauben an die Überwindung des Todes durch Christus geknüpft. Durch Christus wird der Mensch des Todes enthoben. Für den Christen hat die Herrschaft des Todes für die Sterblichen mit dem Erscheinen Christi in dieser Welt ihr Ende gefunden. Seitdem hat sich alles verändert. Alles, was bis dahin schrecklich war, wurde zum Hl. Mysterium; das irdische Ende des Christen wurde zum Anteil an Tod und Auferstehung Christi. Der Tod wird nicht mehr als eine machtlose Unterbrechung des Lebens verstanden, sondern als Auffahrt und Wiederkunft in der Präsenz Gottes in ein neues und verheißungsvolles Leben. Also weswegen Trübsal und Furcht? Demzufolge klagt der Christ nicht über einen Verstorbenen, wie die Heiden es tun, sondern er geleitet ihn mit Lobpreisungen zum Grab, denn auf den Verstorbenen wartet dort die volle Erneuerung durch die Gnade Gottes. In diesem Sinne setzte sich die frühchristliche Kirche mit den heidnischen Totenwehklagen auseinander. Das ist auch der Grund, warum die Christen der Frühkirche ihren Verstorbenen weiße Kleider anlegten, ihre Stirn mit Triumphkronen schmückten und sie in feierlichen Leichenprozessionen mit zahllosen Leuchtern und Lobgesängen zum Grab geleiteten. Die weiße Farbe stand als Symbol für Leben und Freude im frühchristlichen Begräbnisritus im Gegensatz zu den heidnischen Trauerfarben Schwarz und Rot. Es herrschte die Vorstellung, dass die Seele des Verstorbenen auf dem Weg des ewigen Lebens weiße Kleidung tragen würde. Die weiße Farbe symbolisierte auch die endzeitliche Trauung, die die Seele durch den Tod mit Christus verbindet.

In der christlichen Mystik der Farben stellt sich die Hingabe der Seele in der Taufe auch in einer weiteren Dimension dar. Der durch das Taufbad neu geheiligte Christ zieht weiße Kleider an als Neugeborener und als der, der den Hl. Geist angenommen hat. Wie der einst im Täufling Platz genommene Hl. Geist Christus auferweckt hat, so ruft jetzt derselbe Hl. Geist den Verstorbenen zum Leben. Später zieht sich die Bestätigung des Taufglaubens wie ein roter Faden durch den armenischen Begräbnisritus – als Garant für die Auferstehung.

Es ist erkennbar, dass seit frühchristlichen Zeiten in Begräbnisritualen bestimmte Psalme rezitiert wurden und parallel dazu auch Fürbitten-Gebete mehr an Bedeutung gewannen. Die Kirche glaubte, dass die vom Körper getrennte Seele mit diesen Gebeten Gott überliefert würde.

So werden die wichtigsten Fundamente der Entstehung des christlichen Begräbnisritus gelegt, wodurch sich der Ritus mehr und mehr vom Erbe des Totenkultes aus antiken Zeiten absetzt, und der Auferstehungsglaube betont wurde.

Aus der Frühphase der christlichen Begräbnisse sind fragmentarische Inschriften auf Grabsteinen, sowie für Entschlafene verfasste Gebete bekannt, wie es etwa die Gebete (Euchologien) von Serapion von Thmuis und die apostolischen Konstitutionen bezeugen. Ungefähr seit dem 4. Jh. wird das Abfassen von Gebeten und die freie Rede neben dem frühchristlichen Brauch im Ritus üblich. Allgemein wird das 4. bis 8. Jh. als Entstehungsphase des kirchlichen Ritus aufgefasst. In dieser Zeit existierten noch keine festgelegten Handschriften. Die Riten und Rituale befanden sich also noch in ihrer Entstehungsphase. Die Priester hatten die Möglichkeit den Ritus nach eigenem Belieben frei zu gestalten

Das älteste Zeugnis eines Begräbnisritus finden wir Ende des 6. Jh. bei Dionysius von Areopagita in seinem Werk „De ecclesiastica hierarchia“, wo der Ritus der Kirche Antiochiens geschildert wird. In seinem der christlichen Geistlichkeit gewidmeten Werk erklärt Areopagita den Ritus der Kirche als ein „Mysterium“, das das höchste und übernatürliche Geheimnis widerspiegelt. Der Begräbnisritus als ein Übergang vom irdischen zum himmlischen Leben eines Christen legt das göttliche Geheimnis des Lebens im Jenseits aus. Obwohl der Begräbnisritus theologisch nicht als Sakrament definiert wird, beinhaltet er einen tiefgreifenden geistlichen Sinn. Deshalb stellt Areopagita den „Ritus der heiligen Entschlafenen“ den Sakramenten Taufe und Abendmahl gleich. Die Kirche stellt durch die Taufe die Nachfolge Christi im irdischen Leben eines jeden Christen sicher, und durch das Abendmahlssakrament bestärkt sie den Glauben der Christen. Dank des Begräbnisritus sieht die Kirche den Übergang des Gläubigen in die Welt des Jenseits und seine vollkommene Existenz  bei Gott gesichert.

