Der Große Donnerstag

Das letzte Mahl – die Gründung des Hl. Abendmahls. Fußwaschung

In den frühen Stunden dieses Tages wird die Hl. Messe zur Erinnerung der Gründung des Sakraments der Hl. Kommunion während des letzten Mahles gefeiert. Beim diesen Mahl im Obergemach nahm Jesus das ungesäuerte Brot, segnete und brach es und gab seinen zwölf Jüngern und sagte: „Nehmt und esst; das ist mein Leib.“ Dann nahm er den reinen (Rot)Wein, sprach ein Danksgebet, gab ihnen und sagte: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matt. 26, 17-30; Mark. 14, 12-26; Luk. 22, 7-14; Joh. 13, 21-30).

Demzufolge bedeutet die Hl. Messe auch heute die Opferung Christi für die Rettung der Menschheit, mit dem Tod auf dem Kreuz und durch Gießung seines Blutes auf diesem Kreuz. Das während der Hl. Messe gesegneten Brot und der Wein bedeuten Leib und Blut Jesu Christi und sind eine geistige Nahrung für die Gläubigen: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank.“ (Joh. 6, 54-55).

Fußwaschung:

Am Abend des Großen Donnerstags findet die Zeremonie der Fußwaschung statt. Nach dem letzten Mahl goss Jesus Wasser in eine Schüssel, kniete nieder vor seinen Jüngern und begann, wie ein Diener, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen. (Vgl. Joh. 13, 5). Jesus gab durch sein Tun ein Beispiel der Bescheidenheit und der Demut: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh. 13, 12-15)

Die Fußwaschung ist nicht nur ein Beispiel der Bescheidenheit und der Demut, sondern auch ein Zeichen einer praktischen, unendlichen und grenzlosen Liebe Jesu Christi. Eine Liebe, die auch und in erster Line für den Sünder gilt. Jesus wusste, dass Judas am nächsten Tag ihn verraten wird, trotzdem wusch er auch seine Füße.

Bei der heutzutage abgehaltenen Fußwaschung tritt der Priester oder der Bischof mit zwölf Kindern oder Messdienern zum Altar. Der Zelebrant segnet das Wasser und die Butter (Öl) in dem er spricht: „Es wird gesegnet und gereinigt das Wasser und das Öl mit dem Zeichen des Hl. Kreuzes und durch das Wort des Evangeliums und die Gnade des Tages im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Nach dem Schlussgebet „Christus, unser Gott, Beschützer und Hoffnung der Gläubigen“ nimmt der Zelebrant ein Tuch, kniet nieder und beginnt die Füße der zwölf Kinder zu waschen und mit dem
Öl zu salben. Ganz am Ende wird das Evangelium gelesen, wo über die Fußwaschung durch Jesu gesprochen wird. Jesus wusch die Füße nur mit Wasser. Die Benutzung des Öls während der heutigen Zeremonie erinnert uns an das wohlriechende Öl, mit dem die sündige Frau die Füße Jesu gesalbt hat (Vlg. Joh. 22, 3). Während der Zeremonie der Wasserweihe wird ein tiefsinniges und bedeutungsvolles Ratwort über die christliche Liebe verlesen, dessen Verfasser der armenische Vardapet Hovhannes Plus (14 Jh.) ist.

Nach der Fußwaschung bekommen die anwesenden armenischen Christen etwas gesegnete Butter, die bei der Erkrankung verwendet bzw. Zuhause in die zum Verzehr bestimmte Butter gemischt wird. Am Spätabend des Großen Donnerstags findet eine Passionsandacht, die auf Armenisch „Chawarum“ (Verdunkelung) heißt. Mit dieser Andacht beginnt der Große Freitag (Karfreitag), denn kirchlich gesehen, beginnt der nächste Tag mit dem Sonnenuntergang.

Serovpe Vardapet Isakhanyan

2018-03-29T07:16:49+00:00 29 März 2018|