Der Tod des Menschen wird somit geweiht, und der Mensch nimmt als Nachfolger Christi an einem Heilmysterium teil. Bestärkt durch das Abendmahl Christi, steigt der Mensch mit Christus in den Abgrund herab, um mit Ihm gemeinsam siegreich von dort wieder aufzuerstehen.

Der christliche Glaube setzte sich mit den heidnischen, düsteren und trübsinnigen alten Todesvorstellungen dieser Art auseinander, die die vollkommenen Hoffnung zur Auferstehung versprachen. Der Glaube an die Vergänglichkeit des Todes bekam einen tröstenden Charakter, indem der Tote „Entschlafener“ und nicht „Verstorbener“ genannt wird. Die Ruhe des Grabes ist ein vorläufiger Schlaf bis zur Auferstehung, und der Verstorbene – „ein Entschlafener“. Statt des ewigen Todesschlafes ist das Grab eine vorläufige Ruhestätte des Leichnams. Die griechischsprachigen Christen haben diese Begrifflichkeit im Gegensatz zu den heidnischen Vorstellungen über das Grab und die ewigen wie vorläufigen Stätten der Toten theologisch differenziert. Nach der Christianisierung Armeniens wurde diese Differenzierung vom Griechischen in den armenischen Sprachgebrauch übernommen und und armenisiert.

Die armenische Kirche begann, solche christlichen Begrifflichkeiten für das Grab wie „Ruhestätte“, „Ruhe“ oder „Ruheort“ zu verwenden. Die Begriffe „Grab“ und „Gruft“ wurden für die heidnischen Gräber verwendet. Zum Beispiel die königlichen Grabmale in Ani wurden „Gräber“ genannt, – im Gegensatz zu den „Ruhestätten“ der Heiligen und Märtyrer. Das Grab als ursprüngliche Ruhestätte begegnet uns in den Zeugnissen des Evangeliums: der Tod eines Christen, der an die Auferstehung der Toten glaubt, ist nicht sein Ende. In diesem Sinne legt die armenische Kirche durch den Begräbnisritus den Glauben des ewigen Lebens aus.

Der täuschende Schein des Todes, der durch den rechten Glauben verschwindet, spiegelt sich in der Bezeichnung des Begräbnisritus, die die armenische Kirche ganz früh für ihren Begräbnisritus bestimmt hat, nämlich „Kanon der Bestattung aller Entschlafenen durch das Begräbnis in Christus“. In den alten Begräbnisgebeten finden wir nirgends die Bezeichnung „Verstorbener“. Die Handschriften berichten thematisch von der Ruhe der verschiedenen Seele und ihrer Reise in die Welt des Jenseits. Der Körper aber wird in der Erde bestattet, aus der er einst geschaffen wurde. Die Gebete beinhalten auch Fürbitten, dass Gott die Seele annehmen möge. Die Psalmen dienen der Sicherung des Glaubens an Gott und Seinen rettenden Schutz vor dem Tod im Jenseits. Das Elend und die Unvermeidlichkeit des Todes werden zwar nicht verschwiegen, im Ganzen jedoch wird die Wehklage zur hoffnungsvollen Lobpreisung.

Nach der Christianisierung Armeniens wurde das Begräbnisritual in die armenische Kirche aufgenommen und neu- bzw. umgestaltet. In der heidnischen Antike war die Bestattung zwar eine private Angelegenheit der Familienangehörigen, mit der Christianisierung jedoch wurde sie zu einer Angelegenheit der Kirche bzw. der Gemeinde, – und so entstand der Ritus.

In der armenischen Geschichtsschreibung vor dem 5. Jh. sind nur wenige fragmentarische Berichte erhalten, so dass eine genaue Rekonstruktion der Entstehungsstufen nicht vollziehbar ist. Es ist nur anzunehmen, dass die armenische Kirche verschiedene heidnische Elemente und Bräuche aufgenommen hat, die den christlichen Todesvorstellungen nicht widersprachen. Das Singen von Psalmen und Hymnen, das Fürbitten-Gebet für die Verstorbenen, das Segnen des Grabes, sowie der Jahrestag der Verstorbenen waren elementare Riten, die die Kirche aus den alt-herkömmlichen Bräuchen hinzufügte. Somit bildeten diese Riten im 4. Jh. die Basis für die spätere Entwicklung der Begräbnisrituale in Armenien. Sie gestalteten sich später deutlich als dreiteiliger Ritus. In der Frühphase wurde die Leichenprozession mehr betont. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren in den frühen Zeiten die Aufbahrung (Prothesis), die Nachtwache (Vigil) und die Liturgie keine Bestandteile des Begräbnisritus in der Kirche. Im Allgemeinen wurde das Gebet in der Kirche abgehalten. Erst im 10. Jh. müsste der kurze Halt vor der Kirche und die damit verbundene Anordnung der Gebete hinzugekommen sein, so dass dies in der Frühzeit nicht von Bedeutung war. Das Christentum erbte alte Bräuche. So wurde der Leichnam des Entschlafenen nicht zur Kirche getragen. Im alten Begräbnisbrauch war ein Prozessionszug mit dem Leichnam zum Tempel ausgeschlossen gewesen, denn die Anwesenheit eines Toten an geweihter Stätte galt als Befleckung. Somit lag das Hauptgewicht der christlichen, rituellen Gestaltungsmöglichkeiten auf der Trauerprozession, die zu den Grabstätten außerhalb der bewohnten Gegend zog und den wichtigsten Bestandteil in der Antike darstellte. Der Prozessionszug vom Sterbehaus zu den Grabstätten gewann bei den ersten armenischen Christen eine große Bedeutung. Zum zeichenhaften Vollzug einer „migratio ad Dominum“ wurde er symbolisch umgestaltet. Viel später wurde dieser Brauch durch Vigil be-reichert, indem der Verstorbene am Vorabend der Bestattung feierlich zur Nachtwache (Vigil) zur Kirche gebracht wurde. Von der heidnischen Funeralprozession übernahmen die Christen den reichlichen Gebrauch von Fackeln, Kerzen und Räucherwerk. Der lustrative und apotropäoische Zweck der Lichter der heidnischen Zeit wurde christlich umgedeutet als spirituelles Symbol der „Lux perpetua“ bzw. als Symbol für Christus, dem ewigen Licht der Welt. In Armenien wurden die alt-herkömmlichen Wehklagen während des Begräbnisses schon am Anfang der Christianisierung strikt verboten. Vor allem hatten Musiker, Tänzer, Mimen und verdingte Klageweiber, deren Teilnahme dem christlichen Glauben an die Auferstehung entgegenstand, in der christlichen Prozession keine Berechtigung. Solch Verhalten war von heidnischen Zeiten an im Volk als lebendige Spur eines Todeskultes verwurzelt. In zahlreichen kanonischen Beschlüssen der armenischen Kirche versuchte man jede Art der extremen Wehklagen zu verbieten und es galten sogar Strafen bis hin zur Anathema (Verdammung). Diese Verbote zielten auf die Abschaffung jeglicher Art des Ausdrucks von Wehklagen, die oft bis zum Selbstmord führten.

Mit der Abschaffung der Wehklagen über die Toten hat die Kirche dem Begräbnisritus einen tiefen Sinn verliehen. Nach dem christlichen Verständnis von der Auferstehung nach dem Tod bzw. im festen Glauben an ein Leben im Jenseits sollte das Begräbnis statt mit Wehklagen mit einer feierlichen Zufriedenheit und mit Psalmgesang einhergehen.

Der Katholikos Nerses der Große versuchte mit kirchenrechtlichen Maßnahmen dagegen einzuschreiten. Im Zuge seiner Sozialreformen erließ er auf der Synode zu Aschdischad Bestimmungen, die auf die christliche Durchdringung des Totenkultes zielten. Über seine Reform der Trauersitten unterrichtet uns Pawstos: „Wenn jemand überraschend starb, wagte es niemand, den Verstorbenen gegen die kanonische Ordnung der Kirche hoffnungslos zu beweinen. Auch trauerte niemand oder stellte Klagen um den Toten an, und niemand erhob ein Schreien über den Toten in den Tagen des Nerses, sondern man geleitete seine Toten auf ihrem Weg bloß unter Tränen, mit maßvollen Psalmen und Lobgesängen, sowie Lichtern und brennenden Kerzen “.

Trotz heftigen Kampfes hat die armenische Kirche die alt-herkömmlichen Bräuche nicht gänzlich entwurzeln können. In der christlichen Zeit hat die Klage im Sterbehaus und während des Begräbnisritus noch lange ihre Wirkung bewahrt. Psalmen haben im Laufe der Zeit den Platz der Wehklagen eingenommen. So haben sie bei der Gestaltung der kirchlichen Gebete eine gewichtige Rolle gespielt und mit den alt-herkömmlichen Bräuchen den Kanon des armenischen Begräbnisritus gebildet.

Parallel zum Psalmgesang pflegte man in Armenien einen anderen alten christlichen Brauch zu praktizieren, nämlich das Räucherwerk auf dem Friedhof. Nachdem der Verstorbene bestattet wurde und das Grab durch den Priester mit den Gebeten kreuzförmig gesegnet wurde, galt das Grab als versiegelt. Heute wird der Begräbnisritus noch mit dem Versiegeln des Grabes abgeschlossen. Nach den heute gebräuchlichen Formeln lautet die Segensformel, die der Priester zuerst an der westlichen Seite (am Kopfende), dann an der östlichen Seite (am Fußende) und danach in der Mitte des Grabes (am Brustkorb des Toten) spricht: „Es werden gesegnet und versiegelt bewahrt das Grab und die Gebeine des Dieners Gottes durch das Zeichen des heiligen Kreuzes und durch das Wort des heiligen Evangeliums und den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes… Es werden gesegnet und versiegelt bewahrt die Gruft und Gebeine… Es werden gesegnet und versiegelt bewahrt das Grabmal und Gebeine…“. Sodann spricht der Priester: „Unverrückbar sei das Siegel des Herrn auf dem Grab des Dieners Gottes bis zur Ankunft Christi, welcher kommen und neu machen wird mit Herrlichkeit, in der Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“.

Kulturgeschichtlich hat das Christentum die überragende Bedeutung des Siegelzeichens von der Spätantike übernommen. Das Versiegeln der Gräber zur Kennzeichnung des Eigentums und zur Sicherung gegenüber unbefugtem Eingriff Fremder war ein allgemein üblicher Brauch. Pilatus ließ das Grab Jesu versiegeln, um dem Raub des Leichnams vorzubeugen (vgl. Mt. 27,66). Die Ruhe des Toten nicht zu stören und den Toten als Besitz Gottes zu kennzeichnen, war auch der Sinn des Siegelabdrucks auf vielen frühchristlichen Gräbern. In übertragener Symbolik diente die Versiegelung dem Zweck, den Toten und damit die Umwelt vor dämonischen Mächten zu schützen.

Die Versiegelungssymbolik spielt im Taufritus (Gnunk – dt. Versiegelung) auch eine gewichtige Rolle. Das aus dem Wasser herausgenommene neugeborene Kind wird mit Myrrhenöl gesalbt: somit werde es „versiegelt“ zum Schutz vor bösen Mächten. Diese Vorstellung ist auch im ältesten Begräbnisritus vorhanden, den man in der ältesten, noch aus dem 10. Jh. erhaltenen Maschtotz-Begräbnisformel findet. Im „Versiegelungsgebet“ zum Schluss des Ritus betet der Priester vor dem neubestatteten Leichnam zu Gott und bittet um die Bewahrung der Ruhe des Verstorbenen mit geistlichen Siegeln bis zu seiner Auferstehung, indem er spricht: „Und nun, Herr, unser Gott, strecke deine beschützende Rechte aus und segne und versiegele den Ort seiner (des Verstorbenen) Ruhe, so dass seine Gebeine unter Wacht und in Obhut stehen wie kostbare Schätze vor deiner Gottheit, und kein sichtbarer und unsichtbarer Feind wage, sich darüber hinwegzusetzen“.

Am Tag nach der Beerdigung hieß es bei der Toten-Gedenkfeier im Gebet, das der Priester am frischen Grab sprach: „Beschütze, allumfassender und allmächtiger Herr, die Seele dieser mit Deinen Heiligen und denen, die Deinen Namen lieben. Und dieses Grab Deines Dieners bewahre versiegelt, der Du die Tiefen verschließt und mit Deiner allmächtigen Rechten versiegelst; die Himmel und die Himmel der Himmel und alle Elemente und die Erde stehen fest begründet durch Dein Wort. So sei auch unverrückbar das Siegel Deiner Herrschaft über seiner (des Toten) Wohnstätte und über dem Aufbewahrungsort Deines Dieners. Und kein unbefleckter und unreiner Dämon wage es, sich ihm zu nahen wie dem Körper und dem Geist der Heiden, welche nicht die heilige Geburt aus dem Taufbecken haben und das abschreckende und Ehrfurcht gebietende Siegel auf ihren Gräbern“.